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Die Story geht in die dritte Runde!!!

Ja ja... ich weiß! „Och nö! Jetzt geht die Story noch weiter!!!“, wird jetzt sicherlich kommen. Aber Ina zwingt mich sozusagen zum weiterschreiben *lol*, also mach ich’s auch! Aber ihr solltet lieber erst die Vorwarnung lesen, bevor ihr euch, die neue (alte) Story an tut!

VORWARNUNG!!!
Diese Story ist noch unrealistischer als Story I & II !!! Wer Fan Fictions hasst und bei Story II schon fast n Würganfall bekommen hat, sollte jetzt wohl besser nicht weiterlesen. Und ich bezweifle, dass hier viele neue Ideen auftauchen. Ich denke vieles wird sich wiederholen!
So... wer jetzt trotzdem noch Lust auf die Story hat... VIEL SPASS!!!

*rofl*

Autor: immer noch Katja
Personen: Ina, Jul, Katja, Silvi und unsere 4 Finnen (Lauri, Aki, Pauli, Eero), Mark, Tobi
Erstleser: immer noch Ina

(Aso... für alle die The Rasmus nett kennen: Lauri- vocals, Aki- drums, Eero- bass, Pauli- guitar... ich hoffe das hilft euch etwas weiter *lol*)




46. Katja (5 Monate später)

Lustlos packte ich meine Englischsachen auf meinen Tisch. Gott. Wenn der Schultag doch nur schon um wäre. Aber nein. Da musste man ja noch zwei Stunden Englisch Leistungskurs haben. Warum hatte ich das gleich nochmal gewählt? Ah ja... weil ich auf die anderen Fächer keinen Bock hatte. Ina und Jul -Ja Jul. Sie hat einfach mal die 11. Klasse übersprungen- saßen einen Tisch vor mir. „Wer kommt morgen denn alles?“, fragte Jul Ina. „mhm... Weiß nicht! Hab irgendwie alle eingeladen!“, grinste Ina. Ina hatte morgen Geburtstag. „Hey Katja!“, kam es plötzlich von der Seite. „Boah... du sollst mich doch nicht immer so erschrecken!“, grinste ich den Typen an der sich jetzt neben mich setzte. „Kann ich ja nix für, wenn du mal wieder träumst!“, grinste er zurück. „Ahh. Tobi ist da!“, drehte sich Ina um. „Yupp. Was gibt’s neues?“, grinste er bloß. „Hast du morgen Abend Zeit?“, fragte Ina. Tobi nickte. „Wenn du Lust hast, kannst du ja zu meiner Party morgen kommen!“, schlug Ina ihm vor. „Gibt’s was zu feiern?“. „Ina wird doch morgen 18!“, meinte Jul. „Stimmt ja! Klar komm ich! Was soll ich mitbringen?“. „Gute Laune!“, grinste ich. „Genau!“, stimmte Ina mir zu. Es klingelte zur Stunde. „Öhm... wann fängt das morgen denn an?“, fragte Tobi noch. „So nach 20 Uhr!“, meinte Ina. „Okay!“. „Würden sie dahinten bitte ruhig sein. Die Stunde hat angefangen.“, ermahnte uns der Englischlehrer. Na toll...

„High---way to Hell!“, rockte ich durch mein Zimmer und grölte lauthals mit. Plötzlich ging die Musik aus. Erschrocken drehte ich mich zur Anlage. „Du hast Besuch!“, grinste meine Mutter mich an. „Klar doch. Wer ist es denn? Der Staubsaugervertreter?“, grinste ich zurück. Ich bekam selten Besuch und wenn meldete der sich immer an. „Nee... sind n paar... öhm Freunde... wenn man das so nennen kann!“, räusperte sie sich. Na gut. Also ging ich an meiner Mutter vorbei zur Treppe. Als ich die Treppe runter ging, hörte ich irgendwie viele Stimmen, die nicht Deutsch redeten. Um genau zu sein war es Englisch. Als ich unten an kam, schaute ich sofort zur Couch. „OH GOTT!“, entfuhr es mir, als ich sah, wer da so auf meiner Couch hockte. „Ich glaub’s nicht!“, waren meine nächsten Worte. Dort saßen vier Finnen. Vier Finnen die zu dem auch noch berühmt waren. Um es kurz zu sagen: The Rasmus! Aki stand auf. „Hey Kleine!“, grinste er und nahm mich in den Arm. „Was macht ihr denn hier?“, freute ich mich. „Euch besuchen!“, umarmte mich jetzt Pauli. „Und deswegen kommt ihr extra in eine der unbekanntesten Städte Deutschlands?“. „Na klar! Für euch machen wir doch alles!“, begrüßte mich jetzt Eero. Jetzt erblickte ich eine grinsende Jul, die neben einen stinkigen Lauri saß. „Jul?“, fragte ich verwirrt. „Gut erkannt.“. „Wie?... warum? The Rasmus?“, packte ich mich überdreht neben sie. „Mein Geschenk an Ina sozusagen!“, grinste sie. „Aber...“. Die Jungs schauten mich alle, bis auf Lauri, grinsend an. „Gott! Ich glaub’s immer noch nicht! Ich hätte nie gedacht, dass ihr uns mal besuchen kommt!“. „Tja... Das haste alles Jul zu verdanken. Als sie gehört hat, dass wir jetzt vor Weihnachten so gut wie frei haben, hat sie das alles eingefädelt!“, schlug Eero Jul auf die Schulter. „Du bist verrückt Jul!“, lachte ich. „Danke!... Meinst du Ina freut sich?“, fragte sie lachend. „Mhm... glaub nicht!“, lachte ich immer noch. „Dann können wir ja wieder nach Hause fliegen!“, meldete sich Lauri grummelnd das erste Mal zu Wort. „Spinnst du? Wir fliegen doch nicht extra nach Deutschland und fahren 2 Stunden hierher, damit wir gleich wieder abhauen können!“, zeigte Aki seinem Kumpel einen Vogel. „Wie lange seit ihr schon hier?“, fragte ich die Jungs. „Nicht lange! Wir sind vorhin gerade bei Jul angekommen, die uns gleich hierher geschleppt hat!“, lächelte Eero. „Und das hat auch einen guten Grund!“, nickte Jul. „Der da wäre?“, hackte ich nach. „Vier Typen bei uns im Haus, wird ein bisschen eng. Könntest du zwei von denen... öhm... aufnehmen?“, fragte sie ernst. „Hä? Wieso das denn? Pennen die nicht im Hotel?“, fragte ich verwirrt. „Hey... wir besuchen euch nicht, um die meiste Zeit im Hotel abzukacken!“, grinste Pauli. „Stimmt! Öhm.... Mutti? Können wir zwei Rasmusse bei uns auf nehmen?“, fragte ich meine Mutter, die gerade die Treppe runter kam. Verwundert schaute sie uns an. „ähhhh... wie jetzt? Zwei... bei uns?“. Ich nickte. „ähh... Klar!“, sagte meine Mutter immer noch total verwundert. „Wen willste?“, fragte Jul lachend. Ich schaute mir unsere vier Finnen genau an. Aki, Pauli und Eero zeigten auf sich. „Nimm mich. Nimm mich!“, lachten sie. „Ich nehme die beiden Nichtraucher!“, sagte ich und dachte dabei an meinen Vater, der es hasste, wenn man im Haus rauchte. „Gut! Ich wollt sowieso lieber zu Jul!“, grinste Pauli.

47. Lauri

Nachdenklich starrte ich aus dem Fenster. Was bitte suchte ich hier? Vor fünf Monaten hätte ich mich noch darüber gefreut in Deutschland zu sein. Vor Fünf Monaten hätte ich auch den ganzen Scheiß hier mit gemacht. „Lauri? Es gibt Abendbrot!“, kam Pauli ins Zimmer. „Ich hab keinen Hunger!“, murmelte ich. „Na und! Jul´s Mutter hat extra für uns gekocht!“. Widerwillig stand ich auf und folgte Pauli zum Esstisch. „Reiß dich jetzt mal zusammen!“, ermahnte mich Pauli noch. Ich setzte mich an den Tisch und schaute mich um. Es gab Kartoffeln, Fleisch, zwei Salate und Gemüse. „Dann greift zu!“, meinte Jul fröhlich. Ich nahm mir von jedem etwas und als ich aß, musste ich mit erstaunen fest stellen, dass ich doch einen ziemlich großen Hunger hatte. „Das ist himmlisch!“, genoss Pauli sein Essen. „Stimmt!“, nickte ich und bemühte mich zu einem Lächeln. Jul übersetzte das Kompliment mal eben ihrer Familie. „Wie läuft das morgen eigentlich alles ab?“, wollte Pauli dann wissen. „Also wir holen so gegen 19.45 Uhr Katja, Aki und Eero ab und gehen dann zu Ina, wo dann auch die Party steigt.“, erklärte Jul. „Wir feiern bei Ina?“, fragte ich erschrocken. Jul nickte. „Ähm... ist... ist Silvi auch da?“, fragte ich kleinlaut. „Schätze schon! Sie weiß ja nicht, dass du kommst!“. Plötzlich verging mir der Hunger. Super. Ich würde morgen also zu Hundert Prozent auf Silvi treffen. Ich wollte weg vom Tisch. Wollte alleine sein. Und als würde es jemand gut mit mir meinen, fing mein Handy an zu klingeln. „Sorry!“, holte ich mein Handy aus der Hosentasche und stand auf. Ich deutete auf die Terrasse und ging raus. „Aki ruft an“, stand im Display. Gott. Auf den hatte ich nun wirklich keinen Bock. Aber ich nahm ab. „Was ist?“, fragte ich so normal wie möglich ins Handy. „Wollt nur mal hören wie es euch so ergeht!“, meinte Aki fröhlich ins Telefon. „Ganz gut! Wir essen gerade Abendbrot!“. „Oh stör ich etwa? Ich kann auch später nochmal anrufen!“. „Nein. Ist schon okay!“, meinte ich und holte aus meiner anderen Hosentasche meine Zigaretten raus. Ich klemmte das Handy zwischen Ohr und Schulter und kramte ne Kippe und mein Feuerzeug raus. „Du bist sauer auf uns, oder?“, fragte Aki. Ich zündete mir meine Zigarette an und atmete erstmal den Rauch tief ein. Dann nahm ich das Handy wieder normal in die Hand. „Ja bin ich!“, antwortete ich wahrheitsgemäß. „Ich mein... ihr schleppt mich aufgrund einiger „Pressetermine“ nach Deutschland und dann steh ich plötzlich vor Juls Haus!... Was soll der Scheiß?“, stellte ich Aki zur Rede. „Na ja. Ina wird morgen 18 und das wollen wir feiern! Du wärst sicher nicht freiwillig mit gekommen, wenn du das gewusst hättest!“. „Ach hör auf! Haltet ihr mich für total verblödet? Es geht doch hier ganz sicher nicht um Inas Geburtstag!“, schrie ich ins Telefon. Ich nahm ein Zug von meiner Kippe. „Na ja! Ina ist nur... ein guter Vorwand!“, erklärte Aki jetzt eingeschüchtert. „Ihr seid Idioten! Alle!“, zischte ich. „Vielleicht hilft es ja, wenn ihr euch mal aussprecht!“, sprach Aki das Thema jetzt direkt an. „Nein!!! Das mit Silvi ist vorbei, okay?“, brüllte ich ein letztes mal ins Handy und legte auf. Verdammt. Wie konnten sie nur sowas machen? Ich hatte es mir ja schon gedacht, dass es hier weniger um Ina, sondern um mich und Silvi ging. „Warum machst du immer gleich Aki so klein! Frag doch erstmal, wer hinter der ganzen Sache steckt!“, regte sich jemand hinter mir auf. Ich drehte mich um. Pauli. „Und? Wer steckt hinter der ganzen Aktion?“, raunzte ich ihn an. „Ausnahmsweise mal nicht Aki, sondern Eero und ich!“, kam es locker von Pauli der sich jetzt auch eine Zigarette anzündete. „Warum macht ihr son Dreck?“, brüllte ich jetzt Pauli an. „Man. Du leidest total unter der Trennung von Silvi. Falls es dir noch nicht auf gefallen ist... du landest jedes Wochenende mit einer anderen im Bett!!! Und lass mich raten, du weißt denn morgen danach nicht einmal mehr, wie die Frau überhaupt heißt, die da neben dir liegt!“, sagte Pauli jetzt ziemlich ernst. So hatte ich ihn schon lange nicht mehr erlebt. „Du spielst mit ihnen... und alles nur, weil du Silvi immer noch liebst!“, redete er weiter auf mich ein. „Ach lass mich!“, schnipste ich wütend meine Kippe weg und ging raus auf die Straße. Tolle Freunde die ich da hatte!!!


48.Katja

Stimmen, klirrendes Geschirr und Schwupps war ich wach. Argh. 8.00 Uhr. Ich wollte heute mindest bis 11.00 Uhr pennen, aber nein... Irgendwelche Flüche vor mich hinmurmelnd, stand ich auf. Ich schnappte mir meine Sachen und ging geradewegs ins Bad. „Morgen Katja!“, kam es mir fröhlich entgegen, als ich das Bad betrat. „Mensch Aki, man kann auch abschließen!“, grummelte ich. Vor mir stand ein Aki in Boxershorts. „Hab ich vergessen! Außerdem... ich kann mich doch sehen lassen oder?“, grinste er. Ich schmiss meine Sachen in die Ecke und schob Aki beiseite. „Hey. Seit wann bist du morgens so muffelig?“, fragte er mich. „Seit dem du in Boxershorts vor mir stehst, ich ne scheiß Nacht hatte und sowieso alles wieder total absurd ist!“, meckerte ich rum und wusch mir mein Gesicht erstmal mit kalten Wasser ab. Aki seufzte und setzte sich auf den Klodeckel. Er schaute mich nachdenklich an. „Ah... Jetzt kommts wieder! Du findest es also absurd, dass wir hier sind?“. „Das auch. Aber ich meinte eigentlich, dass du morgens um acht in meinen Bad stehst und mich fröhlich begrüßt! Darf ich dir nochmal sagen, dass du berühmt bist?“. Verdammt. Was führte ich bitte für Gespräche im Badezimmer? Vor allem mit welchen Personen führte ich Gespräche im Badezimmer? „Lass uns nachher darüber reden! Ich zieh mir jetzt was an und geh erstmal frühstücken! Kann es sein das deine Mutter Rührei gemacht hat?“, stand Aki auf. „Woher soll ich das wissen? Musst gucken gehen... Aber es riecht danach!“, grummelte ich und schloss schnell die Tür nachdem Aki raus gegangen war. Jetzt setzte ich mich erstmal. Irengdwo war hier ein gewaltiger Fehler. Ich musste erstmal meine Gedanken sortieren. Heute? 16. Dezember! Das heißt? Ina wird 18! Warum sind Aki und Eero bei mir? Weil Jul die Jungs als Überrascung für Ina nach deutschlan geholt hatten! Ha... genau da war der Fehler! The Rasmus kamen mal eben so nach Deutschland, weil Ina 18 wurde. Ich sprang auf und riss die Tür auf. Aki der gerade die Treppe runter ging, sah mich entgeistert an. „Es ist früh am Moren und ich weiß selbst nicht wie ich jetzt schon denken kann, aber die ganze Sache stinkt gewaltig und das bis zum Himmel!“, schaute ich Aki böse an. Er seufzte. „Ich hab doch gesagt wir reden nachher über das Thema!“. „Das mein ich nicht! Ich mein die ganze Sache... also weswegen ihr hier seid!“, lehnte ich mich jetzt übers Treppengelände. Aki sah mich jetzt entgeistert und verwirrt an. Jetzt war es an mir zu seufzen. „Okay... lass uns wirklich nachher reden! Ich sollte wohl erstmal kalt duschen!“. Aki nickte dankbar und ging runter. Ich befolgte meine Worte und ging erstmal kalt duschen. Langsam dämmerte es mir. The Rasmus waren (leider) nicht nur wegen Ina gekommen. Sie hatten einen anderen Grund. Jedenfalls drei von ihnen.

„Idioten!“, fluchte ich und schmiss halbwegs wütend die klein geschnitten Salatstücke in die Schüssel. Eero und Aki schauten mich entgeistert an. „Ihr habt Lauri nicht mal den wahren Grund gesagt, warum ihr nach Deutschland fahrt?“. Die beiden Jungs schüttelten syncron den Kopf. Ich nahm eine Tomate und fing an sie zu zerschnippeln. „Euch ist schon klar, dass die beiden eh kein Wort wechslen werden, oder?“. „Ähm... Wunder gibt es immer wieder?“, kam es kleinlaut von Eero. „Sie haben sich getrennt!!!“, meinte ich wütend. „Na und? Du hast Lauri in den letzten Monaten nicht erlebt... er war voll durch den Wind! Er liebt sie immer noch!“, regte sich jetzt Aki über mich auf und wirbelte mit seinem Messer rum. Ich sah ihn an. „Meinst du Silvi geht’s anders? Aber sie haben sich getrennt... das sollten wir akzeptieren!“, versuchte ich so normal wie möglich zu sagen, obwohl ich mich über die beiden gerade echt aufregte. „Wer weiß! Vielleicht wird’s ja doch nochmal was!“, murmelte Eero vor sich hin und schob die Gurkenstücke in die Schüssel. „Ich gebs auf!“, seufzte ich. „Solltest du besser auch! Gegen unsere Dickschädel kommt keiner an!“, grinste Aki. „Ich merk schon! Ich finds nur irgendwie Ina gegenüber gemein! Ihr werdet Ina heut als „Überraschungsgast“ präsentiert und dabei seit ihr wegen ihrer Schwester da!“, gab ich meine Meinung zum Besten. Eero schüttelte den Kopf. „So ist es auch nicht! Wir sind auch wegen Ina hier! Wir wären sicher nicht gekommen, wenn es keinen Grund gegeben hätte!“. Hä? Waren sie nun wegen Silvi und Lauri oder Ina hier? Sie wären nicht ohne Grund gekommen? Das heißt doch jetzt aber wieder, dass sie wegen Silvi und lauri gekommen sind, oder? Argh. „Wenn ihr meint!“, seufzte ich und ging jetzt erstmal nicht weiter auf das Thema ein. Vielleicht würde ich die ganze Situation ja im Laufe des Tages verstehen. „Was schenkst du Ina eigentlich?“, fragte Aki und gab jetzt seine mühsam geschnitten Paprikastücke zu dem Salat. „Klingt jetzt vielleicht ein bisschen komisch, aber ich schenke ihr was besonderes!“, grinste ich. „Was da wäre?“, hakte Eero nach. „Tja... das werdet ihr heute Abend sehen!“

49. Lauri.

Okay. Jetzt stand ich mit ner Blume in der Hand vor Inas Tür. Na ja. Nicht nur ich, sondern auch die anderen alle. Jul klingelte. „Und immer schön lächeln, Lauri!“, meinte Katja noch. Ich schaute sie an und lächelte so übertrieben wie ich konnte. „Fein machst du das!“, tätschelte sie dann meinen Kopf. Dann ging auch schon die Tür auf....... und verdammt schnell wieder zu. „Ja, Ina du hast richtig gesehen!“, rief Jul laut und die Tür öffnete sich wieder ein kleines Stück. „Happy Birthday!“, grinsten Aki, Pauli und Eero. „Oh. Mein. Gott!“, waren Inas ersten Worte. „Das ist nicht dein Gott! Gott ist für uns alle da!“, grinste Katja. Ina warf ihr einen bösen Blick zu, wandte sich dann aber schnell wieder uns zu. „Was macht ihr denn hier?“, freute sie sich jetzt und umarmte voller Freude Eero, der ihr am nächsten stand. „Dir zu deinem 18. Gratulieren, um uns dann anschließend bei dir durch zufressen!“, grinste Aki, schob Eero beiseite und nahm Ina jetzt auch in den Arm. „Aber! Finnland... Ihr... Was? Warum...“. Ina war anscheinend wirklich mal sprachlos. Jetzt schob Jul Aki beiseite und umarmte auch erstmal Ina. Gott! Hier ne Umarmung, da ne Umarmung. Warum hatte ich das Gefühl, dass ich auch bald eine bekam? „Die Jungs sind so zusagen mein Geburtstagsgeschenk an dich! Ach ja... Alles Gute, übrigens!“, grinste Jul. Ina musste lachen. „Mein Geschenk? Och... das ist ja mal n geniales Geschenk! Denn verteil ich gleich mal die Aufgaben. Aki? Du bist Gärtner. Lauri du kochst....“. „Nun mal langsam!“, lachte Eero. „Wir sind nur hier um mit dir zu feiern, okay?“. „Okay! Auch nicht schlecht! Kommt rein!... Gott! Ich kann es immer noch nicht glauben!“, schüttelte Ina den Kopf. Eero, Jul und Aki gingen schon rein. Pauli ging zu Ina, umarmte sie und ging dann auch rein. Jetzt war ich wohl an der Reihe. „Hey Lauri!“, begrüßte Ina mich unsicher. „Hey! Alles Gute zum Geburtstag!“, versuchte ich zu lächeln und ging zu ihr hin. Ina schaute erst mich an, dann meine Hand. Ah, stimmt ja... die Blume. Ich lächelte und schenkte ihr dann die Blume. „Danke! Ein Glück hab ich so wenig Blumen und ein Glück arbeitet meine Mutter NICHT in einem Blumengeschäft!“, grinste Ina ironisch. „Ups!“. „Macht nix! Komm rein!“. „Warte! Ich will dich jetzt auch noch umarmen!“, grinste ich und umarmte Ina wirklich. Ina lachte. „Na? Noch mal?“. „Nee. Einmal reicht!“, grinste ich siean. Langsam besserte sich meine Stimmung auf. Solange Silvi nicht da war, brauchte ich mir wohl keine Sorgen machen.
Drinnen angekommen, war ich erstmal platt, wie viele Leute schon da waren..... und wie viele Leute uns erkannten und dann zu tuscheln begannen. Ina seufzte lautstark. „Ja! Das ist The Rasmus! Und ja! Sie feiern heute mit uns mit!“, rief Ina durch das Wohnzimmer, sodass es auch der letzte mit bekam. Dann legten wir erstmal unsere Jacken ab. „öhm... Ina! Willste gar nicht deine Geschenke?“, fragte Jul. „Ach, es gibt noch mehr? Na dann immer her damit!“, freute sich Ina und breitete ihre Arme aus. „Zuerst will ich das große Paket dort haben!“, zeigte sie auf Katjas Geschenk, welches aber Aki trug. „Vergiss es! Aki? Bring das schon mal in Inas Zimmer!“, grinste Katja. „Och manno! Was ist das denn?“, benahm sich Ina wie ein Kleinkind. „Wirst du nachher sehen! Aki? Ab in Inas Zimmer!“, befahl sie und zeigte die Treppe hoch. „Wenn du so gnädig wärst und mir den Weg zeigen könntest...“, lachte Aki. „Ah Fuck! Stimmt ja!“, schlug Katja sich gegen die Stirn und ging die Treppe hoch. Aki folgte ihr. „Und der Rest der Geschenke?“, fragte Ina und schaute uns hoffnungsvoll an. Eero überreichte ihr ein kleines Päckchen. Ina riss es sofort auf. „Sind das...?“. „Die besten Bassaiten die man haben kann? Yupp!“, grinste Eero. „Wie geil! Aber die sind doch saumäßig teuer!“, freute sich Ina. „Nicht wenn man Eero Heinonen heißt“. Jetzt war Pauli an der Reihe. „So... das ist erstmal Akis Geschenk!“, gab er Ina. Auch das riss Ina sofort auf. Einfallsreich, wie Aki war, schenkte er ihr Duschbad! Ina freute sich trotzdem. „Und das ist von Lauri und mir!“, erklärte Pauli, als er sein Geschenk über gab. Von mir? Ich wusste nicht mal was da drinne war. Aber egal. So brauchte ich wenigstens nicht zu erklären, warum ich kein Geschenk für Ina hatte, ausser die Blume. Ina packte es aus... und hervor kamen erstmal massig Schokolade und dann vier Konzertkarten. „Wofür sind die denn?“, fragte Ina. „Für unser „Rock the Christmas“-Concert hier in Deutschland!“, grinste Pauli. „Konzert? Hier in Deutschland?“. „Ja! Es ist ein Akustik-Konzert! In vier Tagen! Sag bloß ihr habt davon nix gehört?“, wunderte sich Eero. Jul und Ina schüttelten synchron den Kopf. „Da sind nur so an die hundert bis zweihundert Fans, die ihre Karten gwonnen haben! Ihr seid jetzt so eine Art Special-Guests mit den Karten! Die sind auch für Backstage und so!“, erklärte Pauli grinsend. „Ist übrigens in Berlin!“, brachte ich mich jetzt mal ins Gespräch ein. „Cool! Das ist ja geil! Danke!“, freute sich Ina.

50. Katja

„Vorsichtig! Argh. Du weißt doch ganz genau was drinne ist!“, meinte ich genervt, als Aki das Paket unsanft abstellte. „Ja! Sorry!“, entschuldigte sich Aki und fing an das Papier abzureißen. Hervor kam Inas Geschenk. „Meinst du Ina freut sich?“, fragte ich Aki unsicher. „Katja? Seit dem du mir das erste Mal Inas Geschenk gezeigt hast, fragst du dies alle 5 Minuten und was antwortete ich alle 5 Minuten?“. „Wenn Ina sich das schon immer gewünscht hat, wird sie sich auch freuen!“, wiederholte ich den Satz den ich heute wirklich schon paar mal gehört habe. Aki nickte zustimmend. „Andere Frage! Meinst du das steht hier vor ihrem Schreibtisch richtig?“, überlegte er dann. „Ja! Erstmal schon!“. „Weißt du das ich mich hier unwohl fühle?“, wechselte Aki plötzlich grinsend das Thema. „Hä? Wieso das denn?“, fragte ich verwirrt. „Zu viele Poster von uns! Vor allem das große unter der Anlage ist schlimm!“, lachte er. „Sei froh das es nur noch die sind! Früher waren es noch mehr!“, lachte ich mit. Ich hörte, das eine Person die Treppe hoch kam. „Wird wohl Ina sein!“, grinste ich und stellte mich gegen die Tür, so das sie nicht rein kommen konnte. Ich merkte wie jemand, wahrscheinlich Ina, verzweifelt versuchte die Tür auf zu bekommen. „Katja! Jetzt lass mich in mein Zimmer!!!“. Ich ging von der Tür weg und Ina fiel, im wahrsten Sinne des Wortes, mit der Tür ins Haus. Okay. In ihr Zimmer, trifft es da wohl besser. Ina prallte gegen Aki, der sie dann gekonnt auffing. „Aber Ina. Wir haben doch noch jede Menge Zeit!“, konnte sich Aki ein Kommentar nicht sparen. Ich fing an zu lachen. Ina warf erst ihm, dann mir einen böses Blick zu. Dann bemerkte sie wohl, dass etwas in ihrem Zimmer neu war. Und zwar, stand jetzt mitten vor ihrem Schreibtisch ein großer Käfig. Ina sank auf die Knie und krabbelte zu dem Käfig hin. „Sind das...? Katja... Sind das etwa... ?“. Sie starrte mit großen Augen in den Käfig. „Ja! Das sind deine zwei Degus! Und soll ich dir noch was sagen? Das sind genau die zwei die wir damals in Berlin gesehen haben!“, erklärte ich ihr. Ina sprang auf und fiel mir um den Hals. „Danke! Danke! Danke!“, freute sie sich. „Kein Problem!“, lächelte ich. „Gott! Ich hab ja mit allen gerechnet, aber damit?“. Ina setzte sich jetzt vor dem Käfig, öffnete ihn und holte ein Degu raus. „Wie nennst du sie?“, brachte sich jetzt Aki ein. Ina grinste mich an. „Ein Name du? Ein Name ich?“, fragte sie grinsend. Ich nickte. „Gin!“, meinte ich. „Und Wodka!“, grinste Ina. Ich nickte wieder. „Was ihr wollte jetzt schon Gin und Wodka trinken?“, fragte Aki ungläubig. „Nein, man! So heißen meine beiden neuen Haustiere!“, stellte Ina richtig. „Aha! Ein Glück bin ich kein Haustier von dir!“, verließ Aki kopfschüttelnd, aber grinsend das Zimmer.

Die Party war voll im Gange. Okay. Es war mittlerweile 22.00 Uhr und alle die eingeladen wurden, waren auch da. Ich ging jetzt erstmal in die Küche, zum Büfett. „Na? Auch Hunger?“, fragte mich eine Stimme von hinten. „Nee, ich schau nur!“, drehte ich mich grinsend um und erkannte das die Stimme zu Pauli gehörte. „Sind ziemlich viele hier!“, stellte Pauli dann fest. Ich drehte mich zurück zum Büfett, nahm mir einen Teller und packte mir erstmal ein Sandwich drauf. „Was erwartest du? Ina hat so ziemlich alle eingeladen, die sie kennt!“, antwortete ich dann Pauli, der sich gerade Salat auflud. „Kennst du die alle?“. „Joa! Eigentlich schon! Gefällts dir nicht oder warum quetscht du mich hier so aus?“, fragte ich grinsend. „Doch! Für ne Geburtstagsparty gar nicht schlecht! Die starren uns alle immer nur so an!“, erklärte Pauli. „Mhm... Okay, das würde mich auch stören! Spielen wir nachher ne Runde Dart?“, fragte ich. „Klar, warum nicht! Ich geh jetzt aber erstmal wieder ins Wohnzimmer!“, meinte Pauli und ging. Ich beschloss kurzer Hand, dass mir das eine Sandwich doch erstmal reichen sollte und ging auch zurück ins Wohnzimmer, wo gerade das erste Wettsaufen angesagt war. Und was für ein Wunder, unsere vier Finnen machten ausnahmsweise mal nicht mit. „Buh!“, erschreckte mich jemand von hinten. Wusch! Lag das Sandwich auf den Boden. Wütend drehte ich mich um und sah in Akis grinsendes Gesicht. „Es gibt zwei Möglichkeiten! Entweder du holst mir sofort ein neues, oder du tust es nicht!“, schaute ich ihn ernst an, musste dann aber lachen. „Uhh... Muss ich jetzt Angst haben? War das sowas wie keine Drohung?“, lachte er. Ich nickte. „Tut mir Leid, Kleine! Aber ich wusste ja nicht, dass du so schreckhaft bist!“, entschuldigte sich Aki dann. „Schon gut!“. „Ähm... ist das normal, dass uns ein ziemlich normaler Typ mit Struppelhaaren und coolen Klamotten beobachtet?“, fragte Aki dann grinsend. „Was für eine Beschreibung! Echt! Wen meinst du denn?“, drehte ich mich in Akis Blickrichtung und sah, dass Tobi gerade dabei war so schnell wie möglich weg zu schauen. „Komm mit! Ich stell dir jetzt unseren ähm... Komm einfach mit!“, schnappte ich Aki am Arm und zog ihn rüber zu Tobi. „Hi Tobi!“, begrüßte ich Tobi -wen sonst- fröhlich. „Äh... Hi!“, kam es gerade so aus ihm raus. „Tobi das ist Aki! Aki das ist Tobi!“, stellte ich die beiden schnell vor. „Freut mich dich kennen zu lernen! Kannst du Englisch?“, fragte Aki ihn. Ich stieß Aki in die Seite. „Er sitzt im Englisch-Leistungskurs neben mir!“, rollte ich mit den Augen. „Kann ich doch nicht ahnen!“, rieb sich Aki schmerzhaft seine Hüfte. „Achso bevor ichs vergesse zu sagen! Aki? Ich hab dir doch von unserem Zweit-Gitarrist erzählt! Darf ich vorstellen? Er sitzt direkt vor dir!“, zeigte ich feierlich auf Tobi. Aki schaute mich fragend an. „Ihr habt also wirklich noch einen Gitarrist bei euch aufgenommen? Nichts gegen dich Tobi, aber warum habt ihr das gemacht? Ihr wart doch auch so richtig gut!“. „Weil wir jetzt noch besser klingen, okay?“, erklärte ich ihm grinsend. „Das werden sie nachher auch zu hören bekommen, Mr. Hakala!!!“, gesellte sich Ina zu uns. „Ihr spielt heute noch?“. „Was meinst du, warum da hinten in der Ecke ein Schlagzeug, eine Bassgitarre, zwei E-Gitarren und drei Mikrofone stehen?“. „Stimmt!“, grinste Aki. Ja. Auch ein Aki ist nicht immer ganz bei der Sache. Er nahm mich jetzt am Arm und zog mich zur Seite. „Gefällt mir... dieser Tobi! Also jetzt... ich mein...“. „Sprich dich aus Aki!“. „Er passt irgendwie zu dir!“, kam es locker von ihm. „Oja und meine Faust passt gleich in dein Gesicht!“, zischte ich ihm zu. Er lachte. „Komm schon! Du magst ihn, dass weiß ich!“. Spielte er hier wirklich gerad Beziehungsberater? „Was mischt du dich da eigentlich ein?“, fragte ich. „Hey... ich bin dein Kumpel. Wenn ich Glück hab, vielleicht sogar dein bester... und daher darf bzw. MUSS ich mich da ein mischen!“. Gott. Aki grinste immer noch wie so ein Honig-Kuchen-Pferd. „Willst du nicht Dart spielen gehen?“, fragte ich genervt. „Joa... Oben im Dachboden, oder?“, fragte er. „Hier „Studio“ genannt! Eero und Pauli sind glaub ich auch oben!“, sagte ich und war froh, dass Aki endlich verschwand. „Hi Katja!“, kam es dann auch schon wieder von der Seite. „Silvi!“, freute ich mich übertrieben. O ha. Silvi kam also doch noch. „Ist was?“, fragte Silvi unsicher. Ja verdammt! Da ist sehr viel. „Äh... Ja! Indirekt schon... ja!“, stotterte ich. Indirekt? Wenn mich nicht alles täuschte, war Lauri hier und das war ziemlich direkt! Warum konnte sie nicht erst zu ihrer alles geliebten Schwester gehen. „Und was wenn ich fragen darf?“. Ein großes Loch zum Verschwinden, bitte!!!. „Äh... also! Ja... weißt du... Hehe... jetzt hab ichs doch glatt vergessen!“, lachte ich so überzeugend wie ich konnte. Silvi schaute mich schräg an. „Alles okay bei dir?“. „Ja! Doch!“, lächelte ich. „O-kay!“, schaute sie mich misstrauisch an und ging dann zur Treppe. „Äh.... Wo willst du denn jetzt hin?“, rief ich ihr hinterher. Ich hatte keine Ahnung wo Lauri war. Wahrscheinlich war er auch oben und wenn sie ihn da sehen würde... oh oh. „Ich geh mich schnell umziehen, wenn’s dich nicht stört!“, grinste Silvi. „Klar... tu das!“. Gott. Ich machte mich gerad echt zum Volltrottel! Danke, Herr Ylönen!!!

51. Lauri

Argh. Wo war jetzt das Klo? „Im 2. Stock!“, hatte Ina gesagt. Ohhhh. Wie toll. Nur gabs hier genau vier Türen die alle zu waren und nirgends stand Bad oder so dran. Ich beschloss also nach dem Ich-schaue-überall-rein-Verfahren vor zu gehen. Also erste Tür rechts. Nein. Das war hundert pro nicht das Bad. Ich schätze mal, dass das Ina´s Zimmer war. Zwecks der Bassgitarre die im mitten im Raum stand. Also nächstes Zimmer. Was dann die linke Tür war. Jetzt erst viel mir das Bild an der Tür auf. Hey der Typ auf dem Bild kam mir bekannt vor. Das war ICH. Mit nem schwarzen Kreuz über dem Gesicht. Toll!!! Meine Hand griff nach der Türklinke. Sollte ich oder sollte ich nicht? Aber anscheinend wollte irgendein Teil von mir unbedingt dort rein, jedenfalls hatte ich unbewusst die Tür schon aufgemacht. Ich betrat das Zimmer. Viele Poster, Fotos und Sonstiges an den Wänden. Und... noch ein Poster von mir an ihrem Schrank..... in dem zwei Pfeile steckten. Direkt in beiden Augen. Als ich näher hinsah, erkannt ich das ich allgemein ziemlich durchlöchert war. Ich setzte mich auf ihre Couch und sah mich weiter um. Plötzlich blieb mein Blick auf einem Bilderrahmen, auf ihrem Nachttisch hängen. Ich nahm den Bilderrahmen in die Hand und betrachtete das Foto. Es war das Foto, was Ina am Tag der Abreise geschossen hatte. Es tat weh das Bild zu sehen. Ich liebte sie noch immer, dass wusste ich. Ich legte das Bild weg und stand auf. wollte das Zimmer verlassen, denn ich fühlte mich plötzlich ziemlich unwohl. Auf einmal stand sie vor mir. Silvi. Erschrocken schaute sie mich an. Konnte es anscheinend nicht glauben, dass ich in ihren Zimmer war. „Hey...“, flüsterte ich. „Was... Was machst du hier?“, kam es leise und zugleich etwas verächtlich von ihr. „Jul hat uns eingeladen... wegen Inas Geburtstag!“, erklärte ich. Aber irgendwie kam mir das eher wie eine Ausrede vor. „Raus aus meinem Zimmer!“. „Silvi...“. „WAS?“, schrie sie jetzt. „Meinst du nicht du bist mir ne Erklärung schuldig?“, fragte ich jetzt auch leicht wütend. „Warum sollte ich was erklären?“. „WER HAT DEN AM TELEFON SCHLUSS GEMACHT???“, brüllte ich jetzt. Stille. Silvi setzte sich sich auf ihre Couch, ließ mich aber nicht aus den Augen. Ich schaute sie wütend an. Ja. Genau das beschäftigte mich seit ungefähr drei Monaten. „Du hast mir nicht mal erklärt wieso und weshalb! Hast mich nicht mal ausreden lassen...“, sagte ich als ich mich wieder etwas beruhigt hatte. „Lauri... geh einfach!“. „Nein Silvi. Nicht bevor du mir erklärt hast warum!“. Wieder Schweigen. Sie schaute zu Boden. „Silvi? Ich glaub du musst da noch was wissen!“, kam Ina ins Zimmer gestürmt und rannte mich fast um. „Oh... Ich glaub du weißt es schon!“, murmelte sie leise vor sich hin. Ich schaute Silvi an, schüttelte verständnislos den Kopf und verließ das Zimmer. Ich konnte es nicht glauben. Anscheinend hatte sie ohne Grund mit mir Schluss gemacht. Oder hatte sie vielleicht doch einen? Aber welchen?

52. Katja

„Tobi und mich schlägt keiner beim Dart!“, grinste ich Aki und Pauli an, die gerade haushoch gegen uns verloren hatten. „Schon gut! Son Traumpaar kann man halt nicht schlagen!“, zwinkerte Aki mir zu. Tobi grinste mich an. Männer. Mit so etwas gebe ich mich ab? War hier vielleicht irgendwo bessere Gesellschaft? Ich schaute mich im Studio um. Eero saß auf einer kleinen Matte in der Ecke und quatschte mit Mark und seinem Kumpel. Wo war eigentlich Jul? Mark und Jul getrennt. Mal was neues. Hier und da standen bzw. saßen auch noch vereinzelt Leute die uns beim Dart zugeschaut und uns ordentlich angefeuert hatten „Nicht träumen!“, flüsterte mir plötzlich jemand ins Ohr und legte seine Arme von hinten um meine Hüfte. Ich schaute leicht irritiert nach Hinten und erkannte, dass es Tobi war. TOBI??? Bitte, was machte er da? Ich löste mich von ihm und schaute ihn fragend an. „Wette gewonnen!“, grinste er mich an und ging zu Aki, der ihm einen Zehner in die Hand drückte. „Welche Wette?“, fragte ich immer noch verwirrt. „Aki hat gwettet, dass ich mich nicht traue dich einfach so mal zu umarmen!“, erklärte Tobi und fächerte sich mit seinem Zehner Lufi zu. Ich schaute Aki böse an. Er kam lachend zu mir. „Nicht böse sein, Kleine! Aber du musst zugeben es hat dir gefallen! Bezeihungsweise ER hat die gefallen!“, zwinkerte Aki. Ich boxte Aki auf den Oberarm. „Idiot!“, zischte ich. Aki lachte nur noch mehr. Ich rollte mit den Augen und ging zu Eero, Mark und seinem Kumpel, Michi wenn ich mich richtig erinnerte, rüber und ließ mich dort nieder plumpsen. „Hey Katja... Wann spielt ihr eigentlich?“, fragte Mark. Ich schaute auf die Uhr. „Bald!“, seufzte ich. „Aha!“, meinte Mark nur und quatschte wieder mit Michi und Eero über Gott und die Welt. Ich guckte zur Treppe, wo gerade Ina die Treppe hoch kam. Als sie mich sah, kam sie sofort zur mir rüber und setzte sich neben mich. „Lauri und Silvi sind auf einander getroffen!“, sagte sie gleich. „Ach du Scheiße!“, kam es von Eero. Ina nickte. „Silvi sitzt jetzt unten und lässt sich voll laufen und Lauri steht draußen und raucht eine Kippe nach der anderen!“. „Das ist nicht gut!“, gab Mark zum Besten. Gut erkannt. „Lauri würde wohl am liebsten gehen!“, meinte Ina noch. Kann man ihm auch nicht verübeln. „Was machen wir jetzt?“, fragte Ina dann. Wir? Am besten gar nichts. „Lauri den Weg zu Juls Haus erklären?“, meinte ich stattdessen. Fragende Blicke. „Wollt ihr Lauri etwa hier behalten? Der Typ dreht durch!“. „Wir können ihn aber auch nicht einfach wegschicken!“, meinte Mark. Meiner Meinung nach schon. „Ist das nicht sein Bier was er macht und was nicht?“, mischte sich Michi ein. Ah. Endlich mal ein guter Einwurf. „Ja. Ich glaub auch, dass wir ihn in Ruhe lassen sollten!“, nickte Eero. Guuuuuut. Dann war das ja geklärt.

„Sticks! Ich brauche STICKS!!!“, rannte ich aufgedreht durch Inas Haus und suchte überall nach meinen Sticks. Warum konnte ich sie nicht einfach beim Schlagzeug lassen? Nein. Da musste ich sie ja noch durchs ganze Haus schleppen. Ich rannte jetzt quer durchs Wohnzimmer. Na ja. Was man so ‚quer‘ nennt. Überall standen irgendwelche Leute und warteten darauf, dass wir anfingen. Was wir ja eigentlich schon lange hätten machen können, wenn ich meine Sticks gefunden hätte. Plötzlich bäumte sich Jul vor mir auf. „Wo ist den dein zweites Paar Sticks?“, fragte sie leicht genervt. „Beim ersten Paar?“, fragte ich kleinlaut. „Super!“, seufzte Jul. „Ähm... Katja?“, rief dann Pauli nach mir. Ich schaute mich verwirrt um, bis ich ihn in der Küchentür entdeckte. „Suchst du die hier?“, hielt er zwei Paar Sticks hoch. Freudestrahlend sprang ich zu ihm hin. „Wo hast du die denn gefunden?“, fragte ich glücklich. „Auf dem Büfett! Also daneben, besser gesagt!“, grinste er. Bitte wo??? Auf dem Büfett??? Wie kamen die denn dahin? So oft war ich da heute doch gar nicht und schon gar nicht mit meinen Sticks. „Hast sie anscheinend am Donnerstag dort liegen gelassen... als wir alles aufgebaut haben!“, kam es plötzlich übers Mikro. Ich schaute in die ‚Musik-Ecke‘. Da stand Ina grinsend am Mikro und beobachtete die ganze Szene. Ich nickte. „Öhm.... Thanks!“, bedankte ich mich schnell bei Pauli und ging so schnell wie möglich zu meinem Schlagzeug. Als ich unserer ‚Musik-Ecke‘ ankam, grinste Tobi mich an. „Meine Rache wird schrecklich sein!“, grinste ich fies zurück.... und stolperte dabei direkt über ein Kabel. Uhh... jetzt kam die Drohung bestimmt richtig ernst rüber. „Oja. Los. Mach meine Gitarre kaputt!“, lachte Tobi. „Ha...ha!“, kam es lustlos von mir und ich versteckte mich so schnell wie möglich hinter meinem Schlagzeug. „Da Katja auch endlich ihren Platz gefunden hat, können wir ja mal anfangen!“, grinste Jul ins Mikro. Ja. Los. Alle Schuld auf mich. Wieviel hat ich eigentlich schon getrunken, dass ich mich so selten doof anstellte und über ein Kabel stolperte? Soviel war das doch noch gar nicht, oder? Zwei Jägermeister, 1 Bier, 1 Feigling... „Katja!!!“, riss mich Tobi durch sein Mikro aus meinen Gedanken. Ups. Da war ich wohl gerade etwas abwesend. Aber hey. Es ist wichtig zu wissen, was man alles getrunken hat, oder nicht? Argh. Konzentrieren, Katja. Konzentrieren. „Dann fangen wir mal an!“, räusperte sich Ina.

53. Lauri

Nacht. Tiefste kalte Nacht. Und ich steh draußen und rauche eine Zigarette nach der Nächsten. Okay. Gerade rauchte ich meine letzte Zigarette. Ich hatte es doch tatsächlich geschafft, mal eben in anderthalb Stunden eine Packung auf zu rauchen. Ziemlich ungesund, meine Liebe zu Silvi. Silvi. Wo ich denn mal wieder beim Thema war. Was tat ich eigentlich noch hier? Zugegeben anfangs hatte ich auch gehofft mich mit Silvi aussprechen zu können, aber jetzt? Sie war zu Feige mir eine klare Antwort zu geben. Ich hätte eigentlich gehen können. Hätte ich gewusst, wie ich zurück zu Jul´s Haus komme. Ich nahm ein Zug von meiner Zigarette. Hörte Nightmare zu, wie sie spielten. Arme Nachbarn. Alle Fenster und Türen waren zu und die Musik dröhnte trotzdem durchs ganze Wohngebiet. Die Musik wurde lauter und ich sah zur Terassentür, aus der gerade Mark kam. Er schloss die Tür wieder hinter sich, kam zu mir rüber und drückte mir ein Bier in die Hand. „Ist dir nach anderthalb Stunden hier draußen nicht mal kalt?“, fragte er lächelnd. „Mir war schon nach 5 Minuten ,hier draußen, kalt!“, antwortete ich wahrheitsgemäß und nahm ein Schluck von dem Bier. Mark schaute mich an. Anscheinend wusste er nicht so recht was er sagen sollte. „Sind Nightmare jetzt eigentlich bekannter?“, fragte ich und zeigte mit dem Kopf aufs Wohnzimmer. Mark nickte. „Sie sind noch nicht berühmt. Aber sie haben eigentlich jedes Wochenende voll zu tun. Meist so zwei Gigs. Manchmal haben sie auch Gigs unter der Woche!“, erklärte er. „Sie sind irgendwie noch besser geworden!“, stellte ich fest. „Durch Tobi! Irgendwie rocken die jetzt noch mehr!“, grinste er. „Ist... Ist Silvi immer noch Managerin?“. Mark nickte wieder. „Ja! Und ich bin sozusagen der erste Roadie der Band!“. Ich musste grinsen. „Du bist aber nicht zufällig durch Beziehungen an den Job gekommen?“, fragte ich. „Psst... sags keinem... ich kenn die Sängerin!“, grinste Mark. Plötzlich ging die Terassentür wieder auf und irgendein Typ kam heraus gerannt. Er rannte auf die Rasenfläche und ,ja, übergab sich erstmal. „Der arme Rasen!“, lachte Mark. Stimmt. Warum sollte man auch einen sich übergebenen Typen bemitleiden? „Wie bekannt eigentlich?“, wechselte ich wieder das Thema. „So bekannt das sie vor nem Monat ne neue CD aufgenommen haben, davon auch schon ziemlich viel bei Gigs verkauft haben, sie schon „Fanartikel“ nen kleinen Fanclub haben!“, überlegte Mark und trank dann einen Schluck. „Fanclub?“. „Ja! Die da vorne mit den Nightmare T-Shirts! Sind Freunde von der Band! Sind auch bei fast jedem Gig hier in der Umgebung dabei!“, grinste er. „Sorry Lauri! Aber dat is hier arschkalt... ich geh wieder rein!“, verabschiedete sich Mark von mir. Ich seufzte. Sollte ich auch mal reingehen? Warum eigentlich nicht. Gesagt, getan stand ich dann mitten im Wohnzimmer. Die meisten schauten zur Band und rockten ordentlich ab. Ich suchte mir einen Weg durch die Menge, bis zur Küche.
Die Küche war leer. Ich schnappte mir einen Teller und packte mir ne große Portion Pommes rauf. Wenn schon kein Nikotin mehr, dann wenigstens Kalorien.
Ich schob gerad eine Pommes Richtung Mund, da sah ich neben mir ein Blitzlicht. Ich schaute zur Seite und erkannte das dort eine weibliche Person mit Fotoapparat stand. „Bist du hier der Fotograf oder so?“, fragte ich genervt. Konnte man hier nicht mal in Ruhe essen? „Nee... mach nur Beweisfotos, dass du mal mit mir Party gemacht hast!“, grinste sie mich an. Ich schob jetzt endgültig den Pommes in den Mund und entschloss mich das Mädel zu ignorieren. „Ich bin übrigens Yvonne!“, stellte sie dann fröhlich vor. „Aha!“, murmelte ich und schob mir die nächsten Pommes in den Mund. Ich fragte mich, was die hier suchte. Irgendwie passte sie nicht ins Bild. Sie war schätzungsweise 18! Trug ein enges rotes Kleid. Dazu High-Heels. Sie hatte sich mindesten ne Tonne Schminke ins Gesicht gehauen. Der Rest hier sah im Vergleich zu ihr entweder „Rock“ , „Punk“ oder „schlicht normal“ aus. „Wieso bist du gerade hier? Hier bei Inas Geburtstag?“, fragte sie auf einmal. „Was machst DU hier auf Inas Geburtstag?“, fragte ich und ass meine Pommes weiter. „Ich bin nur durch Zufall hier! Anscheinend kennts du ja Mark und ich bin die Schwester von nem Kumpel von Mark!“, erzählte sie und kam mir immer näher. Armer Kumpel von Mark. Ich ging ein Schritt zurück, aber nicht ohne mir weitere Pommes in den Mund zu stopfen. „ Ich bin ein totaler Fan von dir!“. Täuschte ich mich oder machte sie mich gerade an? „Ähm... ja... Toll!“, nuschelte ich mit vollem Mund. Gott, mach das sie sich in Luft auflöst. Sie kam immer näher und ich ging immer weiter nach hinten..... bis ich am Fenster stehen bleiben musste. Warum war die Küche auch so schmal? Warum musste gerade hier die Küche enden? „Was ist?“, fragte sie leise. „Nüx!“, nuschelte ich weiter und schob mir die nächsten Pommes rein. Ich bekam leichte Angst. Aber nur gaaaaaaaaaanz leichte. Das Mädel war mir unheimlich. Ihr Outfit quälte meine Augen. Plötzlich legte sie ihre Hände auf meine, nahm mir den Teller und stellte ihn auf die Arbeitsfläche neben uns. Na Toll! Kein Nikotin, keine Kalorien und ein sehr aufdringliches Mädel. „Ich hab aber Hunger!“, sagte ich genervt. „Ich auch! Und zwar auf dich!“, flüsterte sie und kam jetzt seeeehr nah. Zu nah. Sie legte ihre Hände auf mein Gesicht und begann mich zu küssen. Eins musste man ihr lassen. Küssen konnte sie. Ich legte meine Arme um ihre Hüften und machte den „Spaß“ mit. Verdammt. Was tat ich hier? Sie war eigentlich nicht mein Geschmack. Aber das störte mich die letzten Male auch kaum. Plötzlich hörte ich ein lautes klirren. Yvonne löste sich von mir und drehte sich erschrocken um. Ich hatte jetzt freien Blick auf die Ursache des Klirrens. Silvi stand da. Schaute uns ungläubig an. „Silvi... ich... es...“, stammelte ich und ging auf sie zu. Warum versuchte ich mich eigentlich zu entschuldigen? Soweit ich wusste waren wir nicht mehr zusammen. Ich blieb stehen. Silvi rannte jetzt aus der Küche. Ich war kurz davor ihr zu folgen, aber was hätte das gebracht? Sie wollte vorhin nicht mir reden und sie würde es jetzt nicht tun. „Hey Süßer... Wollen wir uns woanders hin verziehen?“, flüsterte Yvonne mir von hinten ins Ohr. „Lass mich in Ruhe!“, sagte ich genervt und ging zurück ins Wohnzimmer. Ich Idiot!!! Jetzt hatte ich alles versaut!!!


54. Katja

Ein Grummeln -weiß ich woher- machte mich wach. Autsch! Ich hatte das Gefühl mein Kopf würde gleich explodieren. Warum musste man am Morgen nach den Partys immer mit Kopfschmerzen aufwachen? Ich schaute mich erstmal um. Ein Doppelbett neben mir, eine Dartscheibe im Blickfeld und eine Matratze auf der ich liege? Okay. Ich war also noch bei Ina, im Studio. Aber hey. Ich spürte das jemand sich an mich gekuschelt hatte. Zum einem spürte ich den Atem auf meinem Haut, zum anderen hatte die Person einen Arm um mich gelegt. Aber wer war das? Ich versuchte mich, so vorsichtig wie möglich, aus der Umarmung zu lösen. „mmhhhhm... Bleib hier! Sonst wird mir kalt!“, grummelte es hinter mir. Die Stimme kam mir bekannt vor. Es war Tobis Stimme. Ahhhhhhhhhh. Tobi??? Verdammt. Was taten wir hier? Wie kamen wir zusammen auf diese Matratze? Fuck. Typischer Fall von Blackout würd ich mal sagen. Ich setzte mich jetzt auf und schaute Tobi ungläubig an. Er öffnete ein Auge, das andere kniff er zu. „Was?“, fragte er müde. „Nichts.“. Gute Antwort, Katja. Nein, was sollte auch sein? Ich wache neben meinem Kumpel auf, der sich mal eben so an mich gekuschelt hat. Ich hab nen Blackout und nicht mal ansatzweise ne Ahnung was heute Nacht vorgefallen ist. „Wenn nichts ist, könntest du dann mal aufhören mich anzustarren?“, richtete sich jetzt auch Tobi auf und grinste mich an. Ich schaute schnell weg. Ob er wusste was hier vorgefallen ist? Okay. Ich hatte meine Klamotten noch an, aber hatte das was zu sagen? „Ähm... !“, setzte ich an, hörte dann aber auf zu reden. „Ja?“, hakte Tobi trotzdem nach. Ui. Schlau Katja. Jetzt kannste ihn fragen, ob irgendetwas vorgefallen ist. „Ich.. äh... warum... warum liegen wir hier beide?“, frage ich und versuchte so cool wie möglich zu bleiben. Er schaute mich schräg an. „Äh... weil... wir schlafen wollten?“, grinste er. Und mal wieder: Ein Loch bitte!!! Aber es sollte noch besser werden... „Was sagt deine Freundin dazu, dass du mit andern Mädels kuschelst?“. Hallo? Katja, wer hat dir dein Hirn geklaut? Das klang jetzt... ja wie klang es eigentlich? Tobi fuhr sich durch die Haare und streckte sich. „Was sie nicht weiß, macht sie nicht heiß!!!“, gähnte er. Yippie. Blöde Frage, blöde Antwort. „Falls du es genau wissen willst... zwischen uns ist nix passiert! Wir haben gestern nach unserem kleinen Gig nur etwas zu wild gefeiert. Alle anderen bis auf Rasmus und... äh... Nightmare sind so bis um 6 Uhr alle weg gewesen... da wir beide müde waren, haben wir uns hier hin gepackt!“, erklärte er dann endlich. Ich atmete erleichtert auf. Bis um 6.00 Uhr ging die Party? Wie spät war es eigentlich? Fast 14.00Uhr. Ich schaute auf das Doppelbett, was hinter mir stand. Warum hatten wir uns nicht darauf gelegt? Ah... weil da schon Pauli , Ina und Eero lagen, die alle noch selig vor sich hin träumten. „Was machen wir jetzt?“, kam es dann von Tobi. Ich zuckte mit den Schultern. „Runter gehen?“, fragte ich. Er nickte und stand auf. Irgendwie sah er ziemlich niedlich aus mit seinen zerzausten Haaren. Argh. Was dachte ich hier? Tobi gleich Kumpel. Das heißt? Er sieht auf keinen Fall niedlich aus, sondern... äh... normal. „öhm... Kommst du?“, fragte er dann als er schon an der Treppe stand. Ich nickte und stand ebenfalls auf.


55. Lauri

Als ob es nicht schlimm genug war, dass ich bei Ina pennen musste, nein, da mussten wir natürlich auch noch in Ruhe bei ihr Frühstücken. Na ja. Was man so Frühstück nennt. Bis alle aufgestanden waren und wir das ganze Chaos beseitigt hatten, war es fast 17.00 Uhr. Also konnte man das getrost Abendbrot nennen. Wir saßen alle an dem Esstisch im Wohnzimmer. Das schlimmste: Silvi saß mir direkt gegen über! „Du Silvi!“, nuschelte Ina mit vollem Mund. „Ja?“. „Ich hab Konzi-Karten von Pauli und Lauri bekommen! Das ist in drei Tagen! Wir haben vier und eine ist für dich!“. Stimmt! Sie hatten ja vier Karten! „Gebt sie Tobi oder so!“, murmelte Silvi. Ich verschluckte mich fast an meinem Toast. Sie wollte nicht kommen? „Ich fahr übermorgen nach Stuttgart runter, zur meiner Tante! Wir feiern dort Weihnachten! Also mit mir braucht ihr nicht rechnen!“, meinte Tobi. „Außerdem brauchen wir auch noch ein Fahrer!“, versuchte Jul Silvi zu überreden. „Tja... Pech... Tobi hätte euch ja fahren können, wenn er Zeit hätte! Schließlich hat er ja jetzt auch seinen Führerschein!“. „Er hat aber keine Zeit!!! Und du hast sie!!!“, sagte Ina jetzt nachdrücklich. Silvi schaute mich an. In ihrem Blick lag Verachtung, aber auch etwas Schmerz, dass konnte man sehen. Vielleicht war es wirklich besser, wenn sie nicht mitkommen würde! „Ach Komm Silvi! Das wird sicher lustig!“, mischte sich jetzt Aki ein. Super, Herr Hakala. Das war ein stechendes Argument. „Mhm... zur Not müssten wir euch eben schon in zwei Tagen mit nach Berlin nehmen!“, schlug Eero jetzt vor. Aber Ina und Jul schüttelten den Kopf. „Quatsch, braucht ihr nicht! Wir kommen da schon irgendwie hin! Ach Silvi... biiiiiiiiiiitte!“, bettelte Ina. Lasst sie doch alle in Ruhe. Merkt ihr nicht, dass sie keinen Bock hat? „Wir fahren aber am selben Abend wieder zurück!“, grummelte Silvi jetzt. „Yes! Geht doch!“, freute sich Jul. „Öhm... was ist eigentlich mit Mark? Warum bekommt er keine Karte!“, stellte Eero fest. „Weil Mark auch keine Zeit an dem Tag hat... sonst hätte er uns ja fahren können!“, meinte Jul. Mark nickte zustimmend. Dann herrschte erstmal Stille am Tisch. Ich wagte kurz einen Blick zu Silvi. Sie bemerkte mich und schaute mich auch an. Am liebsten hätte ich etwas gesagt, hätte versucht mit ihr zu reden. Über uns. Über gestern Abend. Aber wir waren ja leider nicht allein. Außerdem wer weiß ob sie, nach der Aktion gestern, überhaupt noch mit mir redete. „Ihr bleibt also noch zwei Tage?“, durchbrach Katja dann die Stille. Allgemeines Nicken von uns Rasmussen. „Cool! Dann könnten wir ja morgen noch was machen!“. „Was denn?“, fragte Aki gleich. „Na ja. Soviel zu machen gib’s hier nicht! Wir können euch unseren Proberaum zeigen.... wenn ihr wollt!“, schlug Ina vor. „Joa... das ist ne gute Idee!“, kam es von Pauli und Eero. Na toll. Ich hoffte inständig, dass Silvi morgen dann nicht dabei war. Noch mehr Zeit in ihrer Nähe würde ich nicht ertragen!!!


56. Katja (Auf dem Weg zu „Rock The Christmas“)

„Also ich bin für Links!“, meinte ich und hielt Ina den Stadtplan unter die Nase. „Gerade aus!“, schüttelte sie den Kopf. „Könnt ihr euch mal entscheiden? Da vorne ist schon die Kreuzung!“, grummelte Silvi. „Fahr einfach gerade aus!“. „Nein, links!“. „Gerade aus!“. „Links!“... „Ihr beiden seid zu nix zu gebrauchen!“, seufzte Silvi und fuhr rechts ran. Sie beugte sich umständlich nach hinten und riss uns den Stadtplan aus der Hand. Vorne studierte sie dann mit Jul die Karte. „Wir können beide Wege nehmen! Aber ich fahr gerade aus!“, schmiss Silvi uns den Stadtplan nach Hinten und fuhr weiter. Ins streckte mir provokativ die Zunge raus. Toll! „Wie spät haben wir es eigentlich?“, fragte Jul. „Halb drei! Und wenn mich nicht alles täuscht, sollten wir so um drei da sein... hat Eero jedenfalls gesagt!“, antwortete ich. Plötzlich klingelte mein Handy. „Tobi ruft an“, zeigte das Display. Was wollte der denn von mir? War der nicht auf dem Weg nach Stuttgart? „Hi Tobi!“, nahm ich ab. Ein fröhliches „Hallo“ kam mir entgegen. „Was gibt’s?“. „Eigentlich nix. Hab nur vergessen zu sagen, dass wir gestern noch 4 T-Shirts und 14 CD´s verkauft haben?“. „T-Shirts sind mir egal... aber wie konnten wir 14 CD´s verkaufen? Wir haben doch nicht mal gespielt!“, wunderte ich mich. Ina schaute mich fragend an. Auch Jul schaute fragend nach Hinten. „Na ja! Wollt’s nur gesagt haben!“, meinte Tobi, und ich wurde das Gefühl nicht los, dass er irgendwas wusste. „Und was gibt’s noch?“, fragte ich dann. „Nix!“. „Wegen ein paar T-Shirts und ein paar CD´s rufst du extra an?“. „Lass dich überraschen! So... ich muss dann mal. Grüß die anderen von mir! Tschö!“. Klack. Aufgelegt. „Ist Tobi irgendwie krank oder so?“, fragte ich verwirrt in die Runde. „Ich mein, er erzählt uns doch sonst auch nicht wieviel wir verkauft haben!“. „Tja... vielleicht wollt er ja nur mal deine Stimme hören!“, grinste Jul. Was sollte das denn jetzt heißen?

Unglaublich aber wahr, wir waren am Ziel. Da standen wir nun. Vor einem kleinen Theater, mitten in Berlin. Na ja. Nicht nur wir, sondern auch einige hundert Fans. „Wie viele sollten da heute kommen... an Fans mein ich?“, fragte Ina. „Zweihundert!“, antwortete Jul. Zweihundert und VIER, wenn mans genau nimmt. „Andere Frage... Wie kommen wir jetzt da rein?“, fragte Ina weiter. Stimmt. Das war noch so ein Problem. Wir hatten zwar „VIP-Tickets“, aber vorne am Eingang stand kein Arsch, der uns rein lassen könnte. „Wie wärs mit rum gehen?“, fragte Silvi genervt. Ein Mädchen neben uns, schaltete sich in das Gespräch ein. „Da ist nur ne kleine Hintertür... und da schmeißen die Securities alle raus!“, sagte sie enttäuscht. Da hat wohl schon jemand probiert rein zu kommen! „Auch mit VIP-Pässen?“, fragte Silvi immer noch genervt. Das Mädchen zuckte mit den Schultern. Silvi seufzte.
Dann gingen wir rum, zum Hintereingang. Ein paar Mädels folgten uns. Wollten entweder sehen, ob man sich irgendwie rein schummeln kann oder wie wir rausgeschmissen werden.
Angekommen, standen da zwei Kleiderschränke mit verschränkten Armen. Hab ich schon mal erwähnt, das ich seit dem letzten Mal ein gewisses Trauma hatte? Hehe... Das Trauma beruhte aber nicht auf den Kleiderschränken, sondern auf der Reaktion von Ina, wenn sie auf sone Typen trifft.
Als der eine uns sah, trat es sofort vor und versperrte uns denn weiteren Weg. „Wir haben euch schon hundertmal gesagt, dass ihr hier nicht rein kommt!“, raunzte er. „Erstens: Das habt ihr uns noch NICHT gesagt. Und zweitens: Wir haben VIP-Pässe!“, raunzte Silvi zurück. Der Typ schaute sie verwundert an. „Habt ihr auch so ein Meet & Greet gewonnen?“. „Nein... Wir wurden gezwungen!!!“, zischte Silvi und schob sich an dem Kleiderschrank vorbei. Ich musste mir ein Grinsen verkneifen. „Halt! Dein VIP-Pass!“, hielt der zweite Kleiderschrank Silvi auf. Diese zog genervt ihren Pass hervor und wedelte damit rum. „DA! Kann ich jetzt rein?“. „Öhm... Sicher!“. Und schon war Silvi endlich da, wo sie hin wollte.
Von hinten, hörten wir lautes Geläster. „Nee... ist nicht wahr, oder? Die vier Schnepfen kommen da einfach so rein!!! Ich glaubs nicht!“ und „Wieso haben die sowas und wir nicht?“. Weil Ina´s Schwester mal mit dem Sänger geschlafen hat? Tja. So einfach geht’s. Ich drehte mich um und grinste sie an. Sollte ich mich jetzt fragen, warum sie nicht zurück grinsten? „Erstick doch an deinem VIP-Pass!“, rief die eine mir eingeschnappt zu. „Tu ich... dann kann Lauri gleich Mund-zu-Mund-Beatmung bei mir machen!“, rief ich zurück. Jul und Ina prusteten neben mir los. Hach, war ich heute wieder nett. „Schlampe!“, raunzte die eine mit ner Tonne schwarzer Federn im Haar. „Kann man so oder so sehen. ICH seh gleich deinen Lauri, vielleicht verführe ich noch ein bisschen und dann...“. Ina packte mich am Kragen. „Komm. Das reicht jetzt. Sonst heulen die nachher noch!“. Das sagt die, die sich gerade jegliche Art von Lachtränen wegwischt! Ina zog mich trotzdem weiter. Schade. Ich war gerad so schön in Fahrt. Mhm... eins konnte ich mir aber nicht verkneifen... ich streckte den Mädels noch provokativ die Zunge raus. Ui, jetzt waren die wie Furien. Arme Security. Viel Spaß beim aufhalten!!! Hehe. „Und dein Pass?“, fragte mich plötzlich jemand von der Seite. Ich zog ihn schnell aus der Hosentasche – was auch immer er DA suchte- und zeigte ihn. Und schwupps war ich auch drinne!
Sehr viel Backstage war da nicht. Also ich war von den Hallen mehr gewöhnt. Aber was solls. Der Gig war ja eh nur für ein paar Leute. Hey... die machten ja schon Soundcheck. Also suchten wir uns den Weg zur Bühne. Angekommen, mussten wir alle - bis auf Silvi - erstmal grinsen. Die Location war schon nicht übel. Überall wurden schwarze Tücher aufgehängt. Selbst die Lichter wurden verdunkelt. Die Bühne war aber am besten „gestylt“. Alles schwarz und grau. Überall standen irgendwelche Kerzen rum - die noch nicht angezündet waren - und mitten auf der Bühne saßen unsere vier Finnen und probten gerade.

57. Lauri

Wir hatten gerade Soundcheck. Ich saß vorne am Bühnenrand, mit dem Rücken zum ‚Publikum‘ und Gesicht zu den anderen. „Ist eigentlich ganz cool hier, oder?“, fragte Pauli und stimmte seine Akustik-Gitarre. Ich nickte. „Na klar. Für unseren kleinen depressiven Sänger ist dunkel immer gut!“, grinste Aki. „Halts Maul, oder dein Schlagzeug muss dran glauben!“, raunzte ich. War das jetzt schlechte oder depressive Laune? Argh. Ich schaute auf die Uhr. Kurz nach drei. Wollten die vier Mädels nicht schon um da sein? „Mhm... könnten wir mal Life705 spielen? Dabei merk ich immer am besten ob die Gitarre richtig gestimmt ist!“, kam es von Pauli. „Okay...“. Von hinten hörte ich wildes Getuschel. Ach ja... das Meet & Greet. Lasst mich raten... zwei Mädels? „Hey Mädels. Wir machen gerade Soundcheck! Danach sind wir voll für euch da!“, begrüßte Eero sie. Wie konnte er nur immer zu allen so saufreundlich sein? Die beiden bekamen nur ein schüchternes Lachen raus. „1, 2, 3, 4...“, zählte Aki an und schon ging es los. Ich machte mir keine große Mühe aufzustehen und blieb einfach sitzen. Mhm... was passiert eigentlich wenn Silvi hier gleich auftaucht? Ich hatte keine Ahnung was ich tun oder machen sollte. Reden? Schweigen? Ignorieren? Verdammt. Warum muss das immer alles so kompliziert sein. „Lauri? Magst du vielleicht singen?“, fragte Eero mich grinsend durch sein Mikro, während er spielte. „Mag ich!“, lächelte ich jetzt leicht. Ablenkung war wohl das Beste. Eero grinste und nickte. Wir begannen noch mal von vorne. Und diesmal begann ich sogar zu singen: „It is preventing tomorrow, it's so tough. It is fanning horror, it's so rough. It's not a pacifist...“. „HEY! DA SEID IHR JA!!!“, unterbrach uns Eero, indem er fröhlich in sein Mikro rief. Ich drehte mich um. Und Tatsache, da standen unsere vier Mädels. Die beiden vom Meet & Greet schauten die vier neugierig an. Dachten wohl, dass sie auch Meet & Greets waren. „Wir sind bald fertig mit dem Soundcheck! Entweder ihr bleibt hier oder ihr wartet in der Garderobe auf uns!“, schlug Pauli vor. „Wir warten... und weisen euch gegebenenfalls großzügig auf Fehler hin!“, grinste Jul und setzte sich oben gleich hin. „Wir machen keine Fehler! Wir verspielen uns nur!“, zwinkerte Aki. Wo er recht hat. Die anderen drei setzten sich neben Jul. Mein Blick folgte Silvi und traf dann auf ihren Blick. Sie sah genervt aus. Ziemlich genervt sogar. Aber in ihrem Blick lag auch etwas trauriges, verwirrtes. Als Pauli fragte ob wir weiter machen könnten, nickte ich nur und setzte mich wieder mit dem Gesicht zu meinen ‚Jungs‘.

„Darf ich... darf ich ein Autogramm von euch haben?“. Gott. Wie ich Meet & Greets hasste. Also nix gegen unsere Fans, aber sowas konnte echt nervig sein. Vor allem, wenn ein 12-jähriges Mädchen vor einem steht und nicht weiß was sie sagen soll! Hallo!!! Wir sind auch nur Menschen. „Klar doch!“, antwortete ich dann doch freundlich und gab ihr das Autogramm. „Euer Soundcheck eben war echt gut!“, meinte die andere - die so an die 15 war - ziemlich schüchtern. „Danke! Ihr könnt euch geehrt fühlen, sowas mal mit gemacht zu haben!“, grinste Pauli. Standartspruch Nummer 1. Ich setzte mich jetzt direkt im Schneidersitz vor die beiden. Pauli und Eero saßen neben ihnen. Und Aki? „Wo ist Aki?“, fragte ich. Pauli zeigte mit seinem Kopf nach oben, zu den vier Mädels. Er saß da und erzählte fröhlich mit ihnen. „Hey Aki! Beweg dein Drummer-Arsch hierher und lass dich gefälligst auch von den Fans nerven!“, rief ich ihm – natürlich auf finnisch, wer weiß was die sonst der Presse erzählen würden – zu und siehe da er tat das auch. Wenn auch etwas eingeschnappt. Die vier Mädels folgten ihm. Nein! Das hieß, dass Silvi bald in meiner unmittelbaren Nähe war. Als die Fünf dann da waren, ging Jul in die Sitzreihe hinter den beiden Mädels und lehnte ihren Kopf genau auf die Beiden Lehnen zwischen den beiden. Sie grinste mich an und flüsterte den beiden Mädels dann irgendwas zu. Ich schaute sie fragend an. „Hab ihnen nur gesagt, dass sie nicht so schüchtern sein sollen!“. Aha. Wollen wir ihr es mal glauben. Katja setzte sich neben Aki - der neben mir auf dem Boden saß - Ina und Silvi auf die beiden Plätze neben Eero.
„Ähm... wie geht’s euch so?“, fragte ich dann die beiden. Was sollte ich sonst sagen? Die beiden antworteten gleichzeitig „Gut!“ und damit war das dann auch erledigt. Seufzen zu meiner Linken. Aki. „Gut... dann helfen wir hier mal n bisschen!“, meinte Jul. Wie auch immer sie das anstellen wollte. „Lauri! vielleicht solltest du die beiden mal genauso blöd ansprechen, wie mich beim ersten mal! Dann bemerken sie sicher, dass du nicht beißt.“, grinste sie fies. Ich grinste zurück. Könnte klappen, aber ich mach’s nicht. „Wer seid ihr eigentlich?“, fragte jetzt plötzlich die ältere von beiden, die vier Mädels. „Ihr seid doch die Vorband von der letzten Tour, oder?“, fragte die jüngere. Katja nickte und antwortete ihr irgendwas auf Deutsch. Ina gab ihren Senf auch noch dazu. Natürlich auf Deutsch. Nicht das ich im Mittelpunkt sein wollte, aber warum waren die beiden gleich noch mal hier? Wegen uns? Eero räusperte sich. „Deutsch ist unfair gegenüber den anderen drei Finnen dort!“. Wie recht er hatte. „Tja... wenn man nur eine Deutschstunde mitgemacht hat...“, lachte Ina. „Jaja... ich weiß selbst!“, sagte ich und lachte. Als Ina sich ein Stück zurück lehnte sah ich dann aber Silvi und das Lachen verging mir. Verdammt. Warum musste ich sie auch immer noch lieben? Sie hat mir ziemlich weh getan mit der Trennung. „Lauri? Hallo?“, kniff mich Aki in die Seite. „Hm?“. Aki zeigte auf die beiden Mädchen. Aber sie lachten nur schüchtern. „Sie hat dich gefragt ob du zurzeit Solo bist!“, wiederholte Aki die Frage. Ich schaute zu Silvi und atmete hörbar aus. „Ja! Da gibst zurzeit keine!“, antwortete ich wahrheitsgemäß. Silvi sprang auf und ging Richtung Bühnenausgang. „Silvi?“, rief Ina ihr hinterher. „Ich will nur mal schnell an die frische Luft!“, antwortete sie. „Ähm... Entschuldigt mich kurz!“, sprang ich auf und folgte Silvi.
„Silvi...“. Sie blieb stehen. Wir waren jetzt beide hinter der Bühne. „Was willst du?“, fragte sie genervt. „Reden!“, antwortete ich nachdrücklich. „Da gibt’s nichts zu reden!“. „Und warum bist du dann so abweisend zu mir? Silvi warum hast du Schluss gemacht?“. Das nenn ich mal mit der Tür ins Haus fallen. „Lauri! Lass mich einfach, okay?“, sagte sie leise. „Hast du eigentlich ein Grund für die Trennung? Hattest du eigentlich einen guten Grund um mit mir zusammen zu sein? War es geil mit nem Star im Bett zu landen? Oder war ich nur ein nützliches Spielzeug, was deine Befriedung gestillt hat?“, fragte ich jetzt wütend. Flatsch! Hatte ich mir eine Ohrfeige eingefangen! Ich konnte es ihr nicht verübeln. Ich war über mich selbst erstaunt. So kannt ich mich gar nicht. So hatte ich auch noch nie gedacht. Silvi schaute mich entsetzt an. „Was soll ich den sonst bitte denken, wenn du einfach von heut auf morgen mit mir Schluss machst?“. „Denk einfach mal nach, dann weißt du warum ich das getan habe!“, sagte sie und wollte verschwinden. Doch ich packte sie Arm und hielt sie auf. „Nein Silvi. Sag es mir. Ich hab schon zu oft darüber nachgedacht und bin nie auf darauf gekommen!“, zischte ich jetzt. „Verdammt! Du hast mir versprochen, dass du mal nach Deutschland kommst! Hast du es getan? Nein! Obwohl du ganz genau wusstest, dass das damals die Bedingung für unsere Fernbeziehung ist!!!“, schrie sie jetzt fast. Das war es also. Ich ließ sie los. „Ich... du wusstest das ich viel zu tun hatte!“. „Ja... das hat man gesehen. Und die Fotos von den wilden Partys in Helsinki?... War bestimmt ne Menge Arbeit!“, zischte sie jetzt und ging einfach los. Ich lehnte mich gegen die Wand und schloss die Augen. Verdammt.

58. Katja

„Wo sind die anderen noch mal hin?“, fragte Aki, während er im Schneidersitz ,mit dem Rücken zu mir, saß und meine Massage genoss. Ja. Ich massierte Aki. Warum? Hat sich halt so ergeben. „Beim Catering! Jedenfalls Ina, Jul, Pauli, Eero und euer Meet & Greet!“, antwortete ich. „... um das du dich kaum kümmerst!“. Aki seufzte. „Ich weiß! Ich hab ja auch nix gegen Fans. Ich geb ihnen ja auch gerne mal Autogramme und so... aber vor sonem Gig muss das echt nicht sein!“. Wenn er meinte. „Wo sind Lauri und Silvi? Meinst du sie haben...“. „... sich aus gesprochen?“, unterbrach ich Aki. Er nickte. „Glaub kaum! Lauri hab ich vorhin draußen gesehen... ohne Silvi!“, meinte ich. Plötzlich ging die Tür auf und schon standen Eero, Pauli, Ina, Jul und die beiden Fans im Raum. „Boah... ich will auch ne Massage!“, rief Pauli, kam zur Couch, schubste Aki runter und sprang über die Lehne zu mir auf die Couch. „Aua!“, schaute Aki schmerzhaft zu uns hoch. „Beachte ihn nicht und fang einfach an zu massieren!“, grinste Pauli und setzte dich jetzt auch mit dem Rücken zu mir. Okay. Dann massierte ich halt Pauli. „Und was ist jetzt mit mir?“, schaute Aki uns beleidigt an. „Nichts... Tiger!“, grinste ich ihn an. Und - oh Wunder - grinste er zurück. „Ich will auch mal ‚Tiger‘ genannt werden!“, setzte sich jetzt Eero lachend zu uns. Ina räusperte sich und setzte dann auf Eeros Schoss. Uhhh. Sehr offensiv. Kannte man gar nicht von Ina. „Na, mein Tiger!“, zwinkerte sie. „Hallo Süße!“, zwinkerte er zurück. Auaha. Was war denn bei denen im Essen? Ich schaute grinsend zu Jul, die sich jetzt erstmal hinsetzen musste vor Lachen.
Die beiden Fans schauten uns alle sehr verwirrt an. „Seid ihr... seid ihr zusammen?“, fragte die jüngere von beiden Eero und Ina. Eero lachte. Doch Ina stieß ihn in die Seite und lächelte die beiden dann an. „Pssst. Verratet es keinem! Wir haben ne kleine Affäre! Aber ihr müsst das wirklich für euch behalten! Sonst rastet Eero´s Frau aus!!!“. Die beiden nickten verunsichert. Jul musste sich wirklich einen totalen Lachanfall verkneifen. „Ich steh auf Jüngere!“, zwinkerte Eero jetzt der älteren von beiden zu. Die schluckte erstmal kräftig.
Pauli musste lachen. Ich kniff ihm in die Seite und brachte ihn so zum aufhören. „Also Schatz...Wollen wir mal kurz raus gehen?“, fragte Eero ernst und gab Ina einen kurzen Kuss auf die Wange. Ina nickte kurz und gab dann Eero einen flüchtigen Kuss auf sie Stirn. Wow... So kannte ich die beiden echt nicht. Sonst waren sie immer voll die Ruhigen. Aber stille Wasser sind ja bekanntlich tief!
Die beiden Mädels - ich hätte mir mal die Namen merken sollen- waren jetzt total verunsichert. So hatten sie sich ihre Lieblingsband sicher nicht vorgestellt. „Ich glaub die Abstellkammer ist noch frei!“, lächelte Ina. Das wars. Wir prusteten alle - bis auf die beiden Mädels - los vor lachen. Jul und Aki kullerten fast schon am Boden. Ich konnte nicht mehr und die Gesichter die die beiden machten, führten sicher nicht zur Besserung.

Dann war es endlich Abend und das Konzert begann. Wir hatten uns alle bis dahin beruhigt. Aber ich glaube, die beiden Mädels haben uns die Sache ein bisschen schräg genommen. Aber das war jetzt auch egal. Wir vier- ja Silvi war auch wieder auf getaucht- hatten uns ganz oben hingesetzt. Vor uns knapp 200 Fans, die sehnsüchtig auf ihre Lieblinge warteten. Und dann ging der Vorhang auf und ein Kerzenmeer tauchte das Theater in sanftes, romantisches Licht. Die Jungs kamen auf die Bühne. Allesamt mit schwarzer Hose und schwarzem Hemd. Lauri und Aki hatten ausnahmsweise mal keine Mützen auf. Die Fans kreischten wild rum. Die Rasmusse fanden sich auf ihren Plätzen ein und schnappten sich ihre Instrumente bzw. ihr Mikro. „Hi! Schön das ihr da seid! Dann lasst uns mal das Weihnachtsfest rocken!“, versuchte Lauri so lässig wie möglich auf Englisch zusagen. Aber man merkte ihm an, dass er nicht ganz bei der Sache war.

Das Konzi war Spitze. Besser als die Konzis die ich davor gesehen hatte. Rasmus hatten gerade 5 Lieder performt, da schnappte sich Eero grinsend sein Mikro. „So... Wir haben für vier Personen hier im Saal noch ne kleine Überraschung!“, erklärte er. Warum schaute er dabei uns an? Die vier Rasmusse begannen ihre Hemden auf zuknöpfen. Sie machten für uns nen Strip?
Aber es kam nicht ihr nackter Oberkörper zum Vorschein- leider- sondern schwarze T-Shirts. „Oh Gott, wie peinlich!“, murmelte Jul und ließ sich noch tiefer in ihren Sitz sinken! „Das ist mehr als peinlich!“, grummelte Ina. O ja. Wie recht sie hatten. Unsere vier Finnen hatten allesamt ein „Nightmare“-T-Shirt an. „Die Teile stehen uns doch, oder?“, zwinkerte Eero uns zu. Warum hatte ich das Gefühl einer knallroten Tomate zu gleichen? Argh. Warum machten Rasmus für uns Werbung? „So... da uns nicht eingefallen ist, welches Lied wir euch heute Abend widmen...“ Ihr hättet es auch lassen können. „... singen wir jetzt einfach mal „Back in the Picture“ für euch!“. Hehe. Toll. „Warum starren die Fans UNS so böse an? Können wir was dafür, dass die vier da vorne durch drehen?“, grummelte ich. „Katja? Was hast du Aki und Eero gegeben?“, fragte Jul. „Vielleicht sollten wir sie besser fragen, was sie den Jungs nicht gegeben hat!“, meldete Silvi sich jetzt mal endlich zu Wort. Allgemeines Seufzen.
Als sie dann mit dem Lied fertig waren, hoffte ich inständig, dass sie ihre Hemden wieder an ziehen würden. Wow. Sie taten es sogar. Aber was machte Aki denn jetzt noch da? Er holte hinter seinem Schlagzeug ein Stapel CD´s hervor. „Da bald Weihnachten ist, möchten wir ein paar von euch noch was schenken!“, grinste Aki in Lauris Mikro und schmiss die Cd´s ins Publikum. „Das sind Cd´s von Nightmare! Hört sie euch an und empfiehlt sie euren Freunden und Bekannten!“. „NEIIIIIIIIN!“, verzweifelten wir hinten alle drei. Das konnte doch nicht wahr sein. Das war sicher ein sehr sehr schlimmer Albtraum. Biiiitte. „So... wir machen jetzt weiter...“. Puuuuuh. „Das gibt Ärger!“, murmelte Ina. „Und zwar großen!“. „Seeeeeehr großen!“

59. Lauri (Februar... also 2 Monate später)

„Morgen, Schatz!“. Lina streichelte leicht meinen Bauch. Schatz? Wie ich dieses Wort hasste. Jedenfalls aus ihrem Mund. Für mich war sie nur eine Affäre. Eine Affäre um mich von Silvi ab zu lenken. Was aber, oh wunder, nicht wirklich half. Lina kam näher und begann meinen Hals zu küssen. Ich schob sie beiseite und setzte mich an den Rand.
Heute war es soweit. Der gott-verdammte Tag war gekommen. ‚Nightmare‘ würde ‚The Rasmus‘ bei zwei Gigs in Finnland supporten. Nicht das ich was da gegen hatte. Nein, ganz und gar nicht. Aber das Problem war ihr Manager. Besser gesagt: Ihre Managerin. „Was ist denn mit dir los?“, fragte Lina und umarmte mich von hinten. Plötzlich klingelte es. Ich stand auf, zog mir meine Hose an und ging zur Tür.
„Eero? Was machst du denn hier?“, fragte ich verwirrt als ich ihn vor der Tür sah. „Dich abholen?“. „Wieso?“, fragte ich verwundert. Und schon kam Lina hinter her gekrochen und begrüßte Eero lächelnd. Eero zwang sich auch ein Lächeln ab. „Kommst du nun?“, fragte er dann. „Warum sollte ich kommen? Was willst du von mir?“. „Vielleicht unsere Mädels vom Flughafen abholen?“. Ich seufzte. „Welche Mädels?“, kam es gleich eifersüchtig von Lina. „Mach einfach schon mal Frühstück, ja?“. Lina nickte und ging zurück in die Wohnung. „Seid ihr jetzt zusammen?“. „Nein!“, grummelte ich. Ich wusste, dass die Jungs mein Verhalten ihr gegenüber nicht okay fanden. Aber was sollte ich denn machen? Für sie war ich ja anscheinend die große Liebe. „Also kommst du nun mit zum Flughafen?“. „Nur über meine Leiche!“. Eero schüttelte verständnislos den Kopf. „Du holst nicht mal mehr Freunde vom Flughafen ab?“. Ja. Ich weiß. Gleich kommt’s wieder. Wie sehr ich mich doch verändert habe. Was fürn Arsch ich doch geworden bin. „Ich glaub kaum, dass sie sich n neuen Manager zu gelegt haben, oder?“, zischte ich. „Du hast dich doch auch gefreut, als du gehört hast, dass sie uns supporten!“, meinte Eero. Ich nickte. „Tu ich immer noch... Trotzdem... ich muss Silvi nicht unnötig über den Weg laufen!“. „Dann komm wenigsten heute Abend zu mir.“ „Mal sehen... machs gut!“, verabschiedete ich mich von Eero und ging zurück in die Wohnung. „Der Alkohol ist dir echt zu Kopf gestiegen!“, hörte ich Eero meckern, bevor ich dir Tür zu machte.

60. Katja

Langsam ein und ausatmen. Ja. Fein machst du das, Katja!... Nein. Ich war nicht bei der Schwangerschaftsgymnastik. „Äh... Katja? Du kannst jetzt aufhören meine Hand zu zerquetschen... öhm... wir sind gelandet!“, räusperte sich ein grinsender Tobi neben mir. „Na und! Wir rollen aber noch! Wer weiß... vielleicht startet er ja nochmal durch... und dann...“. Tobi hielt mir den Mund zu und schaute verzweifelt nach hinten zu den anderen. Dann beugte er sich über mich und schaute genauso verzweifelt zu Silvi. „Auf dem Rückflug dürfen sich die da hinten mit Katja rum ärgern!“. „Rmpf ge mfttar!“. „Was hast du gesagt?“, fragte Tobi lachend und ließ seine Hand auf meinem Mund. Ha...ha. „Was passiert eigentlich wenn wir jetzt nochmal starten müssen und der gar kein Sprit mehr hat?“, fragte Silvi übertrieben panisch. „Oder... oder... was wäre gewesen, wenn wir gar nicht erst gelandet wären?“, Silvi schaute so panisch wie möglich und krallte sich übertrieben an der Sitzlehne fest. Musste der Weg von der Landebahn bis zum Standplatz eigentlich so lang sein? „Na ja... hoffentlich stürzen wir auf dem Rückflug nicht ab! Hatten ja echt Schwein heute!“, meinte Tobi beiläufig. Silvi und Tobi bekamen ein Lachanfall. Und endlich nahm auch Tobi seine Hand von meinem Mund. „Ihr seid fies!“, verschränkte ich die Arme. „Sorry! Aber du hast heut echt n bisschen viel Panik gemacht!“. Die Entschuldigung wäre angekommen, wenn Silvi sich dabei nicht halb tot gelacht hätte.

„Warum hab ich diesen Scheißflug nochmal auf mich genommen?“. „Weil wir unsere vier Finnen supporten dürfen... mal wieder!“, kam es fröhlich von Ina. Wir standen gerade an der Gepäckausgabe. War es normal, dass ich immer noch am ganzen Körper zitterte? „Was sagen deine Eltern immer?... Du musst Pilotin werden!“, grinste Jul mich an. „Oja... Ich seh schon die Schlagzeilen vor mir! „Flugzeug fährt per Schiff nach Finnland, weil die Pilotin zu viel Schiss vorm Fliegen hat!“. Mark deutete die Schlagzeile an. „Gott? Womit habe ich diese Freunde verdient?“, schaute ich hilflos nach oben. Zum Glück sah ich dann meinen Koffer auf dem Band. Ich drängelte mich durch die Masse und hievte meinen Koffer vom Band. Dann nahm ich den Griff und ging an den anderen vorbei zum Ausgang. „Tschüss...“, meinte ich beiläufig und wollte gerade die Gepäckausgabe verlassen.... da kommt son Tobi daher und hielt mich auf. „Nix da! Du wartest schön auf uns!“, grinste er. Ich seufzte laut stark und setzte mich genervt auf meinen Koffer. „Ähm... entschuldigen Sie! Aber ich glaub das da ist mein Koffer!“. Ich schaute hoch. Vor mir stand ein ältere Herr. „Nee... das is meiner!“, stand ich auf und wollte ihm zum Beweis, den Kofferanhänger zeigen. „Sehen sie? Das ist....... ihrer Herr Schmidt! Hehe!“. Gott wie peinlich. Das war wirklich nicht meiner. Aber hey... meiner sah fast genauso aus. Ich entschuldigte mich bei ihm und ging zurück zum Band, wo mich schon allgemeines Lachen empfing. „Da fährt noch ein Koffer einsam auf dem Gepäckband hin und her!“, zeigte Jul lachend auf das Band. „Bald fährt da ne Leiche einsam hin und her!“. Heute war echt nicht mein Tag. Erst der Flug, dann Freunde die sich über einen lustig machten und jetzt noch die Sache mit dem Koffer. Tobi ging zum Band und holte mir den Koffer. „Danke!“, murmelte ich und schaute sicherheitshalber auf das Schild!. Mein Name stand drauf, also konnte ich wohl sicher sein, dass es auch meiner war. Dann verließen wir als letzten die Gepäckausgabe. Nachdem wir uns hundertmal gefragt hatten, wo wir jetzt hin sollten und hundertmal die Antwort „keine Ahnung“ kam, beschlossen wir provokativ mitten in der Halle stehen zu bleiben und zu warten bis uns jemand abholte. Aki hatte ja gesagt, dass sie jemand schicken würden. „Meint ihr nicht, dass ihr ziemlich im Weg steht?“, kam es dann plötzlich auf Englisch von hinten. Wir wirbelten rum und blickten in drei fröhliche Gesichter. „Aggü“, freute ich mich und umarmte Aki. „Na, Kleene!“. Dann folgte erstmal das allgemeine Begrüßungsverfahren. „Hallo“, „Schön das ihr da seid!“, „Wie geht’s euch?“, Umarmung hier, Umarmung da und dann waren wir endlich auf den Weg zum Auto. Besser gesagt zum Kleinbus. „Wo ist Lauri?“, fragte Jul. Die drei Rasmusse schauten sich unsicher an. „Der... der hatte noch was zu erledigen!“, meinte Pauli dann. Na ja... wers glaubt! Aki hatte mir am Telefon schon erzählt, dass sie Lauri ziemlich verändert haben sollte. „Na ja... wir bringen euch jetzt erstmal in euer Hotel!“, lächelte Eero dann und machte von weitem schon den Bus mit der Fernbedienung auf. Mal sehen was uns erwartete. Die Rasmusse hatten ja alles für uns organisiert... wir brauchten eigentlich nur noch packen und in den Flieger steigen.... Was wir ja – wie man sieht – getan hatten.

61. Lauri

Genervt schnippte ich meine Zigarette vom Balkon. „Was ist den heute mit dir los?“, fragte Lina besorgt, die hinter mir auf einem Stuhl saß. „Nichts!“, grummelte ich. „Komm schon, Lauri! Ich kenne dich... irgendwas ist mit dir!“. Sie kannte mich? Woher den? Aus der Presse? Ich hatte ihr jedenfalls noch nie was von mir erzählt. „Mit mir ist alles in Ordnung, okay?“. Ich ging rein und ließ mich auf die Couch fallen. Ob Lina heute auch noch mal irgendwann abhauen würde? Schließlich war das hier meine Wohnung. Ich schnappte mir die Fernbedienung von der Musikanlage und machte sie an. „Björk“ schrie mich förmlich an, aber egal.
Hatte ich mich wirklich so sehr verändert, wie immer alle sagten? Okay. Mir ist vieles einfach nur noch egal geworden. Aber unsere Musik leidete doch nicht darunter. Unsere Musik war schließlich fast das einzige, was mir nicht egal war. Und alles nur, weil ich Idiot mich unsterblich verlieben musste. Aber was sollte ich machen? Leider hatte ich kein „Aus“-Knopf.
Auf einmal stand Lina in Tränen vor mir. Ich machte die Musik leiser und schaute sie fragend an. „Du liebst mich nicht mehr, stimmt’s?“. Nicht mehr ist gut. Ich hatte sie noch nie geliebt. Wann kapierte sie es endlich? Ich hatte ihr in den ganzen zwei Monaten noch kein einziges Mal „Ich liebe dich“ gesagt. Ich stand auf und ging zu ihr hin. „Es hat nichts mit dir zu tun! Ich habe heute einfach ein schlechten Tag!“, versuchte ich sie zu beruhigen. Hoffentlich sah sie das nicht als Liebesgeständnis an. Ich umarmte sie und gab ihr dann einen Kuss. Sie wischte sich die Tränen weg und lächelte mich an. „Sorry... ich dachte nur... auch egal!“. Ich nickte. „Pass auf... ich muss noch was erledigen... ich geh jetzt noch schnell duschen und dann hau ich ab... bleib solange du willst hier, okay?“, sagte ich dann und verschwand schnell unter die Dusche. Warum hatte ich ihr eben nicht einfach die Wahrheit gesagt? Umso später ich ihr die Wahrheit sagte, umso mehr würde ich ihr weh tun. Scheiß Leben...

Eine Stunde später saß ich dann in dem Hotel von Paulis Kumpel. Hier hatten wir Nightmare einquartiert, weil Pauli noch was bei seinem Kumpel gut hatte und so drei Zimmer umsonst bekam.
Ich schaute auf die Uhr. Sie müssten bald kommen. Ich hatte mich entschlossen ihnen wenigstens „Hallo“ zusagen. Eero hatte ja recht. Sie waren unsere Freunde.
Und dann kamen sie auch. Gut gelaunt betraten sie die Lobby. Als Pauli in meine Richtung sah, konnte man richtig sehen, wie sehr er sich freute mich hier zu sehen. Ich ging zu ihnen rüber. „Da seid ihr ja!“, versuchte ich so locker wie möglich zu sagen. „Lauri!“, freute sich Ina. Ich umarmte sie schnell. So wie Katja und Jul auch. Mark und Tobi sagte ich schnell so „Hallo!“. Silvi hielt sich im Hintergrund. Der Tag war sowieso beschissen, also konnte ich auch zu ihr hingehen. „Hi!“, begrüßte ich sie. Ein leises „Hi“ kam zurück. „Ähm ja... ich hol mal die Schlüssel für eure Zimmer!“, sagte Pauli und ging zur Rezeption. Ich drehte mich um zu den anderen. Ich bereute es irgendwie schon gekommen zu sein. Katja schaute mich misstrauisch an. Was hatte Aki ihr über mich erzählt? Ob sie das mit Lina wusste? Immerhin bemerkten alle das ich nur mit ihr spielte. Nur sie irgendwie nicht. Stille. Die Atmosphäre war ziemlich angespannt. Wegen mir? „Ach ja... bevor ich es vergesse... heute Abend ist großes Dinner bei mir!“, durchbrach Eero die Stille. „Cool!“, freute sich Jul. „Jetzt müssen wir nur noch wissen, so du wohnst und wie wir da hin kommen!“, grinste Ina. „Aki holt euch ab... stimmt’s Aki?“. Aki nickte brav und grinste. Dann kam Pauli auch schon mit drei Schlüsseln wieder. „Sooo... hier sind die Eintrittskarten zu euren Reichen!... Wer mit wem?“. „Öhm... drei Zimmer?“, fragte Ina. „Wir hatten mit vier gehofft! Für Silvi und Tobi n Einzelzimmer!“, erklärte Jul. „Achso... nee... wir haben nur drei! Schlimm?“, fragte Pauli. Tobi und Silvi schüttelten den Kopf. „Dann machen wir es so... Ich geh zu Silvi und Tobi geht zu Katja!“, beschloss Ina. Wenn mich nicht alles täuschte, schaute Katja etwas perplex drein. „Gut... wir hauen dann jetzt ab, okay?“, kam es von Eero. Allgemeines Nicken. „Ich hol euch um 19.00 Uhr ab!“, meinte Aki dann noch grinsend. Dann verabschiedeten sich ‚Nightmare‘ und Co von uns und gingen Richtung Fahrstuhl.
„Schön das der Herr doch noch gekommen ist!“, grummelte Eero mir zu. „Tut mir Leid wegen vorhin! War wohl noch nicht ganz wach!“, entschuldigte ich mich bei ihm. Eero wank nur ab. „Du spielst immer noch mit Lina?“, fragte dann Aki. „Ich sag ihr nachher die Wahrheit, okay?“. Ich ging einfach los.
Sollte ich Lina wirklich die Wahrheit erzählen? Eigentlich wäre das nur fair...

62. Katja

Toll. Jetzt sollte ich mit Tobi ein Zimmer teilen. Warum werde ich eigentlich nie gefragt, he?
Ich schloss die Tür zu unserem Zimmer auf und ging rein. Erster kurzer Blick ins Bad: Joa. War ganz okay. Dann ging ich weiter...... und mich traf der Schlag. Tobi bekam einen Lachanfall. Da stand doch tatsächlich ein Ehebett!!! Was hatte ich nur getan, dass Gott mich so bestrafte? „Welche Seite willst du... Schatz?“, lachte Tobi. Ich fand das ehrlich gesagt gar nicht so lustig. „Links... und wenn du auch nur einmal auf meine Seite kommst, bist du Tod!“, murmelte ich. „Ist das ne Drohung?“. „Nee, ein Versprechen!“. Tobi stellte erstmal seinen Koffer an die Seite und schaute sich weiter um. „Cool! Sogar ne Musikanlage!“, staunte er. Ich seufzte. Und ließ mich auf das Bett fallen. Gemütlich war es ja. Tobi packte sich neben mich...... und schwieg. Och nö! Plötzlich sprang er wieder auf. „Auspacken! Wir wollten doch noch n bissl einkaufen, bevor Aki uns abholt.“. Stimmt. Also stand ich auch auf und hievte dann meinen Koffer auf das Bett. Tobi wühlte der weil in seinem Rucksack rum. Ich seufzte mal wieder. Warum wusste ich nur ganz genau wonach er suchte? Ich ging zu meinem Rucksack rüber, kramte eine von meinen „Tote Hosen“-CDs raus und hielt sie Tobi vor die Nase. „Woher wusstest du...?“. „Keine Ahnung!“, zuckte ich mit den Schultern und packte die CD in die Anlage, die glücklicher Weise im Zimmer stand, und drehte ordentlich auf. Tobi grinste mich an und ich grinste zurück. So ging das auspacken doch viel besser.

Geschafft ließen wir uns nach ner halben Stunde wieder aufs Bett fallen. „Was bitte ist am Auspacken so anstrengend?“, fragte ich. „Gar nichts. Aber wir hätten nicht so aufgedreht durch die Bude springen sollen!“, lachte Tobi. „Mhm... okay...“. Tobi stand wieder auf. Konnte der nicht mal für fünf Minuten still liegen bleiben? Ich setzte mich auf und schaute, was er machte. Und... WUSCH... hatte ich ein Kissen im Gesicht. Was sollte das denn? Ich schnappte mir das Kissen und warf es zurück. WUMM... Volltreffer! Tobi nahm das Kissen und sprang lachend aufs Bett. „Kissenschlaaaaacht!“. Leider sprang er so ungeschickt aufs Bett, dass er direkt auf mich fiel und mich unter sich begrub. Toll. Glanzleistung, Tobi!
Er schaute mich an. Ja. Was fürn Zufall, dass unsere Blicke sich genau treffen konnten. Ich schaute unsicher zurück. Aber alles was zurück kam..... war Stille und undefinierbare Blicke. Argh. Jetzt mach schon was. Irgendwas, Hauptsache die Stille wird durchbrochen. Stopp!!! Was sollte er denn machen? Was wünschte ich mir denn, was er machen sollte? Plötzlich grinste er. Na toll...
„Ich hab mich von meiner Freundin getrennt!“. Bitte, was? Das musste er mir gerade jetzt erzählen? Ach ja... ich vergass... ist ja gerade so ein GÜNSTIGER Moment. „Toll!“, lächelte ich unsicher. Toll? Hallo? Erde an Katja... geht’s noch? Da liegt gerade ein Typ auf dir. Wie wärs mit......... runter schubsen? He? Zur Not scheuer ihm eine... aber mach irgendwas!!!
Aber irgendwie tat ich nichts. Tobi kam etwas dichter. Mein Herz setzte wohl für einige Schläge aus......... und plötzlich – wie sollte es anders sein – klopfte es.
Tobi machte aber keine Anstalten von mir runter zu gehen und die Tür zu öffnen. „Äh... hehe... wollen wir nicht mal aufmachen?“, fragte ich kleinlaut. Er nickte nur und stand endlich auf. Was war das denn bitte? Total verwirrt suchte ich mir den Weg zur Tür und öffnete sie. „Wir wollten unser Traumpaar zum einkaufen abholen!“, grinste Ina mich an. „Wir? Traumpaar?“, fagte ich immer noch verwirrt. Ina schaute mich fragend an. „Das war ein Scherz... eigentlich hättest du mich jetzt hauen müssen... beziehungsweise wenigstens böse angucken...“. „Aha... äh... ich... wir kommen gleich!“, schlug ich Ina die Tür vor der Nase zu. Traumpaar... tze... das ich nicht lache. Zurück im Zimmer, schnappte ich mir meine Tasche und packte schnell alles ein. Geld, Handy, noch was? „Das mit meiner Freundin war mein Ernst!“, kam es plötzlich von Tobi. Ich zog schnell meine Jacke an, hängte mir die Tasche um und drehte mich dann um. „Was erwartest du, was ich sage?“, fragte ich Tobi, so normal wie möglich. „Gar nix... aber wie wärs mit nem bisschen mehr Mitleid!“, grinste er dann. Mitleid... das sollte es gewesen sein? Deswegen hatte er mich nicht los gelassen??? „Lass uns gehen... Ina und Konsorten warten draußen auf uns!“, meinte ich dann nur noch und ging Richtung Tür.

63. Lauri

Als ich mit meinem BMX bei mir zu Hause ankam, blieb ich erstmal draußen stehen und schaute hoch zu meinem Fenster. Ob sie noch da war? Wenn ja... sollte ich ihr die Wahrheit sagen? Ich würde es sicher nicht zu meinem Besten tun, aber die Jungs würden vielleicht mal wieder mit mir reden. Normal reden. Ich schnappte mir mein BMX und schleppte es die Treppen hoch. „Ach nee... wen haben wir denn hier... den Tierhasser!“, kam es plötzlich von vorne. Ich stellte mein Rad ab und schaute wer mich so „nett“ begrüßt hatte. Und ich schaute direkt in das Gesicht dieses kleinen, schwarzhaarigen Mädchens, welches über mir wohnte. „Ach nee... wenn haben wir denn da... die Nervensäge!“. Ich wollte meinen Weg gerade fort führen, da bemerkte ich etwas an meinem Bein. Ich schaute langsam runter. Und was sah ich? Einen deutschen Schäferhund, der mich beschnupperte. War ja klar. Wo die Nervensäge ist, ist auch der Köter. „Nimm deinen Köter von mir weg!“, zischte ich das Mädchen an. Sie grinste nur. „Nö... wenn ich Glück habe, verwechselt er dich mit einem Baum...“. „Wenn du Glück hast, lebt dein Hund in 5 Minuten noch!“. Anscheinend wirkte diese Drohung. „Komm Chucky... wir gehen!“, meinte sie hochnäsig und quetschte sich an mir vorbei. Der Hund folgte ihr. Gott. Wie ich Hunde hasste...

„Lauri? Du bist schon wieder da?... nein, nicht rein kommen... warte... ich bin noch nicht fertig!“, kam es mir sofort entgegen als ich die Tür aufmachte. Was war denn jetzt los? „Warte noch... bitte!“, flehte Lina vom Wohnzimmer aus. Okay... hatte ich ne andere Wahl. Ich stellte erstmal mein BMX an die Wand und zog meine Jacke aus. Es roch gut. Wahrscheinlich hatte Lina gekocht. „Wie lange denn noch?“, fragte ich genervt. „Gleich, Schatz!“. Argh. Nein. Da war es schon wieder.
Dann kam sie endlich. Sie gab mir einen langen Kuss und führte mich dann ins Wohnzimmer. Oha... Jetzt hatte ich ein Problem.
Lina hatte wirklich gekocht. Na ja. Das war jetzt nicht das Problem, sondern das Drumherum. Der Raum war abgedunkelt und überall standen kleine Teelichter als Beleuchtung. Dann auf dem Tisch, stand das Essen, 2 Gläser Wein und natürlich auch Kerzen. Bein näheren Hinsehen konnte man erkennen, das sie Rosenblüten auf dem Tisch verstreut hatte. Ich kam mir vor, wie in sonem kitschigen Liebesroman, oder so. Nur das ich mich nicht darüber freuen konnte. Also doch... ich hätte mich gefreut, wenn es von jemanden anders gewesen wäre... aber es war nun mal von Lina.
„Und? Gefällts dir?“, fragte Lina leise. Ich schaute sie an. Ihre Augen funkelten im Kerzenlicht. „Lina... wir müssen reden!“. Sie wurde nervös, schaute mich fragend an. „Ich hatte dir damals was gesagt... als wir uns kennen gelernt haben... weißt du noch?“. Sie nickte. „Du sagtest, dass du keine feste Beziehung möchtest... aber ich dachte du hast deine Meinung geändert!“, sagte sie leise. Ich schüttelte den Kopf. „Du bist für mich nur eine Affäre...“. Das nenn ich mal mit der Tür ins Haus fallen... Tränen stiegen in ihren Augen auf. „Du... du Arsch!“. Sie holte aus und gab mir eine kräftige Ohrfeige. Autsch. Die hat gesessen...
„Du hast also nur mit mir gespielt, ja?... Mir hätte das von Anfang an bewusst sein müssen... ihr Musiker seid doch alle gleich...“, schrie sich mich an. Und sie holte noch mal aus. Doch diesmal konnte ich ihre Hand stoppen und zog sie zu mir ran. „Lina... ich hab dir von Anfang an gesagt, dass ich keine Beziehung will... ich hab dir auch nie das Gefühl gegeben... also tu jetzt nicht so, als wäre das alles neu für dich!“. Ich ließ sie los. Und ich hatte verdammt nochmal recht. Ich habe NIE gesagt „Ich liebe dich!“, geschweige denn „Hab dich lieb!“. Also hätte sie sich ihren Teil denken können.
Lina fing jetzt an durch die Wohnung zu rennen und ihre Sachen ein zu packen. „Du bist ein Arsch, Ylönen!“, schrie sie immer wieder. Aber ich beachtete sie kaum und machte mich daran, die ganzen Teelichter aus zu pusten. „Sag bloß du liebst immer noch diese... diese Deutsche...“, stand Lina plötzlich wieder hinter mir. Ich wirbelte rum. „Woher weißt du davon?“, fragte ich wütend. „Ja... zum Glück sind deine Freunde nicht sone Loser wie du...“. Ich hatte große Mühe, ihr nicht eine zu verpassen. „... Aki hat mir von... von dieser Silvi erzählt... aber ich dachte du seist über sie hin weg und liebst jetzt mich....... aber da hab ich mich wohl gewaltig geirrt!“. Aki??? Dieser Idiot. „Hau einfach ab... okay?... lass mich einfach in Ruhe!“, zischte ich sie an. „Das wirst du bereuen... glaub mir... das wirst du sowas von bereuen!“. Ich packte sie an den Schultern und schob sie vor mich her zur Tür. „Los... erzähls der Presse! Die ist schon ganz heiß auf sowas... damit kannst du mir echt eins auswischen...“, raunzte ich vor Wut. Lina machte sich von mir los und verpasste mir wieder eine Ohrfeige. „Wie konnte ich nur auf dich reinfallen...“, meinte sie wütend und verließ meine Wohnung. Was erlaubte sie sich. „ War schön mit dir gevögelt zu haben!“, rief ich ihr noch wütend hinterher und schmiss die Tür zu. Warum fühlte ich mich jetzt keines Wegs besser?

64. Katja (bei Eero)

Mit einem zufriedenen Lächeln lehnte ich mich zurück. „Boah... war das lecker...!“. „War? Is imma noch!“, nuschelte Tobi mit vollem Mund. Wir waren in der Zwischenzeit bei Eero an gekommen und waren gerade dabei das leckere Abendbrot zu vernichten. Mark lehnte sich auch zurück und schaute Eeros Frau an. „Gott... Nami... wer hat dir nur die Gabe gegeben, so gut zu kochen?“. „Ach... jetzt hört langsam mal auf... soooooo gut ist es doch auch nicht!“, grinste sie. „DOCH!!!“, kam es einstimmig von allen. Ich nahm ein Schluck Wasser und schaute mir das Esszimmer etwas genauer an. „Mhm...“. Eero schaute mich fragend an. „Irgendwie ist das hier alles so...“, setzte ich an. „... schlicht? Normal? Wie bei anderen auch?“. Ich nickte und Eero grinste nur. „Was hast du denn erwartet?“. Ich zuckte mit den Schultern. „Weiß nicht... irgendwie hab ich mir das hier alles total Joga-mäßig vorgestellt...“. „Wirklich?“, fragte Aki ungläubig. Ich nickte wieder. „Keine Ahnung wie ich darauf komme... habs mir halt so vorgestellt!“, grinste ich. Und das war leider die Wahrheit. Na ja...

Verwirrt schaute ich Tobi an, der nur in Boxershorts gekleidet, vor mir stand. Er grinste mich an. „Du hast doch nix dagegen, wenn ich so penne, oder?“. „Äh... nee... warum sollte ich?“. Klang ich jetzt irgendwie unglaubwürdig? Ich schaute ihn weiter an. Nach einigen Minuten wurde es Tobi dann anscheinend zu viel. „Macht es Spaß mich so anzustarren?“. Ob es Spaß macht? Ja, verdammt. Sein Oberkörper war... traumhaft. „Ich starre nicht, ich analysiere!“, redete ich mich raus. Stimmte ja in etwa.
Tobi ging zum Balkon und trat raus........... kam aber sofort wieder rein, als er merkte das draußen Minusgrade herrschten. Ich musste lachen. Er schaute mich bedeppert an. „Es ist Winter, wir sind in Finnland... eigentlich kann man dann damit rechnen das es draußen kalt ist!“. Tobi schnappte sich ein Kissen. Doch bevor er nach mir werfen konnte, verschwand ich mit einem „Ich geh mich dann mal Bett-fertig machen!“ ins Bad und schloss schnell hinter mir ab.
Als ich wieder aus dem Bad kam, rechnete ich mit allem. Mit fliegenden Kissen, mit einem Tobi der neben der Tür schon auf mich wartete und noch mit vielem mehr. Doch Tobi saß einfach nur auf dem Bett und wühlte in MEINEN CD´s rum. „Ist dir irgendwie langweilig?“. Erschrocken guckte er hoch und schüttelte dann den Kopf. „Ich suche nur ne gute CD! Irgendwie hab ich meine guten alle zu Hause gelassen!“. Aha... wie spät war es? Halb eins? Und er suchte nach einer CD? Anscheinend bemerkte er meinen verwirrten Blick. „Du willst doch noch nicht schlafen, oder?“. Nein... wieso sollte ich das wollen? Es war ja erst Mitternacht und ich hatte ja nur meinen Schlafanzug an... Warum denken Typen immer so einseitig.
„AC/DC ???“. „Hä?“. „Wollen wir AC/DC hören?“. Ich nickte. Warum eigentlich nicht. Tobi sprang auf und legte die CD ein. Ich legte mich derweil aufs Bett und schloss die Augen, öffnete sie jedoch gleich wieder, als die Musik startete. Laut. Die Musik war einfach nur laut. „Leiser!“, befahl ich Tobi. Und – oh wunder – er hörte sogar auf mich und machte die Musik leiser. Dann packte er sich neben mich auf das Bett. „Netter Schlafanzug!“, grinste er. „Bist ja nur neidisch, dass du keinen hast!“, verteidigte ich grinsend meinen Snoopy-Schlafanzug. Außerdem, woher sollte ich wissen, dass ich mit Tobi in einem Zimmer pennen muss? Ich war ja der festen Überzeugung, dass ich mit Ina ein Zimmer teile. „Sag mal... Ist Lauri immer so komisch?“, wurde Tobi auf einmal ernst. „Nein. Eigentlich nicht. Letzten Sommer war er jedenfalls besser drauf!“. Er war heute wirklich komisch drauf. Erst kam er zu spät zum Abendbrot bei Eero und dann saß er die ganze Zeit schweigend in der Ecke und starrte auf den Boden. „Ist ja auch egal... was machen wir jetzt noch?“, riss mich Tobi aus meinen Gedanken. Äh... schlafen?
„Ha... ich hab da ne Idee...!“, sprang Tobi auf und rannte zu seinem Schrank. Dann drehte er sich grinsend zu mir um und hielt ein Mini-Mensch-Ärger-dich-nicht-Spiel hoch.
„Das ist jetzt nicht dein Ernst!“. „Oh... doch... und wer rausgeschmissen wird, darf ein Schluck Wodka trinken!“, ging er grinsend zur Minibar und holte die Flasche Wodka raus. „Okay... klingt hohl... aber ich mach mit!“. Der Abend schien ja noch lustig zu werden.

65. Lauri

Schweigend saß ich auf der Couch. Eero schaute abwechselnd zu mir und dann zu Pauli, Nami und Aki. „Ich räume die Küche auf!“, stand Nami plötzlich auf. „Eure Freunde haben ein ganz schönes Chaos hinter lassen!“, grinste sie noch und ging in die Küche. Okay. Für mich gabs jetzt zwei Möglichkeiten.
Erstens. Konnte ich mich verdrücken und Nami in der Küche helfen. Zweitens konnte ich mich dazu entscheiden, endlich mal mit meinen Jungs zu quatschen.
„Lauri... jetzt rede mit uns!“, nahm Pauli mir die Entscheidung ab. Ich schaute in die Runde. Alle drei sahen mich bittend an. Ich nickte kurz und atmete einmal tief durch. Aber was sollte ich sagen? Sie wussten ja eigentlich schon alles. „Hast du Lina endlich die Wahrheit gesagt?“. Ich blickte zu Aki von dem die Frage kam. „Ja!“, antwortete ich leise. Aki nickte. „Endlich! Aber das ist noch nicht alles!“, meinte Eero. Fragend schaute ich ihn an. „Wie, nicht alles?“. „Lauri... du hast dich verdammt noch mal verändert! Und das zum Negativen!“, fiel Pauli mit der Tür ins Haus. Erschrocken blickte ich zwischen allen dreien hin und her. „Aber... aber... ach ihr habt doch keine Ahnung!“. Nein. Die hatten sie wirklich nicht. Ich schaute starr zu Boden. „Das mit Lina... das war... Lauri wir erkennen dich kaum wieder!“, meinte Eero. Pauli nickte. „Und es wird immer schlimmer!“. „ Wir wollen dir nur helfen!“, kam es von Eero. Wumm! Das war wie ein Schlag in die Magenkuhle. War ich schwer krank oder so?
Kopfschüttelnd stand ich auf. „Lasst das! Ich versuche mich zu bessern, okay? Aber benehmt euch bitte nicht wie irgendwelche Psychologen!“. „Lauri...“, stand Aki auf und versuchte mich auf zuhalten, aber ich ging.

Ich ging die Straße entlang und zündete mir neben bei eine Kippe an. Es war ziemlich kalt draußen, aber egal. Der sternklare Himmel ließ die eiseskälte vergessen. Ich blieb stehen und schaute hoch. Hatte ich mich wirklich so verändert? Okay... das mit Lina war falsch, aber das wusste ich selbst. Hatte ich den noch andere Fehler gemacht?
„Lauri?“, hörte ich Akis Stimme von hinten. Ich drehte mich um und nahm ein Zug von meiner Kippe. Aki schaute mich enttäuscht an. „Was ist mit dir los?“. „Nichts!“. Blöde Frage, blöde Antwort. „Das mit Silvi hat dich wohl mehr mit genommen, als du denkst!“. Ich seufzte. Stille. Irgendwas sagte mir, dass ich endlich reden sollte. „Es klingt blöd... aber... so wie sie habe ich noch nie jemanden geliebt!“. Was tat ich hier? Ich stand mitten auf der Straße und erklärte Aki meine Situation.
Aki nickte, lächelte und schlug mir dann auf die Schulter. „Hast du noch Bock auf ein Bier?“. Ich nickte. Wir gingen zurück zu Eeros Haus, wo Akis Auto stand.
„Zu dir oder zu mir?“, grinste Aki, als wir eingestiegen waren. „Zu dir! Bei mir herrscht das reinste Chaos!“, erklärte ich ihm. Aki nickte und fuhr los. Stille. „Hab ich mich wirklich so verändert?“, fragte ich plötzlich. Aki schaute kurz zu mir und dann konzentrierte er sich wieder auf die Straße. „Mhm... Ja... Nein... Irgendwie schon... Jedenfalls was das Thema Frauen angeht! Und naja... doch... du hast dich verändert!“. „Tut mir Leid!“, seufzte ich. „Bei mir brauchst du dich nicht zu entschuldigen... Eero und Pauli leiden unter der Sache... zu mir bist du ja immer ganz okay!“, lächelte er. Ich nickte. Dann hatte ich morgen also was zu tun.

66. Katja

„Mooooooooooorgen!!!“, riefen Ina und Jul durchs ganze Foyer. Aua. „Nich so laut!“, flüsterte ich den beiden zu. Aber Ina hatte wohl Bock mich zu ärgern. „Wieso? WAS HAST DU DENN?“. Ahhhhhhhhhh... Mein Schädel!!! War wohl doch nicht so gut, dass ich immer verloren hatte und somit die drei viertel Flasche Wodka, von heut Nacht, Mein geworden war.... und dann hatte ich auch nur 4 Stunden Schlaf. Toll.
Ich zeigte Ina – nett wie ich war – meinen „schönen“ Mittelfinger und ging an ihr vorbei zu Silvi, die mich mit einem genervten „Ihr seid zu spät!“ begrüßte. Tobi schlich an meine Seite und murmelte irgendwas von Entschuldigung und bemerkte dann, dass wir nicht die einzigen waren die zu spät waren. „Wo sind unsere Finnen?“, fragte Tobi. Silvi zuckte nur mit den Schultern. Aber anscheinend war Jul bereit ihm zu antworten. „Sie wollten um 10.00Uhr da sein!“. Okay, das wussten wir auch. Ich ging zu den Sitzgelegenheiten im Foyer und ließ mich auf eine Couch fallen. Tobi tat es mir gleich. „Boah... hab ich Bock auf diese Sightseeing-Tour!“, murmelte er neben mir. „Kann ich ja auch nix für...“, murmelte ich zurück. Ich hatte genauso viel Bock wie Tobi... und zwar gar keinen!!! Wieso konnte ich nicht einfach nur mein Bett besichtigen?
„Verdammt!“. „Was?“, fragte ich Tobi. Er deutete auf die Eingangstür. „Jetzt kommen die auch noch wirklich!“. Lautes Syncron-Seufzen. „Was wenn wir uns krank stellen?“. Ich schüttelte den Kopf. „Erstens bräuchten wir uns gar nicht krank stellen... wir sehen krank genug aus und zweitens, würden die uns eh mit schleppen!“. Diesmal seufzte nur Tobi.
Wir beobachten wie unsere vier Finnen – ja es waren alle... sogar Lauri – den Rest von uns begrüßte. Tobi grübelte immer noch weiter, wie wir am Besten entkommen könnten. „Wegschleichen? Wegrennen?.......... zurück nach Deutschland fliehen?“. Ich musste lachen und stand jetzt endlich auf. Ich reichte Tobi meine Hand. „Komm... so schlimm wird es schon nicht!... hoffe ich jedenfalls!“. Tobi grinste mich an, nahm meine Hand und ließ sich von mir hoch ziehen. „Wehe, wenn doch!“. „Was dann?“. Tobi tat so als müsse er überlegen. „öhm... dann... joa... zerhacke ich deine ganzen CD´s?“. Ich musste wieder lachen. „Damit du dann auch keine CD´s mehr hast? Logisch... wirklich, Kleiner!“. „Kleiner?“, schaute Tobi mich skeptisch an. Er war immerhin ein Kopf größer als ich. Ups... ich sollte mich wohl besser verziehen. „Ich... äh... geh dann mal zu den anderen...“. „Ist auch besser so.........“

67. Lauri

Hatte ich alles? Brötchen? Croissants? Butter, Marmelade, Käse, Wurst? Kaffe und Tee für unseren Yoga-Bassisten? „Yupp alles da“, sagte ich zufrieden. Kurzer Blick auf die Uhr. Es war halb neun. Eigentlich sollten jetzt bald Eero, Pauli und Aki auf der Matte stehen. Ich hoffte inständig, dass sie gestern Abend noch alle meine Sms bekommen hatten. Nachdem Gespräch mit Aki und der Runde Bier bei ihm, war mir klar geworden, dass ich große Scheiße gebaut hatte.
Und schon klingelte es an der Tür. Ich atmete noch mal tief durch und ging dann zur Tür. Kurz bevor ich die Tür öffnete, stoppte ich. War das alles vielleicht ne Spur zu kitschig? Ich mein, ich lud meine Kumpels zum Frühstück ein. Bisher hatte ich sie nur zum Saufen oder Abendbrot eingeladen. Außerdem hatten wir eh nur ne Stunde Zeit... dann mussten wir ja schon Nightmare und Gefolge zur Sightseeing-Tour abholen.
Es klingelte noch einmal und ich öffnete endlich die Tür. „Hi...“, begrüßte ich schüchtern Pauli und Eero, die ein unsicheres „Hi...“ zurück gaben. Aki, der hinter den beiden stand, schubste Eero und Pauli leicht in die Wohnung. „Ich hab n Mordshunger... ich hoffe du hast reichlich eingekauft!“, grinste er. „Ich hoffe die reichen 5 Brötchen und drei Croissants... mehr hab ich für dich nicht ein geplant...!“. Pauli und Eero schauten sich unsicher an. Okay... sie wussten ja noch nicht, dass ich mich mit Aki soweit ausgesprochen hatte.
Aki ging in mein Wohnzimmer und an dem Klirren des Bestecks, konnte ich mir denken, dass er schon angefangen hatte. Ich wollte nicht mehr länger im Flur rum stehen. „Kommt ihr oder wollt ihr hier Wurzeln schlagen?“. „Äh... nee... also ja... wir kommen!“, stotterten die beiden sich zusammen.

Eine halbe Stunde später schauten mich dann Pauli und Eero mit großen Augen an und wussten nicht wirklich ob sie meine Entschuldigung – die ein 20 minütiger Monolog war – annehmen oder abschlagen sollten. Ich hatte keinen der Drei auch nur eine Sekunde zu Wort kommen lassen. Okay, Aki war das auch sicherlich ziemlich egal, weil er eh nur mit dem Frühstück beschäftigt war. Pauli kratze sich jetzt unsicher am Kopf und Eero blickte mich nur sprachlos an.
„Wow...“, kam es jetzt endlich von Pauli. Hatte er jetzt wirklich ne ganze Minute gebraucht um diese Antwort von sich zu geben? „Wow...“, wiederholte er sich. Okay... jetzt wurde ich langsam nervös. „Solange hast du noch nie am Stück geredet!“. War das jetzt alles? Anscheinend bemerkte Aki doch etwas. Jedenfalls sprach er jetzt meine Gedanken aus. „War das jetzt alles? Lauri redet sich 20 Minuten um Kopf und Kragen und ihr könnt nur „Wow“ sagen beziehungsweise „Solange hast du noch nie am Stück geredet!“ ???“. Aki ließ dafür sogar mal sein Brötchen auf den Teller sinken. Schweigen. Eero stand auf und kam zu mir. Sicherheitshalber stand ich auch auf. Ich schaute verwirrt in die Runde. Eero grinste mich an. Auf einmal nahm er mich locker in den Schwitzkasten und gab mir lachend eine Kopfnuss. „Unser kleiner Lintu wird erwachsen!!!“. „Euer kleiner Lintu redet gleich noch mal 20 Minuten wenn du nicht aufhörst!“, lachte ich mit. Eero nahm die Hände hoch und Pauli ließ sich vom Stuhl fallen, kniete sich hin und betete. „Es war zwar... sehr schön... aber... einmal reicht!!!!“. „Schade... dabei hatte ich noch so eine schöne Rede vorbereitet!“, wischte ich mir spielerisch die Tränen weg. Wir mussten alle lachen.
Gott war ich froh, dass anscheinend wieder alles in Ordnung war!

68. Katja

Total geschafft ließ ich mich auf den Stuhl fallen, der direkt an der Stirnseite des Tisches stand. Rechts neben mir ließ sich Mark seufzend nieder, links Jul. Daneben jeweils Silvi und Ina, und Tobi, mit dem „nettestes“ Grinsen in dem ganzen Restaurant, setzte sich direkt mir gegenüber. „Müssen wir heute noch mit den Jungs Party machen?“, stützte Ina müde ihren Kopf auf. „Warum denn nicht?“, fragte Mark. Ich schaute ihn so müde ich konnte an. „Schau dir Ina und mich an... wir sind fix und fertig... ach ja... Tobi auch. Er grinst nur so um seine Müdigkeit zu überspielen!“. „Tu ich das?“. „Ja...“. „Wenn du das sagst...“, grinste er mich noch „netter“ an.
Die Kellnerin kam, gab uns die Karten und nahm die Getränkebestellung auf. Ich blätterte lustlos zwischen den Seiten hin und her. Party? Heute? Ich? Musste das wirklich sein? Obwohl. Wiederum könnte es auch lustig werden. Aber jetzt sollte ich mich wohl erstmal auf die Karte konzentrieren. Nach einer Weile hin und her blättern entschied ich mich für eine Pizza. Als die Kellnerin mit den Getränken kam, nahm sie unsere Essensbestellung auf und versicherte uns – im besten Englisch versteht sich – dass das Essen bald kommen würde.
Ich lehnte mich zurück und streckte meine Füße aus. Puh... war das heute anstrengend. Pauli und Eero hatten sich selbst zu den „besten Guides“ der Welt erklärt und uns jede noch so kleine Ecke in Helsinki gezeigt. War ja auch ganz interessant, aber nach 6 Stunden rum latschen, hatte ich dann doch genug.
Ich schaute in die Runde. Silvi und Ina diskutierten gerade mit Tobi. So weit ich folgen konnte, ging es um banale Sachen wie „Frauen hinterm Steuer!“. Wobei Tobi Frauen als „Unfähig“ und „Orientierungslos“ abstempelte. Ob er bemerkt hatte, dass er in dieser Diskussion leicht in der Unterzahl war? Egal... ich hoffte das es sein Fett weg kriegen würde. Hehe.
Mark und Jul in der Zwischenzeit unterhielten sich über Marks neue Wohnung, die sie nach dem Finnlandurlaub schön gemütlich einrichten wollten. Dabei lächelten sie sich in einer Tour an. Tat das nicht mal irgendwann weh?
Plötzlich stupste ein Fuß meinen Fuß an. Ich hoffte inständig, dass es nur ein Versehen von Mark oder Jul war. Aber nachdem der „fremde“ Fuß begann, mich immer öfter an zu Stupsen, gab ich dann die Hoffnung auf. Soweit ich feststellen konnte, war es Marks Fuß. Ich schaute ihn an. Vielleicht würde ein zu nettes Lächeln ihn ja drauf aufmerksam machen. Aber er beachtete mich kaum und flirtete weiter mit Jul und mit meinem Fuß. Okay... dann räusperte ich mich halt lautstark... Wieder nix. Argh. Warum bemerkte er nicht, dass Jul so gar nicht sitzen konnte? Schließlich hätte Jul dann einen 90 Grad Winkel in ihren Beinen haben müssen. Aber so sind Männer halt.
Nach 5 Minuten reichte es mir dann. „Mark! Das unter dem Tisch sind definitiv NICHT Juls Füße!“. Mark schaute mich verwirrt an. Während der Rest des Tisches in schallendes Lachen ausbrach. Ja... auch Jul. Und wie schnell so ein Typ doch rot werden konnte...

69. Lauri

Und da war es wieder soweit. Es war spät Abends. Was meist Party bedeutete.
Wir saßen jetzt schon seit ein, zwei Stunden mit unserem „Besuch“ aus Deutschland in einem unserer Lieblingsclubs. Es war eigentlich ziemlich witzig wie immer...
„Wer kommt mit Tanzen?“, fragte Aki grinsend in die Runde. Na ja. Eigentlich ging sein Blick die Runde nur lang, um dann Katja an zu gucken. Katja seufzte. „Na gut...“. Aki sprang freudig auf. Das er dabei beinah sein Glas vom Tisch riss, störte ihn weniger. Katja stand auch auf und die beiden verschwanden aus unserer Lounge. „Boah... ich brauch frische Luft... wer noch?“, stand Pauli auf und steckte seine Kippen in die Hosentasche. Mit einem „Ich!“, folgten ihm dann Eero, Jul, Mark und Ina.
Oha. Jetzt saß ich mit Tobi und Silvi alleine da. Tobi schaute unsicher zwischen mir und Silvi hin und her. Als er sah, dass ich ihn beobachte, lächelte er noch unsicherer. „Ich... ähm... Toilette... ich muss mal zur Toilette! Und dann... äh... zur Bar... Soll ich... was mitbringen?“. Innerlich schrie ich so laut ich konnte „Neiiiiin... bleib hier!“. Äußerlich schüttelte ich nur den Kopf und starrte Tobi hilflos hinterher, als er verschwand.
Silvi saß mir nicht direkt gegenüber. Aber es reichte ja schon, dass wir alleine in einer Lounge saßen. Stille. Ja. Was auch sonst? Hatte ich Smalltalk erwartet? Wie: „Schicke Hose! Neu?“.
Ich nahm meine Bierflasche und setzte an. Silvi tat es mir gleich. Wir süffelte beide den Rest unserer Flasche auf Ex aus und knallten sie dann zeitgleich auf den Tisch. Wir schauten uns an. Ja. Wir lächelten sogar ein bisschen.
Ich wollte gerade die Gunst der Stunde nutzen und ein Gespräch anfangen, da flatterte mir eine Hand ins Gesicht und knallte mir eine. „Na? Hast du ein neues Opfer gefunden?“, kam es mir finnisch entgegen. Scheiße. Lina. Bevor ich was sagen konnte, wendete sie sich an Silvi. „Dieser Arsch nutzt dich nur aus. Fall bloß nicht auf ihn rein!“. Über Silvis Kopf bildete eine großes Fragezeichen. Lina wirbelte zu mir rum und wenn Blicke töten könnten, wäre ich Tod umgefallen. „Ist das... ist das diese Schlampe aus Deutschland?“. Lina sprach jetzt Englisch. Sodass Silvi sie sehr gut verstehen konnte. Ich stand auf und schaute Lina wütend an. „Hier ist nur eine Schlampe... und die bist du!“. Zack. Hatte ich die nächste Ohrfeige eingefangen. „Hau ab!“, zeigte ich auf den Ausgang. Lina drehte sich noch einmal kurz zu Silvi um. „Ich hoffe du weißt, dass er wegen DIR andere Frauen wie Dreck behandelt!“. Dann verschwand Lina.
Total aufgebracht setzte ich mich wieder hin. Warum musste sie das tun? Warum musste Aki ihr auch damals davon erzählen? Verdammt!!!
Silvi schaute mich verärgert an. „Wahrscheinlich ziehst du mit jeder deine Show ab...“. „WAS?“, fragte ich ungläubig. „Frauen sind für dich doch nur Spielzeuge!!!“. Silvi stand auf und verließ die Lounge. „Silvi...“ Aber sie blieb nicht stehen. Gott... wie ich Lina hasste. Warum musste ich es nur soweit kommen lassen?


70. Katja (für meine Forum-Leser, die sicher – trotzdem was passieren wird – immer noch nicht zufrieden sein werden)

Vor der Tanzfläche blieb Aki stehen. Es war ziemlich voll. „Och...“, erkannte ich mein Glück. „Dann müssen wir anscheinend doch wieder zurück!“. Ich hatte nicht wirklich Bock auf Tanzen. Aber was tat man nicht alles für seinen finnischen Lieblingsschlagzeuger? „Nix da! Schau mal, da vorne, am Rand ist noch ein bisschen Platz!“, grinste Aki und zog mich weiter. „Bisschen Platz ist gut... da würde sich selbst ein Laternenpfahl eingeengt fühlen!“, grummelte ich. „Hab dich nicht so... wir passen da locker hin!“.
Irgendwie passten wir wirklich dahin. Leider. Aki dancte gleich voll drauf los. Ich musste erst noch überlegen, ob dieses finnische Lied, welches gerade lief, gut oder schlecht war. Aber zu guter Letzt ließ ich mich mit reißen und dancte auch ab.
Nachdem das Lied zu Ende war – wie sollte es anders sein – wurde dann ein langsames Lied für „all“ die verliebten Paare gespielt. Ich fühlte mich leicht unwohl. Denn alles um uns herum begann auf Tuchfühlung zu gehen und sich an einander zu heften, wobei Außenstehende noch das Gefühl hatten, das sie Sekundenkleber an der Kleidung hatten und nicht mehr von einander los kamen.
Aki grinste mich an und kam näher. „Ich warne dich, Hakala. Wenn deine Hand sich auch nur ansatzweise wohin verirrt, wo sie nicht sein sollte, dann kann sich The Rasmus nen neuen Schlagzeuger suchen!“. Aki grinste noch mehr, legte seinen Arm um meine Hüfte und zog mich zu sich ran. Und jetzt? Was sollte ich jetzt tun? Verdammt. Hilfe!!!
Aki legte zu allen Überfluss auch noch seinen zweiten Arm um meine Hüfte und grinste immer noch. „Wenn wir nicht bald anfangen zu tanzen, ist das Lied vorbei!“. Ein gezwungenes Lächeln meinerseits und dann legte endlich meine Arme um seinen Hals und wir begannen zu tanzen.
Irgendwie war es schön, aber irgendwie fühlte ich mich auch verdammt unwohl! Ich kam mir mal wieder vor, wie in einem schlechten Film. „Hilfst du mir mal kurz?“, flüsterte Aki mir plötzlich ins Ohr. Ich räusperte mich und sah ihn fragend an. „Wobei?“. „Meine Ex eifersüchtig machen!“.
Noch bevor ich nachdenken, geschweige denn antworten konnte, spürte ich schon seine Lippen auf meinen. Er zog mich noch weiter zu sich heran. Uh... was machte denn jetzt seine Zunge da? Egal... Ich dachte mir nichts weiter bei und erwartete jeden Moment das Ende dieser Aktion. Aber es kam nicht. Ganz im Gegenteil. Er küsste mich immer leidenschaftlicher bis.... plötzlich das Lied zu Ende war. Er löste sich – im wahrsten Sinne des Wortes – von mir und schaute mich an. Ich war sprachlos und total verwirrt. Wow! Was war da gerade geschehen? Küsste er immer so, wenn er andere eifersüchtig machen wollte?
„Ich... ähm... was... warum? Ex?“. Mehr brachte ich erstmal nicht raus. Aki lächelte mich kurz an, nahm dann meine Hand und zog mich von der Tanzfläche. Was hatte das nun schon wieder zu bedeuten? Wo wollte er jetzt mit mir hin?
Auf einmal blieb er stehen und ich hatte große Mühe mich rechtzeitig zu stoppen. Um nicht gegen ihn zu laufen. „Hey Tobi!“, hörte ich Aki sagen. TOBI??? Ich lugte hinter Aki hervor und da stand er. „Hi!“, meinte Tobi angespannt, fixierte mich mit seinem Blick. O ha... was war denn jetzt mit dem los?
„Lasst uns zurück zu den anderen gehen!“, grinste Aki dann und ging Richtung Lounge. Hallo? Er konnte doch jetzt nicht einfach gehen. „Aki!!!“, schrie ich ihm empört hinter her. Er drehte sich um. „Was?“. Gott. Wie ich diese Unschuldsmine hasste. „Ach lass es!“, sagte ich genervt und verschwand in Richtung Ausgang, um frische Luft zu tanken, die ich jetzt auch dringenst benötigte!!!!


71. Lauri

Total genervt packte ich mich auf meine Couch. Aki trat wütend gegen den Sessel, stöhnte kurz vor Schmerz auf und ließ sich dann in den Sessel fallen. Was auch bei ihm vorgefallen war, er hatte auf jeden Fall genau so einen schrecklichen Abend wie ich.
Obwohl er noch ganz glücklich war, als er vom Tanzen wieder kam. Aber als dann langsam, nach und nach, wieder alle in die Lounge kamen, verschlechterte sich die Stimmung zunehmend.
Silvi – als sie wieder auftauchte, ließ ich vor Schreck mein Bier zu Boden fallen – ignorierte mich in einer Tour. Und Katja und Aki hatten wohl auch irgendwie Stress. Jedenfalls starrte Katja, Aki die ganze Zeit wütend an und als Aki dann meinte „Ich habs dir doch schon vorher erklärt!“, schnappte sie sich Tobi und Ina, und verabschiedete sich dann. Na ja. Und dann wollten natürlich alle gehen! Zum Glück. Nur Aki und ich blieben noch übrig.
Aki murmelte in seinem Sessel, in einer Tour vor sich hin: „Sie ist noch nicht mal 18... was hab ich mir eigentlich gedacht? Scheiß doch auf Sari... warum wollte ich sie eifersüchtig machen? Wollte ich sie eifersüchtig machen?... ich bin blöd... scheiße, scheiße, scheiße!“. Okay Aki hatte noch ganz schön Alk in sich hinein fließen lassen.
Aber ich konnte mich jetzt nicht um Akis Probleme kümmern. Ich hatte selbst welche. Die leider immer noch mit „S“ anfingen und „ilvi“ aufhörten.
Ich ging in die Küche und holte zwei Bier aus dem Kühlschrank. Ich öffnete sie und trank von dem einen schon einen großen Schluck.
Als ich zurück ins Wohnzimmer kam, war Aki gerade dabei sein Handy in die Couch zu pfeffern. Ich schaute ihn fragend an und gab ihm sein Bier.
„Jetzt hat sie auch noch ihr Handy aus gemacht!“, grummelte Aki und trank von seinem Bier.
„Wer?“. „Katja!“. Ich wollte es gar nicht, dennoch fragte ich Aki was los war. Vielleicht konnte ich so für einen Moment meine Probleme vergessen.
Aber das Nachfragen stellte sich als großer Fehler heraus, als Aki mit „Ich hab sie geküsst!“ antwortete. Total perplex starrte ich ihn an. Jetzt verstand ich auch sein Gemurmel von vorhin.
Ich nahm erstmal einen sehr, sehr großen Schluck Bier.
„Warum?“, fragte ich verwirrt. „Ach... keine Ahnung! Ich hab ihr vorher gesagt, dass ich meine Ex eifersüchtig machen wolle!“. „Welche?“. „Sari!“, murmelte er. „Sari? Das ist doch schon n paar Jahre her!“. „Ich weiß... eigentlich wollte ich sie ja auch nicht eifersüchtig machen!“. Oh oh... ich ahnte Schlimmes. „Sag bitte nicht...“, begann ich zu sprechen „... das du dich... ich mein sie ist erst 17!“. „Fast 18!“, antwortete er trotzig. „Na und???“. „Jetzt reg dich nicht so auf... ich glaub nicht, dass ich mich verliebt habe...“. „Lass bitte das „ich glaube“ weg, dann glaube ich DIR nämlich erst!“. Aki nahm einen Schluck Bier, stellte die Flasche auf den Tisch und stand auf. „Ich glaub ich geh jetzt besser!“, grummelte er, während er sein Handy von der Couch nahm. „Du kannst gerne hier pennen!“. Aber Aki schüttelte nur den Kopf und verschwand.
Als die Tür wieder ins Schloss fiel, seufzte ich lautstark. Warum mussten wir damals auch nur Nightmare kennen lernen? Irgendwie machten die ziemlich großen Ärger.

72. Katja

Total müde und gähnend, öffnete ich die Tür, die seit ungefähr 10 Minuten mit einem lauten Klopfen bearbeitet wurde. Und was mir da gleich unter die Nase gehalten wurde, gefiel mir ganz und gar nicht. „Shit!“. Auf einmal war ich hellwach.
Jetzt erst schaute ich, wer mir diese „Überraschung“ machte. Es war Eero. „Morgen... na? Gute geschlafen?“. Gott... wie konnte Eero jetzt noch so grinsen? „Was machst du hier?“, fragte ich und hoffte, das er noch einen anderen Grund als die „Überraschung“ hatte. „Ich dachte, dass hier würde dich interessieren!“, wedelte er mit seiner Zeitung, die er dabei hatte, vor meinem Gesicht rum. „Kann man dein Grinsen auch abstellen?“, grummelte ich. „Nö...“. „Was´n hier los!“, kam Tobi verschlafen zur Tür. Als Eero ihm die Zeitung präsentierte, verengten sich seine Augen und nur ein leises „Oh...“ kam als Kommentar von ihm.
Ich riss Eero die Zeitung aus der Hand und schaute mir das eine Bild, was man leider nicht übersehen konnte, noch mal an. „Shit...“, entfuhr es mir noch mal. Das Bild zeigte mich und Aki, wie wir uns gestern im Club küssten.
„Tja... kleine Sünden bestraft der Gott sofort...“. „Halt die Klappe Tobi!“, zischte ich, drückte Eero die Zeitung wieder in die Hand und schlurfte zurück ins Zimmer. Eero und Tobi folgten mir. „Und ich dachte immer, eure Flirtereien waren nur Spaß!“, meinte Eero. „Dachte ich auch immer... aber seit gestern bin ich mir bei ihm auch nicht mehr ganz sicher... “, murmelte ich und schaute zu Boden. Fuck. Wie kann dieses Bild in diese Zeitung? Aki warum musste das gestern sein?
„Was steht den eigentlich in dem Artikel?“, fragte Tobi trocken. „Och... wollt ihr das wirklich wissen?“. „Mach schon...“, grummelte ich. Wenn schon, den schon. „Na ja... sie... äh... stempeln dich als Groupie ab... als billigen Groupie wohl bemerkt... und äh... ich weiß nicht ob die Bemerkung „das Flittchen muss wohl gerade dem Kindergarten entkommen sein“ ernst gemeint ist oder nicht!“. „Bitte?“. Das wars ja dann wohl. Ich und Flittchen? Hallo, geht’s noch?
„Was fürn Scheiß!“, grummelte Tobi. Wow. Ich hätte von ihm eher den Spruch „Geschieht dir recht!“ erwartet. Egal.
Eero wurde jetzt etwas ernster. „Es gibt da jetzt ein Problem...“. „Der Artikel IST schon ein Problem!“. „Ja... auch... aber wir hatten da noch eine Überraschung für euch! Nur könnte die jetzt zum Horrortrip für dich werden...“. Ui. Welch aufmunternden Worte. Ich schaute Eero fragend an. „Ihr wisst hoffentlich noch den Grund für eure Finnlandreise!“, grinste Eero jetzt wieder. „Ja... klar... Aki abschleppen!“, murmelte ich trocken. Eero lachte kurz auf und wurde dann wieder ernst. „Ihr supportet uns ja!“ Genau... dann war Aki ja doch nicht der Grund... und ich jetzt weiß ich auch wieder, warum in meinem Terminplaner übermorgen „Rasmus-Konzi“ drin steht! „und na ja... wir haben morgen einen Pressetermin... jedenfalls wollten die die Vorband von TheRasmus kennen lernen... also... ähm... euch!!!“. „WAS!!!“, kam es synchron von Tobi und mir. „Das sagst du uns jetzt?“, regte sich Tobi auf. Aber ich war in Gedanken schon ganz woanders. „Weiß... weiß Aki schon von dem Foto und... weiß er morgen von dem Pressetermin?“ „Also vom Termin ja... auch das ihr mitkommt... aber von dem Foto? Keine Ahnung...“.
„Kannst du mich zu ihm bringen? Ich hab da noch ein Hühnchen mit Aki zu Rupfen!!! Ein seeeeeeehr großes!!!“

73. Lauri

Der nächste Morgen begann für genauso schlecht, wie der vorige Abend endete.
Ich nahm gerade meine Zeitung aus dem Briefkasten und war schon fast wieder auf dem Weg nach oben, als ich diesen Köter von dem kleinen Mädchen auf mich zu rennen sah. Sportlich, wie ich war, sprang ich auf das Treppengelände und stellte mich rauf. Hey... coole Aussicht! Ähm... egal...
Schon kam die Göre und grinste mich an. „Wenn ich den Hund jetzt hier anbinde, bleibst du denn da oben? Dann muss die Welt wenigstens nicht mehr deine Musik ertragen!“. Toll... und sowas musste man sich von einem kleinen Mädchen sagen lassen. „Sag mal wie alt bist... 9? 10? Musst du nicht zur Schule?“, fragte ich genervt. „Ich bin 13 und habe Ferien!“, antwortete sie beleidigt. „Toll... kannst du jetzt deinen Köter weg nehmen?“. „Der HUND hat auch einen Namen...“. „Das wird ja immer besser...“, murmelte ich und gab mich dann geschlagen. „Gut... kannst du bitte.... chrmm... Chucky weg nehmen?“. „Klar kann ich! Soll ich denn auch?“. Warum immer ich? Warum? Gott, was hab ich nur getan? „Jetzt nimm deinen Köter... äh... Chucky da weg!“.
Zum Glück tat sie es auch endlich. Ein ältere Mann der auch im Haus wohnte, kam gerade die Treppen runter und noch bevor er sah, wie ich mich blamierte, konnte ich vom Geländer springen und mich unschuldig zu dem Mädchen stellen. „Das ist aber schön, dass Sie sich um Lahja und Chucky kümmern... ich dachte ihr Rockstars hasst allen und jeden!“, meinte der Typ zu mir.
„Ja... Lauri wollte gerade mit Chucky Gassi gehen!“, grinste Lahja – wie ich jetzt ja wusste – unschuldig. Der Mann lächelte mich an und ging dann. „Was wollte ich?“, drehte ich mich wütend um. Dieses Mädel trieb mich nochmal irgendwann in den Wahnsinn.
Aber sie grinste einfach nur weiter. „Sag mal... stehst du eigentlich auch auf Groupies und Flittchen?“. Was war das denn jetzt für eine Frage. Sie bemerkte wohl das großes Fragezeichen über meinem Kopf und nahm mir die Zeitung aus der Hand. Sie blätterte drin rum und hielt mir dann eine Seite unter die Nase. Ich wollte meinen Augen nicht trauen. Da auf dem Bild waren Aki und Katja... wie sie sich küssten. „Fuck...“, murmelte ich und riss Lahja die Zeitung aus der Hand. „Tja... schon Scheiße, wenn man bei erwischt wird... stimmts?“. Ich bäumte mich vor Lahja auf. „Erstens: Küsst Aki da KEIN Flittchen oder Groupie und Zweitens: Was geht dich das eigentlich an???“.
Ich rannte die Treppen hoch, schloss schnell die Tür auf und holte mein BMX. Ich musste unbedingt schnell zu Aki... das war mehr als nur ein Problem!!!

Völlig aus der Puste kam ich bei Aki an. Ich klingelte sofort Sturm, um Aki zum Beeilen zu bewegen. Als er dann endlich öffnete, sah ich schon an seinem Blick, dass er schon wusste worum es ging.
„Komm rein und behalt deine blöden Sprüche für dich...“, ging er zurück in sein Wohnzimmer. Ich trat ein, schloss die Tür und folgte ihm dann ins Wohnzimmer. Aki saß auf der Couch und hatte sein Gesicht in seinen Händen vergraben. Ich setzte mich in den Sessel und zog mir erstmal meine Jacke aus. „Welcher Idiot hat nur dieses Foto gemacht?“, grummelte er. „Aki... du weißt wie das ist... eigentlich dürften wie uns nicht mal drüber wundern...“. „Ich wunder mich nicht, ich rege mich auf!!!“, schaute Aki mich wütend an. „Komm runter. Ich kann auch nichts dafür!“. „Von dir uns Silvi haben sie auch nie Fotos gemacht!!“. Ich zuckte mit den Schultern. Mir wäre das damals auch ziemlich egal gewesen. Wir waren ja auch zusammen. Aber Aki und Katja? „Weiß Katja schon davon?“, fragte ich vorsichtig. „Hoffentlich nicht!“. „Na ja... erfahren wird sie es eh!“. Es klingelte. Aki schaute mich an und ich wusste, dass ich aufmachen sollte. Ich seufzte, erhob mich und ging zur Tür.
Als ich aufmachte, beantwortete sich die Frage „Weiß Katja schon davon?“ von selbst! Vor der Tür standen Katja und Eero. „Wo ist Aki?“, fragte Katja leicht wütend. Ich zeigte auf das Wohnzimmer und schon raste sie an mir vorbei. Eero lächelte verlegen und kam auch rein.
„Du hast es Katja gesagt?“, fragte ich ihn. „Puh... ihr habt’s zum Glück schon gesehen... äh...Ja, um deine Frage zu beantworten. Ich hab ihr auch gleich das mit dem Pressetermin erzählt!“. „Uhhh... das wird lustig!“, seufzte ich und ging mit Eero in die Küche.

74. Katja

In Akis Wohnzimmer angekommen, sah ich ihn auf der Couch sitzen. Sein Gesicht vergrub er in seinen Händen. Ich zog meine Jacke aus und schmiss sie mit voller Wucht neben Aki, der dann endlich hoch schaute.
Jetzt wo ich ihn so sah, wurde ich richtig sauer. „Was hast du zu deiner Verteidigung zu sagen?“, funkelte ich ihn wütend an. „Entschuldigung!“. Was? Mehr hatte er nicht zu sagen?
„Entschuldigung wofür? Dafür das du mich geküsst hast, ohne auch nur abzuwarten? Entschuldigung dafür das du danach nicht mal den Arsch in den Hosen hattest um mit mir zu reden? Oder Entschuldigung für dieses BESCHISSENE FOTO!!!!!!!!!!!!! Vielleicht auch Entschuldigung für diesen Pressetermin morgen und...“. „KATJA!!!!!!“, unterbrach er mich und funkelte mich wütend an. „Was, Aki?... was?“.
Er schüttelte den Kopf, stand auf und ging Richtung Tür. Ich ging ihm wütend hinter her. „Das ist nicht dein ernst... wenn du jetzt gehst, dann...“. „WAS DANN???“, brüllte Aki auf einmal und kam auf mich zu. Ich wich nach Hinten aus. Aber Aki kam immer dichter und drückte mich letztendlich an die Wand. Er stemmte seine Hände neben meinen Gesicht an die Wand und kam mit seinem Gesicht bedrohlich nahe. Er machte mir Angst. So wütend und außer sich hatte ich ihn noch nie erlebt. „Ich kann verdammt noch mal auch nichts dafür, dass wir gestern Abend fotografiert wurden!“, sagte er leise mit bebender Stimme. „Also mach mich nicht so an! Wenn du ein Problem damit hast, musst du dich nicht mit uns abgeben!!! Fahr doch wieder nach Hause und...“. „Aki!!! Was tust du da?“, kam auf einmal Lauri ins Zimmer gestürmt. Aki wandte sich von mir ab, drehte sich um und verließ wutentbrannt das Wohnzimmer. Dann hörte ich nur noch den lauten Knall der Haustür.
„Idiot...“, flüsterte ich und rannte ihm nach. Er hatte verdammt nochmal recht. Für das Foto und den Pressetermin konnte er ja auch nichts. Außerdem wollte ich es endlich mit ihm klären.
„Katja? Wo willst du hin?“, rannte ich an Eero vorbei zur Tür.
Warum tat ich das eigentlich? Warum rannte ich bitte Aki hinterher?

Als ich draußen war, suchte ich erstmal in allen Richtungen Aki. Ich entdeckte ihn dann auch und begann wieder zu rennen. Verdammt war das kalt. Warum war ich nicht so schlau und hatte mir noch meine Jacke geschnappt? Im dünnen Pulli im Winter über die Straßen rennen war keine gute Idee... Und der Typ, Aki genannt, hatte auch noch ne Jacke...
„AKI!!! Jetzt wart mal!“, schrie ich. Er blieb stehen, drehte sich jedoch nicht um. Bei Aki angekommen, blieb mir erstmal nur eins zusagen: „Du verdammter Idiot!!!“. Er drehte sich um und bebte vor Wut. „Jetzt komm mal wieder runter... das war jetzt auf das Wegrennen bezogen!“, sagte ich. „Wenn du was wichtiges zu sagen hast, dann sag es JETZT!“. „Es tut mir Leid wegen eben... aber weißt du wie wütend ich auf dich war?“. „Weißt du wie wütend ich gerade auf dich bin?“. Ich hatte das Gefühl, dass Aki sich ein kleines Grinsen verkneifen musste. Trotzdem stand ihm die Wut noch ins Gesicht geschrieben. „Ich war eben unfair... ich weiß... aber überleg mal, wie unfair du gestern warst!“, meinte ich und fing an mir meine Arme zu reiben, um etwas Wärme zu erzeugen. „Ich habs dir doch vorher erklärt!“. Ich schüttelte den Kopf. „Nein... hast du nicht! Du hast lediglich gesagt, dass du deine Ex eifersüchtig machen willst... Du hast mir aber nicht erklärt warum der Kuss so intensiv war!“. Shit... was sollte er jetzt bitte darauf antworten? Vielleicht hatte ich es auch nur so empfunden und für Aki war der Kuss völlig normal.
Er atmete einmal tief ein. „Da liegt das Problem... ich kann es dir nicht erklären...“, sagte er leise ohne mich anzugucken. Oh... mit der Antwort hätte ich nicht gerechnet. Aki guckte zur Seite und begann von einen Fuss auf den anderen zu wippen. „Ähm... Aki... kannst du dich noch an das Gespräch vom letzten Sommer erinnern? Als du mich von Club nach Hause gebracht hast?“. Er nickte kurz. „Du hattest mich doch gefragt, ob ich verliebt in dich sei...“. Na toll. Besser konnte ich mich auch nicht ausdrücken.
Er schaute hoch und mir direkt in die Augen. „Du hattest ‚Nein‘ gesagt!“. „Ich weiß... und so mein ich das jetzt auch gar nicht... ich wollte die Frage nur mal gerne umgekehrt stellen... also an dich... bist du...?“. „Lass uns wieder rein gehen... du frierst ja total...“, lenkte Aki ab, legte einen Arm um mich und wir gingen zurück zu seiner Wohnung.
„Aki...“, begann ich leise. Er zog mich weiter an sich. „Wenn ich „ja“ sage, dann lüge ich...“. Ich schluckte kräftig. War ich jetzt enttäuscht? Ich war doch gar nicht verliebt... oder doch? Nein!!! „... aber wenn ich „nein“ sage, dann lüge ich auch!“

75. Lauri

„Katja? Wo willst du hin?“, hörte ich Eero auf dem Flur. Dann kam er verwirrt ins Wohnzimmer. „Was ist denn mit den beiden?“. „Aki ist total aus gerastet... so hab ich ihn schon lange nicht mehr gesehen... na ja... und Katja...“, zuckte ich mit den Schultern.
Auf einmal klingelte es von irgendwo her. „Deins?“, fragte Eero. „Dann würde ich ja wohl ran gehen... Akis vielleicht?“. Eero schüttelte den Kopf. „Das liegt in der Küche rum!“. Mein Blick viel auf Katjas Jacke. Ich ging zur Couch und holte das Handy aus der Jackentasche. Ich seufzte. „Silvi... Soll ich ran gehen?“. „Vielleicht ist es wichtig...“.
„Lauri Ylönen!“, meldete ich mich. Ein sehr lautes „WAS MACHST DU AN KATJAS HANDY???“ kam zurück. „Lange Geschichte... Katja ist gerade nicht da!“. „Hey du Vollspast... Sag mir jetzt sofort wo Katja ist... sie ist nicht im Hotel!!!“. „BITTE WAS? Was fällt dir ein...“. Eero nahm mir das Handy aus der Hand, ging ein Stück weg und begann mit Silvi zu reden. „Silvi? Hier ist Eero... pass auf! Ich hab Katja zu Aki gebracht, weil die beiden was zu besprechen hatten. Das is gerad in bissl eskaliert... jetzt schrei mich nicht so an, ich kann ja auch nix dafür.............. Silvi.... Hallo, darf ich ausreden?......... Tobi sollte euch doch Bescheid sagen!“. Kurze Pause. Ich konnte es immer noch nicht fassen. Silvi hatte mich ohne Grund beleidigt. Langsam ging es echt zu weit.
„Ja, ist okay! Klar bringe Katja wieder zurück! Bye.“. Eero legte auf. „Tobi meinte, Katja sollte denen selbst erklären was los sei... jetzt denken die natürlich Katja hat sonst was angestellt!“. „Aha!“, sagte ich kurz und schnappte mir dann meine Jacke aus dem Sessel. „Was hast du jetzt bitte vor?“, fragte Eero besorgt. „Sie hat mich „Vollspast“ genannt!!!! Soll ich mir das bieten lassen???“. Ich rannte zur Haustür. „Lauri mach keinen Scheiß!!!“, warnte mich Eero noch, bevor ich die Tür hinter mir zu schlug.

Im Hotel angekommen, hatte ich keine größeren Probleme, dass Hotelzimmer von Silvi zu erfragen, da Paulis Freund da war. Also fuhr ich sofort in den zweiten Stock.
Als ich den Flur lang ging, kamen mir Jul, Mark und Ina entgegen. „Lauri... Wo ist Katja?“, fragte Ina sofort, als sie mich sah. „Bei Aki...“ antwortete ich kurz. „Und was macht sie da?“. „Tobi hat es euch also wirklich noch nicht erzählt?“. Sie schüttelten den Kopf. Ich seufzte und zog die Zeitungsseite mit dem Foto aus meiner Innentasche. Ich hatte es eigentlich für Aki mitgenommen, aber der hatte das heute morgen ja schon gesehen. Dann gab ich die Seite an Ina und ging weiter. Hinter mir? Entsetztes Schweigen.
An Silvis Tür angekommen, klopfte ich wie wild gegen. Als Silvi endlich aufmachte, stürmte ich sofort in ihr Zimmer. „Was willst du denn hier?“, fragte sie verächtlich. „Du gehst langsam zu weit, Silvi!!!“. Silvi verschränkte die Arme und kam auf mich zu. „Ach ja?“. „Ich hab dir verdammt noch mal NICHTS getan und du behandelst mich wie ein Stück Dreck!!!“, antwortete ich wütend. „Für mich BIST du ein Stück Dreck!!!“, bohrte sie mir jetzt ihren Zeigefinger in die Brust. Meine Augen verengten sich zu Schlitzen. Und dann folgte eine „Nicht denken, sondern Handeln“-Aktion meinerseits.
Ich legte meine Hände auf ihr Gesicht, zog sie zu mir heran und küsste sie einfach. Ich weiß auch nicht warum ich es tat. Schließlich hatte sie mich eben als „ein Stück Dreck“ bezeichnet. Ihre Reaktion auf den Kuss folgte auch nach wenigen Sekunden: Ohrfeige!!! Verdammt! Warum müssen Frauen immer gleich Ohrfeigen verteilen?
Silvi schaute mich bebend an. Stille. Doch dann legte sie ihre Hände auf mein Gesicht, zog mich näher ran und wir begannen uns nochmals zu küssen. Wow. Mit der Wendung hätte ich echt nicht gerechnet. Ich legte meine Arme um ihre Hüften und holte sie ganz dicht an mich heran.
Unser Kuss wurde immer leidenschaftlicher und ich bemerkte wie mein Herz zu rasen begann. Gott. Ich war immer noch so verliebt in Silvi. Und sie anscheinend auch in mich.
Doch plötzlich löste sich Silvi von mir, ging ein Schritt zurück und Watsch, gabs die nächste Ohrfeige auf die andere Wange. „Warum gibst du MIR eine Ohrgeige, wenn DU mich küsst?“, fragte ich verärgert. „Raus hier!!!“, zeigte Silvi auf einmal auf die Tür. Ich schüttelte den Kopf. „Ich weiß, dass du mich noch immer liebst...“. „Gut erkannt, Herr Ylönen... Ich will trotzdem das du gehst!!!“. In Silvis Stimme lagen mehrere Gefühle auf einmal. Aber ihr Blick war undefinierbar.
Ich nickte letztendlich und verließ ihr Zimmer. Draußen sackte ich an der Tür entlang zusammen. Verdammt. Warum musste Liebe nur so weh tun???

76. Katja

Total verwirrt setzte ich mich aufs Bett und starrte mich selber in dem „tollen“ Spiegelkleiderschrank an. Ich hatte gerade Jul, Mark und Ina aus dem Zimmer geschmissen, die alles haargenau wissen wollten. Aber ihnen alles zu erzählen, darauf hatte ich auch kein Bock. Ich musste erstmal die Worte von Aki verdauen. Sein Geständnis, was keines war, lag mir ziemlich schwer im Magen und ehrlich gesagt waren das sie letzten Worte die er zu mir sagte. Danach herrschte eiserne Stille und ich war froh, dass Eero mich gleich zum Hotel zurück fuhr.
„Und? Wie war’s bei Aki?“. Leicht erschrocken schaute ich im Spiegel an mir vorbei. Tobi hatte sich auf die Seite gelegt und stütze seinen Kopf auf den Arm. Er beobachtete mich im Spiegel.
„Was geht dich das an?“. „Anscheinend gar nix... aber ich glaube der Besuch bei Aki hat dir nicht wirklich gut getan!“. Ich schüttelte den Kopf und schaute zu Boden. „Bevor du mir doch alles erzählst, kleiner Tipp: geh lieber zu Ina und Jul und erzähle ihnen alles! Nachher bereust du es ja eh nur, mir alles gesagt zu haben!“. Tobi klang ziemlich ernst. Ich schaute ihn wieder im Spiegel an. „Und was ist, wenn ich’s gar keinem erzählen möchte?“. Tobi drehte sich weg und setzte sich auf seine Bettkante. Na ja... ein schöner Rücken kann ja auch entzücken. „Du willst es irgendjemanden erzählen... so gut kenne ich dich nun auch schon!“. Er stand auf, ging am Bett vorbei ins Bad. Ich tat es ihm gleich. Ich stand auf, ging aber nicht ins Bad, sondern zur Tür.

Ich klopfte an Inas Zimmertür. Eine sehr wütende Silvi öffnete mir die Tür. Sie wollte gerade los brüllen, als sie mich erkannte. „Ach nee... wo kommst du denn her???“. Silvi verschränkte die Arme und lehnte sich an den Türrahmen. „Von Aki!“, murmelte ich. „Das weiß ich JETZT auch... aber kannst nicht wenigstens DU an dein Handy gehen?“. Ach ja... Eero hatte mir erzählt das Silvi angerufen hatte. „Sorry...“. „Kannste de dir sparen... Musste trotzdem mit diesem Idioten von Lauri reden!“. Jetzt war ich total genervt. „Sag ma kannst du Lauri vielleicht ma normal behandeln??? Nur weil er dein EX ist, brauchst du ihn nicht so fertig zu machen. Ist dir schon mal aufgefallen, das er DICH immer noch liebt???????........... ist Ina da?“, beendete ich meinen kleinen Ausraster. Silvi blickte mich ziemlich verwirrt an. „Äh... nein... nein, Ina ist nicht da! Bestimmt bei Jul... äh... ja!“. Ich lächelte kurz gespielt und wollte gerade gehen, da fiel mir noch was ein. „Meld dich mal bitte bei Eero oder dem Manager von The Rasmus... ihr müsst da noch was klären... und ach ja... in der Zeitung ist ein Bild auf dem Aki und ich uns küssen.... Bis denn!“. Ich verschwand einfach, ohne die Reaktion von Silvi ab zu warten. Ich bezweifelte das sie das Bild schon gesehen hatte und wenn war’s auch egal.
Also ging ich zu Juls Zimmer und klopfte. Keine Reaktion. Ich klopfte noch mal und endlich ging die Tür auf. „Wir wollen nichts und wir kaufen auch nichts!“, grinste Jul mich an und als sie sah, wenn sie angrinste kam noch ein. „Katja?“ hinterher. „Ist Ina bei dir?“. Jul nickte und ich betrat das Zimmer.
„Katja... Ich dachte du wolltest keinen mehr sehen!“, freute sich Ina, als sie mich sah. „Ja... sorry... war wohl ein bisschen voreilig entschieden! Kann ich euch beide...“, ich schaute Jul und Ina an. „auf ne heiße Schokolade einladen?“. Ich brachte sogar ein kleines ernst gemeintes Lächeln hervor. Ina sprang vom Bett auf und harkte sich bei mir ein. „Ich bin dabei. Wir haben schon Ewigkeiten nichts mehr zu dritt gemacht!“. Jul nickte auch und wandte sich an Mark. „Öhm... du kannst ja Tobi Gesellschaft leisten!“. „Werd ich wohl auch machen!“, seufzte Mark, grinste dann aber. Jul gab Mark schnell einen Abschiedskuss, schnappte sich ihre Jacke, warf Ina ihre zu und schon konnte es los gehen.

77. Lauri

„Mit euch beiden ist ja heute gar nichts los!“, bemerkte Eero, als wir auf dem Weg zu einem Fotoshooting waren. Na ja. Nachdem Morgen. Was soll da schon mit uns los sein? Aki und ich schauten uns an, und dann schauten wir beide wieder provokativ aus dem Fenster. „Habt ihr Stress mit einander?“, fragte Pauli. Aki und ich schauten uns wieder an und schütteln gleichzeitig den Kopf. Dann folgte wieder der Blick aus dem Fenster. „Ey, ihr beide... könnt ihr auch sprechen? Ich mein bei Lauri kann ich mir dat Problem schon vorstellen!“. Verdutzt blickte ich ihn an. „Du warst vorhin bei Silvi... was kann man sich da nicht denken???“. Recht hat er. „Was ist passiert?“, fragte Pauli neugierig und drehte sich von vorne um.
„Was soll passiert sein?“, fragte ich mit einem übertriebenen Lachen. „Ich hab sie geküsst, sie hat mir eine Ohrfeige gegeben, sie hat mich geküsst und sie hat mir noch ne Ohrfeige gegeben. Anschließend hat sie mir n halbes Liebesgeständnis gemacht und mich dann raus geschmissen... noch fragen?“. Pauli blickte Eero an, der hinter uns saß und dann wieder mich. „Ähm... sag mal... was wollt ihr eigentlich von einander?“. „Was ich von ihr will? Ich will SIE, verdammt! Besser gesagt, ich wollte... ich hab echt kein Bock mehr darauf. Soll sie doch ohne mich glücklich werden!“. Wütend verschränkte ich die Arme und schaute wieder aus dem Fenster. Alle Welt konnte jetzt wissen, dass es endgültig vorbei war. Aus, Schluss, Ende!!!!
„Du... du gibst auf?“, kam es zögerlich von Aki. „Ja... Verdammt... Ich. Gebe. Auf!!!!!!!“. Ich spürte wie eine kleine Träne über mein Gesicht kullerte. Aber da ich aus dem Fenster schaute, fiel es niemanden auf. „Ylönen?“. „WAS HEINONEN???“. „Hast du dich je bei ihr entschuldigt?“. Bitte? Für was sollte ich mich den entschuldigen? Hatte ich mit ihr, oder sie mit mir Schluss gemacht? Damals meinte sie nur, dass der Trennungsgrund die fehlenden Besuche in Deutschland waren und die Fotos von den Partys. Hätten wir mal in Ruhe sprechen können, hätte ich ihr diese Bilder erklären können.
Pauli zündete zwei Zigaretten an und gab mir auch eine. Mit einem grummelnden „Danke“ nahm ich sie entgegen und zog erstmal kräftig. „Bekomm ich heute noch ne Antwort?“. „Eero... nerv nich... Nein. Ich habe mich nie entschuldigt! Wofür denn bitte auch?“. Ich schaute jetzt wütend nach Hinten und Eero verständnislos nach vorne. „Das erwartet sie aber von dir! Ich mein DU hast sie nicht einmal besucht!“. „Und DU solltest genau wissen, dass wir sehr viel zu tun hatten!!!“.
„Ey ihr beiden... kommt mal wieder runter! Und warum bist du eigentlich so still, Aki?“, unterbrach Pauli unseren Anfang von einem Streit. Ich wandte mich mit finsteren Blick von Eero ab und schaute nun auch auf Aki, der ziemlich still auf seinem Platz saß. „Heute Morgen konntest du noch ganz schön rum brüllen!“, gab ich meinen Senf zu Paulis Frage. „Ja und? Darf man nicht mal nachdenken?“. „Machst du dir Sorgen wegen der Presse... also wegen dem Foto heute morgen?“, fragte Pauli. Aki nickte. Wenn ichs nicht besser wüsste, würde ich ihm das jetzt abkaufen. Aki war in Sachen Gefühle überspielen eigentlich nie so gut. aber die Masche zog anscheinend, denn Pauli und Eero begannen gleich auf ihn ein zureden, von wegen: „Ist doch nicht so schlimm. Wird schon wieder!“
Als wir ankamen und wir ausgestiegen waren, schnappte ich mir Aki. „Was ist los? Hast du dich sehr mit Katja zerstritten?“. Ich bewunderte mich selbst, wie ich jetzt noch n Kopf für andere Probleme haben konnte. Aki schüttelte den Kopf. „Wir haben die Sache mit dem Bild halbfix geklärt... aber die andere Sache nicht!“. Ich schaute ihn an. Was sollte ich dazu sagen? Groß helfen konnte ich ihm da auch nich. „Aki... ich sag dir eins... vertrau einfach deinem Gefühl...“. Aki lachte kurz deprimiert auf. „Jaaaaah, klar! Wenn ich eins hätte!“. Ich schlug ihm auf die Schulter. „Ich sag dir eins... die Mädels von und um Nightmare sind kompliziert!“. Aki schaute mich an. „Sag mal... gibst du die Hoffnung wirklich auf? Wegen Silvi mein ich jetzt...“.
Ich blickte kurz zu Boden, dann wieder zu Aki. „Silvi ist die Liebe meines Lebens, Aki! Da wird es mir schwer fallen, die Hoffnung auf zugeben! Aber... aber ich versuche sie zu vergessen! Es hat einfach keinen Sinn mehr...“

78. Katja (bei dem ach-so-tollen Pressetermin)

Ein Blick von der einen in die andere Ecke und ich wusste sofort, dass ich mich hier unwohl fühlte. „Da auf der Bühne sitzt ihr nachher in soner Art Pfeilspitze... Die Moderatorin in der Mitte, ihr links und The Rasmus rechts!“, erklärte uns so ein Typ mit Schreibbrett in der Hand und Head-set auf.
Ich schaute Ina ganz leicht überfordert an uns sie schaute keineswegs besser zurück. „In anderthalb Stunden geht’s los. Wobei in einer Stunde schon die Zuschauer dort auf die Sitzreihen gelassen werden...“. Der Typ zeigte hinter die Kameras und dann gleich auf eine kleine Bühne am Rand. „Dort könnt ihr eure Instrumente aufbauen... Wer ist der Schlagzeuger?“. Ich meldete mich schüchtern und trat näher an den Typen ran. Irgendwie war mir das alles nicht geheuer. „Gut... Du bleibst kurz bei mir... macht es dir groß was aus, auf nem fremden Schlagzeug zu spielen?“. „Wenn ichs mir einstellen darf...“. Ich sagte ihm jetzt mal nicht, dass ich hier in Finnland sowieso kein eigenes hatte. „Gut! Das musst du dann mit dem Schlagzeuger von The Rasmus besprechen...“. Shit. Mit Aki? Musste das sein? „...oder mit dem Roadie!“. Klang schon besser. „...... sag ma... kennen wir uns?“. Der Typ musterte mich von oben bis unten. „Ich bezweifle es!“, seufzte ich und schickte ein Stoßgebet gen Himmel und hoffte, dass er keine Zeitung las.
„So... noch Fragen?“. „Wie wärs, wenn sie uns den Ablauf erklären?“, warf Jul ein. Der Typ wandte sich an Jul. „Also! Erst spielen The Rasmus n Lied, dann kommen sie zum quatschen auf die Bühne, dann werdet ihr angekündet, spielt n Lied und setzt auch dann dazu... bis zur nächsten Werbung in der ihr wieder verschwindet... alles klar?“. Wir nickten. „So... ihr baut jetzt am besten schon auf... bzw... stellt es alles ein, dass das nachher schnell geht... du...“, er zeigte auf mich „...folgst mir unauffällig! Danach geht ihr in die Maske und dann in euer Aufenthaltsraum, bis ihr abgeholt werdet!!!!“. Alle nickten wieder brav und ich tat wie mir befohlen und folgte dem, was auch immer, unauffällig.
Wir kamen zu einem Raum auf dem groß „The Rasmus“ als Schild klebte. Der Typ klopfte und irgendwas finnisches wurde im Raum gerufen. Ich hoffte das es nur die Putzfrau war. Vielleicht hatten die Putzfrauen in Finnland alle tiefe Stimmen.... die so klangen wie Eeros. Shit. Wir gingen rein. Eero saß gerade auf der Couch und fummelte an seinem Bass rum und schaute nur mal flüchtig hoch um uns zu begrüßen. Pauli und Lauri unterhielten sich gerade und Aki....... der stand da mit freiem Oberkörper und starrte mich an. Der Typ prabelte irgendwas auf finnisch und Aki nickte. Der Typ drehte sich zu mir um und meinte mich beruhigen zu müssen. „Die Typen da, kümmern sich jetzt um dich. Aki, bespricht mit dir das Drumset und bringt dich dann in die Maske!“. Und danach in das Kinderparadies. Gott. Ich bin keine zwölf mehr und außerdem kenn ich diese 4 Typen da vor mir gut genug.
Der Typ verschwand und ich ging erstmal zur Couch und ließ mich fallen. „Gott... der Typ nervt total.“ Pauli kam grinsend zu mir und drückte mir ne Cola in die Hand. „Wo sind die anderen?“. „Irgendwo im Studio alles aufbauen!“, sagte ich, öffnete die Dose und trank ein Schluck. Ich spürte ganz genau die Blicke von Aki im Rücken. Ich hörte wie hinter mir ein Stuhl auf dem Boden lang schabte und ich wusste das Aki sich hin gesetzt hatte. Hatte er Angst vor mir? Okay. Wir hatten seit seinem Geständnis nicht wieder mit einander gesprochen. Ina und Jul wollten ja gestern die ganze Zeit noch, dass ich ihn anrufe... egal.
Der Stuhl schabte wieder auf dem Boden. „Können wir?“, fragte Aki trocken. Ich drehte mich um und schaute ihn an. Er hatte inzwischen ein T-Shirt an und sah ziemlich unglücklich aus. Ich nickte und stand auf. „Ich komm mit!“, meldete sich Lauri und folgte uns zurück ins Studio. Aki und ich gingen neben her, ohne auch nur ein Wort zu wechseln.
Als wir wieder im Studio waren, diskutierten Tobi und Ina lautstark miteinander, und Jul hämmerte verdächtig oft an ihrem Mikro rum. Lauri stürzte nach vorne. „Jul... was tust da? Ich habs mir gerade perfekt eingestellt...“. Jul trat ein Schritt zurück und verschränkte die Arme. „Kann uns mal jemand sagen, wie wir hier alles einstellen sollen, wenn das hier alles auf eure Gitarren und so ausgerichtet ist? Und wie bitte sollen wir zwei E-Gitarren an einem Verstärker anschließen????“. Lauri zuckte mit den Schultern. „Warte... ich such jemanden... meiner Meinung nach hatten wir zwei Verstärker mit gebracht...“. Lauri ging los und eine aufgebrachte Jul folgte ihm. Ina und Tobi warfen sich immer noch irgendwelche Beleidigungen an den Kopf und ich wollte erst gar nicht wissen worum es ging.
Ich ging zum Drumset und setzte mich hinter. Ich nahm die Sticks die daneben lagen und fing an zu spielen. Aki kam zu mir und beobachtete jede Bewegung von mir ganz genau. Ich hörte auf zu spielen und blickte ihm jetzt direkt in die Augen. Sekunden, nein, fast Minuten vergingen bis mir wieder einfiel warum ich aufgehört hatte. „Stört es dich, wenn ich die HiHat ein bisschen tiefer mache? Und die FluorTom und das Rightcymbal etwas weiter ran stellen?“. Aki schüttelte den Kopf. „Nein...“. „Gut... mit dem Rest kann ich leben... das wars schon!“, bemerkte ich und stand auf. Ich stellte mir alles ein. Ich glaub ich hab noch solange gebraucht um eine Schraube zu öffnen, aber ich hatte keine Lust danach ins große Schweigen zu geraten.
„Du, Katja... ähm...“, Aki ging auf die Knie und griff nach meiner Hand. Ich zog sie reflexartig weg, bereute es aber gleich. Ich drehte meinen Kopf zu ihm um. Aki zog seine Hand ganz langsam zurück und schaute zu Boden. „Ja?“, fragte ich. Aki stand plötzlich wieder auf. „Nichts... ist schon gut!“. Er verschwand.
Ich stand auch auf und schaute ihm hinter her. Verdammt. Warum musste ich diese gott-verdammte Hand weg ziehen???? Er hatte mich schon so oft berührt, da kams auf eine Berührung mehr oder weniger auch nicht an.
In meinem Blickfeld traten Lauri und Jul, die einen Verstärker mit sich rum schleppten. „Gott... bist du heut gut gelaunt!“, rollte Lauri mit den Augen. „Bitte? Ich mein, ich darf doch wohl noch genervt sein, wenn das alles nicht so klappt wie es soll...“. „Es ist nur ein kurzer Fernsehauftritt!“. „Nur????? Willst du mich verarschen?....... jetzt setzt den verdammten Verstärker endlich ab!..... wir haben gestern erst davon erfahren...“. Jul stemmte ihre Hände in die Hüften und funkelte Lauri böse an. „Und? Besser gestern als heute...“. „Wir hatten nicht mal richtig Zeit uns drauf vor zu bereiten...“. Ich wandte mich ab. Jul würde Lauri jetzt eh nur die ganze Zeit belegen, warum sie es denn nicht früher gesagt hatten.
Ich schlenderte verträumt in den Backstagebereich und ein Teil von mir hoffte, jetzt wieder mit Aki zusammen zustoßen. Einfach so. Wie im letzten Sommer. Ab da an hatte sich unsere Freundschaft entwickelt. Wer weiß, was sich jetzt daraus entwickelt hätte.....

79. Lauri

„Jul... JUL!!! Hör auf mich so an zu schreien!“. Jul schaute mich verwirrt an. „Ich habe nicht geschrien...“. „Oh doch... und ich kann für die ganze Situation auch nix. Das war Paulis Idee. Also schrei bitte ihn an...“. Ich setzte mich leicht angenervt auf den Verstärker. Jul machte mich jetzt schon seit 10 Minuten in einem Schreimonolog fertig, warum wir ihr das mit dem Pressetermin nicht schon früher erzählt hatten. Jul rannte über die Bühne zu Ina, dann zu Tobi und schon stand sie wieder vor mir. Sie setzte gerade zum Sprechen an, da stand ich auf und hielt ihr den Mund zu.
„Was auch immer... ich kann nix dafür...“. Jul schlug meine Hand weg und stemmte die Hände in die Hüfte. „Weißt du, wo Katja ist?“. Ich schaute mich um. „Weißt du, wo Aki ist?, stellte ich die Gegenfrage. Jul schüttelte den Kopf, dann schaute sie an mir vorbei und stürmte los. „MAAAAAAAAAAAAAAARK!!!!!“. Ich drehte mich leicht verwundert um und sah ihn gerade noch, bevor Jul ihn in ihren Armen vergrub. „Gott... die sind hier alle total blöd... und du kommst jetzt erst...“, meckerte sie.
Ich seufzte und war das erste mal froh Jul los zu sein. Ich drehte mich gerade wieder um und wollte los gehen, da stand Silvi plötzlich vor mir. Ich konnte mich gerade noch stoppen und ging ein Schritt zurück. „Hi...“, grummelte sie. Okay. Ich weiß nicht, was mich mehr verwirrte. Entweder war es die Tatsache das sie plötzlich vor mir stand oder es war die Begrüßung, die zwar etwas grummlig war, aber egal.
„Äh... hi...“. Ich hatte sie seit dem gestrigen Geschehen nicht mehr gesehen und immerhin hatte sie mich da rausgeschmissen. „Kannst du mir sagen, wo euer Manager ist! Ich müsste mal was wegen dem Konzi übermorgen in Tampere mit ihm besprechen!“. Sie versuchte so normal wie möglich zu klingen. Ich schaute sie an. Mein Herz begann schon wieder mächtig an zu rasen. Wie war das gleich mit „Ich gebs auf?“. Shit. Aber warum musste sie auch immer so umwerfend aussehen? Am liebsten hätte ich sie jetzt geküsst, aber nein...
„Ähm... Lauri?“. Ich schüttelte sachte den Kopf und holte mich so in die Realität zurück. „Äh... ja... äh... komm mit... ich bring dich hin!“. Sie nickte und folgte mir dann in den Backstage-Bereich. Verdammt. Irgendwas musste ich doch tun können, oder? Ha... Plan B!!!! Okay. Ich hatte nie einen Plan A, aber egal.
Ich drehte mich so plötzlich um, dass Silvi direkt gegen mich lief. „Wasn nu los?“, fragte Silvi genervt als sie einen Schritt zurück trat. „Ich muss mit dir reden... das ist los!!!“. „Du MUSST gar nix... außerdem will ich nicht mit dir reden! Können wir jetzt weiter gehen?“. Ich schüttelte den Kopf. Silvi ging zur Seite und wollte an mir vorbei gehen. Ich aber ging auch zur Seite und ließ sie nicht durch. Das gleiche Spiel wiederholte sich noch dreimal, bis Silvi mit verschränkten Armen aufgab. „Also?“.
„Pass auf Silvi... ich hab jetzt verstanden, dass das mit und beiden wohl für immer vorbei ist...“. Ich hatte gar nichts verstanden und ich würde es auch nie, aber das musste Silvi ja nicht wissen. Und meiner Meinung nach, war Silvi ganz leicht geschockt als ich das aussprach. „...Aber wir können uns doch jetzt nicht ein Leben lang aus dem Weg gehen und uns anmotzen... es klingt jetzt blöd... aber... Lass uns wenigstens wie normale Menschen mit einander umgehen, okay?“. Silvi schaute zu Boden und nickte. War das jetzt ein Fehler? Eigentlich hatte ich gehofft, dass Silvi es sich doch noch mal anders überlegte. Fuck, fuck, fuck...
„Können wir dann jetzt weiter gehen?“, fragte Silvi ohne mich anzuschauen. „Ja, klar...“. Verdammt, Silvi... wann stehst du endlich mal wieder zu deiner Liebe????
Wenn das so weiter ging, würde ich mir noch mal n Strick nehmen....................

80. Katja

Es war so weit. Die Kameras waren alle vollkommen auf uns gerichtet. Es war ein komisches Gefühl. Ich versuchte den schwarzen Kasten neben mir, der mich von der Seite beim spielen beobachtete, so gut wie möglich zu ignorieren. Trotzdem machte es mich und sicher auch die drei vor meiner Schießbude, ziemlich nervös, dass überall Kameras waren.
Wir spielten gerade die letzten Takte von „You“ und schon hatten wir es geschafft. Das Publikum klatschte, einige verfielen sogar in Jubel. Ich legte die Sticks weg und ging zu den andern vor, die auch gerade ihre Instrumente weg legten. Dann gingen wir zusammen – wie uns hundert mal vorher erklärt wurde – zu der ähm... Talk-Ecke? Egal. Jedenfalls saßen da schon unsere vier Finnen und klatschten fröhlich vor sich hin. Eero zwinkerte uns sogar zu.
„Das war super...“, lächelte die Moderatorin auf Englisch, während wir Platz nahmen – Jul neben der Moderatorin, dann Ina, Ich und Tobi – und unsere Mikros in Empfang nahmen. Tobi hauchte ein leises „Danke“ in sein Mikro und lächelte ebenfalls. Mir war das jetzt schon alles viel zu unglaublich. Ich schaute hilflos rüber zu Pauli, der mich nur angrinste. Toll. Super. Auch egal.
Die ersten Fragen, nämlich wann, wo und warum die Band gegründet wurde, gingen an Jul. Die auch sofort perfekt antwortete. Die nächste Frage, warum wir nicht eine reine Mädchenband waren, ging an mich. Was sollte man darauf antworten? „Wir waren ja erst ne reine Mädchenband...“. Ich kam gar nicht zum ausreden, da fragte sie Ina schon: „Und warum habt ihr dann Tobi in die Band genommen?“. Schlampe. Lässt mich nicht mal ausreden... okay. Wenn man so blond ist wie sie, ein Top und einen Rock an hat, was beides etwas breitere Gürtel sein könnten, und dazu noch eine Tonne Schminke im Gesicht hat, muss man so ein unscheinbares Mädel wie mich auch nicht aussprechen lassen. Nein... wieso denn?.... mit der würde ich heute noch viel Spaß haben.
„Na ja... Tobi ist halt unser Blickfang für die weiblichen Fans... wir bezweifeln nämlich das die weiblichen Fans nämlich alle auf uns stehen würden...“. Lauri, Eero und Pauli mussten lachen. Aki brachte nur ein ziemlich gequältes Lächeln hervor, genau wie die Moderatorin. Was stellt die auch sone blöden Fragen?
Dann durfte Tobi auch endlich mal was sagen. Und zwar zum Thema „Ein Junge und drei Mädels!“. Tobi grinste nur uns meinte „Und? Wer würde nicht alleine mit diesen drei Mädels in einem Tourbus sitzen wollen?“. Gute Antwort, Tobi... gute Antwort. Hey... hat der Typ im Publikum sich gerade gemeldet? Argh..... „Und? Sitzt du vielleicht neben irgendeinem deiner Mädels am liebsten?“. Mein Blick wanderte zu Tobi, der neben mir, ganz außen, saß. Er würdigte mich keines Blickes. Im Gegenteil, ich hatte sogar das Gefühl er würde meinem Blick extrem ausweichen. Zur Antwort gab er ein einfaches „Nö...“. Aha. Ohhhhhhhhkay...
Und dann kam das wohl unvermeidbare.
Die Moderatorin schaute mich freundlich an und dann schaute sie in die Kamera mit der Nummer „1“. „Wenn sich viele Fragen, warum ihm die Schlagzeugerin so verdammt bekannt vorkommt, dann kann ich diese Frage beantworten...“. Mein Blick wanderte sofort zu Aki, der ohne jeglichen Gesichtsausdruck meinem Blick erwiderte. „...Sie war nämlich erst gestern in der Zeitung...“, fuhr die Moderatorin fort. Kleine Pause. Dann wandte sie sich an mich. „Natürlich fragen wir uns jetzt alle: ‚Was läuft da zwischen dir und Aki?‘“.
Shit. Warum musste sie mir diese Frage stellen? Ich schaute Aki immer noch an. Das Wort „Nichts“ lag mir schon auf der Zunge, aber ich konnte es einfach nicht aussprechen. Verdammt. Was war los mit mir? Warum konnte ich nicht einfach die Wahrheit sagen? Schließlich ‚lief‘ da ja nix... Wars vielleicht doch nicht die Wahrheit?
„Nichts...“, durchbrach Aki mein Schweigen. Er setzte ein gespieltes Lächeln auf. Die Moderatorin schaute verwirrt zu Aki. „Nach ‚Nichts‘ sieht das auf dem Foto aber nicht aus!“. Aki wandte seinen Blick von mir ab und grinste jetzt gespielt. „Na ja... eigentlich haben wir dieses tolle Motiv für ein Pressefoto unserem Lauri hier zu verdanken...“. Aki schlug Lauri auf die Schulter. Ich blickte total verwirrt Lauri an. Der wiederum erfasste den Ernst der Situation sofort und grinste verlegen. Danke Lauri...
Aki fuhr fort. „Lauri hat nämlich gewettet, dass ich mich nicht traue Katja zu küssen!...“. Aki schaute mich kurz an, dann wieder die Moderatorin. „...Naja... die Wette hat er wohl verloren!“. Die Moderatorin lächelte gequält. Das war wohl nicht die Antwort die sie hören wollte. Sie wandte sich wieder zu mir. „Wir sind nur gute Freunde!“, sagte ich, bevor sie mir irgendeine blöde Frage stellen konnte. Aber sie hatte wohl immer blöde Fragen parat. „Gute Freunde können sich auch ineinander verlieben! Hältst du das bei Aki für ausgeschlossen?“. Hä? Was sollte das denn jetzt? Das war ja nun wirklich mein Bier... und Akis. Aber bestimmt nicht das der Öffentlichkeit.
„Fragen wir sie, ob sie sich in ihren besten Freund verlieben könnten?“. Eero. Er saß ganz locker da und lächelte die Moderatorin freundlich an. „Dass ist nun doch etwas zu privat, finden sie nicht auch? Das geht nun wirklich niemanden etwas an.“. Das kam jetzt von Lauri. Die Moderatorin nickte verlegen.
Mir huschte ein Lächeln übers Gesicht. Wenn ich die beiden Finnen nicht hätte, wäre ich jetzt klanglos untergegangen.
„Ähm... ja... das war’s auch schon mit Nightmare... schön das ihr hier wart und viel Erfolg bei euren zwei Konzerten... The Rasmus bleibt uns noch etwas erhalten, aber jetzt machen wir erstmal Werbung!!!“


81. Lauri

„Scheiß Moderatorin...“, grummelte Aki, der neben mir zur Garderobe schlurfte. Er hatte, die Hände in die Hosentaschen gesteckt und ließ sich im allgemeinen ganz schön hängen. Eigentlich fehlte nur noch die Cola-Dose, die er vor sich hin schoss und der Eindruck „Aki ist gaaaaanz schlecht drauf“ wäre perfekt.
„Wieso... du hast euch doch gut raus geredet...“, kam es von Eero der mit Pauli hinter uns ging. Aki zuckte nur mit Schulter und schaute weiter zu Boden.
Als wir auf den Gang zu unsere Garderobe kamen, sah ich schon von weiten das Katja sich neben der Tür, an die Wand gelehnt hatte und nachdenklich die gegenüberliegende Wand anstarrte. „Aki? Schau mal da vorne!“. Ich deutete mit den Kopf auf Katja. Als er aufblickte und sie erkannte, murmelte er etwas unverständliches und wurde schneller. Ich hoffte, dass er zu Katja gehen würde... aber meine Hoffnung zerplatzte so schnell wie eine Seifenblase.
Aki öffnete die Tür und beachtete Katja nicht einmal. Katja drehte sich blitzschnell um, als sie Aki bemerkte und setzte gerade zum Sprechen an, als ihr vor der Nase die Tür zu geknallt wurde. Versteh einer den Drummer..........
„Wasn mit dem los?“, fragte Pauli fast schon entsetzt. „Keine Ahnung...“, meinte ich unwissend. Na ja okay... ne wirkliche Ahnung hatte ich wirklich nicht. Mir war schon klar – obs ihm klar war, war mir jetzt mal egal – das er in Katja verliebt war. Aber warum ignorierte er sie dann?
„Hey“, begrüßte Eero Katja fast schon mitleidig. „Hey!“, kam leise zurück, wobei sie die Tür nicht aus den Augen ließ. „Wir wissen auch nicht, was er hat...“, meinte Pauli gleich. „Schon okay...“. Sie wandte ihren Blick endlich von der Tür ab und schaute uns nach der Reihe an. Dann lächelte sie kurz. „Danke... ihr Jungs habt mir da drinnen echt das Leben gerettet!“. „Na ja... übertreibs nich!“, grinste Eero. „Könntet ihr Aki bitte ausrichten, dass ich ihm für seine Ausrede über alles Danke...“. Wir nickten allesamt. „Gut... danke... das wars auch schon!“. Katja drehte sich um und ging entäuscht davon. Eero und Pauli gingen in den Raum. Ich folgte ihnen.
Aki saß auf einem Stuhl und warf wütend eines Tennisball gegen die Wand und fing ihn dann wieder auf. Ich ging zu ihm und als er das nächste mal warf, fing ich den Ball ab und setzte mich auf den Stuhl neben ihn. Ich begann mit dem Ball zu spielen. Warf ihn auf den Boden und fing ihn wieder auf. Aki schaute mich wütend an.
„Lass deine Wut nicht an anderen aus!“, sagte ich dann ruhig. „Sag jetzt bitte nicht: ‚Der Ball hat auch Gefühle!!!‘.“. „Der Ball nicht... aber Katja!“.
Ich warf dem gerade sehr verwirrten Aki den Ball zu und stand auf.


82. Katja

„Boah... war das n geiles Restaurant!“, meinte Mark, als wir den anscheinend besten Italiener in ganz Finnland verließen. Die kalte Luft peitschte uns entgegen. „Tja... Auch wir Finnen haben Geschmack!“, grinste Eero. Ich blieb draußen kurz stehen und wartete bis Aki raus kam. Dann ging ich neben ihm her. Schweigen. Wir hatten den ganzen Abend noch kein Wort miteinander gewechselt, obwohl wir im Restaurant uns direkt gegenüber saßen.
Ich schaute nach vorne, zu den anderen. Irgendwie hatte ich das Gefühl das alle voll den Spaß hatten. Nur ich und Aki nicht. Selbst bei Lauri und Silvi hatte ich das Gefühl.
Ich schaute auf den Boden. Warum sprach er nicht mit mir? Okay. Genauso gut konnte ich fragen: Warum sprach ich nicht mit ihm? Wahrscheinlich warteten wir beide darauf, dass der andere den ersten Schritt macht. Trotzdem. Ich wollte ihn nicht machen. Schließlich wollte ich mit ihm Sprechen. Und da wollte er ja wohl nicht. Fuck. Warum musste ich auch nur meine Hand wegziehen? Okay... konnte ich ahnen, dass er so über reagiert?
Mein Blick wanderte kurz zu Aki. Er blickte starr gerade aus und hatte seine Hände in seine hinteren Jeanstaschen gesteckt. Aki ignorierte mich total. Ich schaute wieder zu Boden. „Ist es noch weit bis zum Hotel?“, hörte ich Ina fragen. „Nö... Dahinten um die Ecke ist es schon...“, antwortete Pauli.
Plötzlich spürte ich, wie Akis Hand nach meiner Griff. Total verwirrt schaute ich an, nahm aber gleichzeitig seine Hand und ging ein Stück dichter zu ihm ran. Aki schaute immer noch starr gerade aus. Ich wandte mein Blick ab und ein Lächeln huschte mir übers Gesicht.
Als wir am Hotel ankamen, blieb Aki schon einige Meter vor dem Eingang stehen. Da wir immer noch „Händchen hielten“, blieb ich notgedrungen auch stehen und schaute ihn wieder an. Endlich schaute er mich auch an. Zwar ziemlich ausdruckslos, aber das war mir in dem Moment egal. Er zog mich dichter zu sich ran und legte seinen anderen Arm um meine Hüfte. Unsere Gesichter waren sich ziemlich nah. Ich spürte seinen warmen Atem.
„Ich bin ein Idiot!“, fing er endlich an zu sprechen. Ich weiß das es eh nichts brachte, trotzdem antwortete ich ihm. „Nein... ich hab mich heute Nachmittag ziemlich blöd angestellt!“. Er schüttelte den Kopf, sagte aber nichts. Er schaute mich an. Schaute mir direkt in die Augen. Er kam dichter......jedoch drehte er dann seinen Kopf weg, ließ mich los und ging ein Schritt zurück. Was... was sollte das? Was ist los mit ihm? „Sorry...“, flüsterte Aki nur, steckte die Hände in die Jackentaschen und ging los.
Ein leises „Aki...“ kam über meine Lippen. „Was ist los mit dir?“. Aber er konnte mich nicht mehr hören. War schon zu weit weg.

Langsam ließ ich mich auf mein Bett sinken. Mein Blick wanderte ins Nichts.
Warum? Warum hatte er mich nicht endgültig geküsst? Warum wollte ich eigentlich, dass er mich küsst? War ich verliebt? War ich wirklich in Aki verliebt? War aus dieser Freundschaft wirklich Liebe geworden? Oder war es vielleicht nur eine ziemlich enge Freundschaft? Eine enge Freundschaft in der wir mehr empfanden?
„Katja... he, Katja!“, drang es sanft zu mir durch. Ich wandte meinen Blick wieder der Realität zu. Vor mir hockten Jul und Ina, die mich besorgt anschauten. „Alles okay mit dir?“. Ich nickte langsam. Ina setzte sich neben mich und legte ihren Arm auf meine Schultern. „Erzähl keinen Scheiß... wir wissen genau das was nicht stimmt!“. „Ist es wegen Aki?“, fragte Jul und legte ihre Hände auf meine Knie. Ich schaute sie an, dann an ihr vorbei. Gerade kam Tobi ins Zimmer und schaute uns drei verwundert an. „Ich... ich erklär´s euch morgen, okay?“, fragte ich leise. Ina und Jul nickten, standen auf, wünschten Tobi und mir eine gute Nacht und verschwanden ziemlich schnell.
„Hab ich euch gestört?“. „Nein...“. Mehr konnte ich erstmal nicht sagen. Ich war immer noch zu sehr verwirrt. Tobi setzte sich neben mich. „Alles okay?“. Ich nickte wieder. Was für eine Lüge...

Mit einem „Nacht“ machte Tobi das Licht aus. „Nacht...“, kam es leise von mir. Ich starrte in Richtung Schrank, wie immer. Nur das ich diesmal nicht viel sah. „Katja?“. Ich drehte mich um und erkannte Tobis Gesicht vor mir. Er hatte sich auf die Seite gerollt und schaute mich jetzt anscheinend an. Besser gesagt, schaute er jetzt meine Umrisse an. „Er ist es nicht wert!“, flüsterte Tobi mir zu. Was... woher? Woher wusste er, dass es um Aki ging?
Ich spürte wie Tobis Hand sich auf meine legte. Mir kullerte eine einzelne Träne über die Wange. Hatte er recht? War Aki es wirklich nicht wert, sich solchen Gefühlen auszusetzen?
Tobi legte jetzt einen Arm auf meine Hüfte und zog mich etwas weiter zu sich ran. Ich schloss die Augen und versuchte jegliche Gedanken an Aki aus meinen Kopf zu bekommen. Plötzlich spürte ich wie sich Tobis Lippen auf meine legten. Ich weiß nicht so recht warum, aber ich erwiderte den Kuss. Den und viele weitere Küsse. Nach kurzer Zeit schob sich Tobis Hand langsam unter mein T-Shirt... Ich wehrte mich wieder nicht. Es war mir egal. Scheißegal.
Denn in meinen Kopf regte sich nur ein Gedanke: „Aki ist es nicht wert!“...

83. Lauri

Nachdenklich lag ich auf der Couch und starrte die Decke an. Ich wusste eigentlich gar nicht so recht worüber ich zuerst nachdenken sollte. Über Silvi? Über Aki und Katja? Es war beides zum verzweifeln.
Anscheinend meinte es jemand gut mit mir. Jedenfalls klingelte es, als mein Kopf begann mich mit irgendwelchen überflüssigen Schmerzen zu quälen.
Ich stand auf und öffnete die Tür. „Na, Bruderherz?“, kam es mir überglücklich entgegen. „Hanna... Komm rein!“. Als sie die Wohnung betrat musterte ich sie von der Seite. Was um Himmelswillen wollte sie denn so spät am Abend noch bei mir? Wahrscheinlich kam sie nur, weil sie wieder mal irgendetwas brauchte. Wie immer.
„Wie geht’s?“, fragte ich, während wir ins Wohnzimmer gingen. „Supi! Und dir?“. Ich zuckte mit den Schultern. „Gott... du machst das gleiche Gesicht wie Aki... is ja schlimm mit euch!“. „Aki?“. Neugierig schaute ich sie an. „Ja... hab ihn eben getroffen... der hat mich kaum beachtet... was hat er denn?“. Hanna zog sich ihre Jacke aus und machte es sich im Sessel bequem. Ich packte mich wieder auf die Couch. „Dein Ex ist verliebt!“.
Meine Schwester schaute mich irritiert an. „Mein Ex?“. „Ähm... ihr wart doch 3 Monate zusammen...“. „Ach so... du meinst diese Eigentlich-will-ich-nur-Sex-Beziehung...!“. Hanna seufzte. „Egal... wer is denn die Glückliche?“. „Die Drummerin von Nightmare... unser Support!“. Hanna grinste. „Die von dem Foto??? Aber ist die nicht n bisschen jung für ihn?“. Ich zuckte wieder nur mit den Schultern. Das war ja jetzt wohl das kleinere Übel.
Hanna stand auf und kam zu mir rüber. Sie setzte sich direkt neben mich und legte ihren Arm auf meine Schulter. „Und was ist mit dir?... Mit dir und Silvi?“, fragte sie jetzt ernst. Ich seufzte. „Keine Ahnung... Meine verdammten Gefühle für sie, bringen mich fast um... und sie merkt es nicht mal!“. Ich wusste das sie mich verstand. Ins solchen Sachen verstand sie mich immer. Sie zog mich ein Stück näher zu sich heran. Ich legte meinen Kopf an ihre Schulter.
„Ich hätte nie gedacht das sich mein kleiner Bruder mal so unsterblich verliebt!“, streichelte Hanna mir übers Haar. „Ihr Frauen seit sowas von kompliziert...“, murmelte ich. Sie wollte gerade was sagen, da klingelte es schon wieder.
Als ich die Tür öffnete, kam sofort ein schlecht gelaunter Aki in meine Wohnung geschlurft. Ich schloss die Tür und schaute ihn an. „Wo warst du vorhin? Du warst plötzlich weg?“, fragte ich sofort. „Ich hab mal wieder Scheiße gebaut!“. Ich wollte gerade zu der Frage „Was denn?“ ansetzen, da kam schon prompt die Antwort. „Ich wollte sie küssen, konnte es denn aber nicht und bin einfach abgehauen...“. „Sag bitte nicht, dass du diese Katja einfach stehen lassen hast!“, kam es von Hanna die gerade den Flur betrat. Aki wirbelte rum und schaute sie verwirrt an. „Was machst du denn hier?“, grummelte er. „Meinen Bruder besuchen? Und jetzt sag bitte das du mit dieser Katja danach noch geredet hast.“. Aki drehte sich um und funkelte mich böse an. Toll. Jetzt war er sauer auf mich, weil ich es Hanna erzählt hatte. Ich seufzte und lehnte mich mit den Rücken an die Tür. „Nein... hab ich nicht!“, antwortete Aki ihr leise. „Idiot! Irgendwie seit ihr beide die totalen Idioten...“
Aki und ich schauten waren verwirrt. „Ihr seid beide super verliebt, bringt es aber nicht zu Stande es dem Mädel endlich mal zu sagen... ihr macht euch das alles viel komplizierter als es überhaupt ist...“. Hannah schaute erst Aki, dann mich an. Pause. Weder ich, noch Aki sagte etwas. „Ich glaub ich geh jetzt besser... nachher zerreißt ihr mich noch in Stücke... aber denkt über meine Worte nach!“, zwinkerte sie und holte fix ihre Sachen aus dem Wohnzimmer.
Zurück im Flur blieb sie bei Aki stehen. „Keine Angst... das mit Katja sag ich keinem!“, schlug sie ihm auf die Schulter. Dann kam sie zur Tür, schob mich sanft zur Seite und gab mir einen flüchtigen Kuss auf die Wange. „Machs gut, Bruderlein... Man sieht sich...“. Und weg war sie.
„Du, Aki?“. „Mhm...“. „Ich glaub sie hat recht!“.

84. Katja

Langsam löste ich mich aus Tobis Umarmung. Wobei ich peinlichst genau drauf achtete, dass ich ihn nicht weckte. Ich wickelte mir die Bettdecke um den Körper und setzte mich auf die Bettkante.
Was hatte ich getan? Warum hatte ich mit Tobi geschlafen?
Ich stand auf, sammelte meine Sachen zusammen und schleppte mich ins Bad. Ich schloss ab und sackte dann an der Tür entlang, in Richtung Boden. Fuck. Es war ein Albtraum. Die letzten Nacht machte alles noch viel komplizierter.
Ich vergrub mein Gesicht in meinen Händen. Mir kamen die Tränen und meine Gefühle spielten verrückt. Warum war ich heute Nacht so schwach gewesen und hatte das mit Tobi zugelassen? Warum, warum, warum??? Alles nur wegen Aki? Alles nur, weil er mich NICHT geküsst hatte? Weil er mich sozusagen im Regen stehen lassen hat? Es musste an Aki gelegen haben. Ich hatte nie wirklich Gefühle für Tobi. Nein. Ich fand ihn niedlich oder süß. Aber seit der letzten Nacht wusste ich, dass ich keine Gefühle für Tobi hatte. Absolut gar keine. Mir war klar geworden, dass Tobi immer nur ein guter Kumpel für mich war...

Wortlos setzte ich mich an den Frühstückstisch zu Ina und Jul. „Wir sind ja heute alle drei die totalen Frühaufsteher, was?“, meinte Jul mit überdurchschnittlicher guter Laune. Ich nickte nur und kippte ein Haufen Milch in meinen Kaffe. „Und? Alles wieder okay bei dir?“, fragte Ina besorgt. Ich nickte kurz, denn ich hatte kein Bock auf irgendwelches Gequatsche über Aki, Tobi und den Rest der Welt. Ich wollte einfach nur in Ruhe meinen Kaffe trinken.
„Irgendwas stimmt doch mit dir nicht!“, bemerkte Ina. „Nee... ist alles okay... wirklich!“, grummelte ich und nippte an meinen Kaffe. „Bist du schon wieder aufgeregt wegen heute Abend? Wegen dem Gig?“. Ich schüttelte reflexartig den Kopf, bereute es aber. Denn hätte ich ‚ja‘ gesagt, hätte ich ne gute Ausrede gehabt. Jul beschmierte sich gerade ein neues Toast. „Ist es noch wegen gestern Abend? Wegen Aki?“. „Lasst mich einfach in Ruhe, okay?“.
Ich stützte meinen Kopf auf die Hände und schloss die Augen. „Wir machen uns halt Sorgen um dich!“, meinte Ina. „Is ja nett...“, murmelte ich leicht genervt und fing an mir die Schläfen zu massieren. „Mensch Katja... du warst gestern Abend völlig fertig mit den Nerven... entschuldige das wir uns Sorgen machen!“, beschwerte sich Jul. „Außerdem sieht dir selbst n Blinder an, dass du ein Problem hast.“. Problem. Ha. Wenn’s nur eins wär. Ich schaute wieder hoch.
„Vielleicht können wir dir ja helfen!“, meinte Ina und rührte gerade ihren Kakao um. „Nein... das könnt ihr nicht!“. „Woher willst du das denn wissen?“, fragte Jul etwas lauter. „Weil ich das eben weiß!“. Ich passte mich ihrer Lautstärke mal eben an. „Ach ja?“. „Ach ja!!!“. „Vielleicht kennen wir das Problem ja!!!“. „Ich bezweifle das ihr schon mal mit Tobi gepennt habt!!!!!!“. Jul hatte es geschafft. Ich war auf über 180 und hatte soeben mein „Problem“ preisgegeben.
Wütend schaute ich sie an. Sie starrte einfach nur geschockt zurück. Ina die gerade zum Trinken angesetzt hatte, blieb wie angewurzelte sitzen und bemerkte nicht einmal, wie ihr der Kakao auf die Hose tropfte. „Ach, lasst mich...“. Ich stand auf und ging Richtung Ausgang.
Plötzlich stand Tobi vor mir. Er schaute mich an, dann Ina und Jul, die uns beide jetzt gespannt beobachteten. „Können... können wir mal reden?“, fragte Tobi unsicher.
„Nein... können wir nicht!!! Red doch mit Ina und Jul... Die kennen alle Probleme... Vielleicht können die dir ja helfen!“, wandte ich mich zum Tisch und funkelte die beiden böse an. Mir reichte es für heute schon wieder. Ich hatte mir meinen Urlaub in Finnland eigentlich entspannter vorgestellt. Aber das wars ja nun alle Male nicht...
Ich wandte meinen Blick von Ina und Jul ab und verließ endlich das Restaurant.

85. Lauri

„Was tu ich hier eigentlich, Lauri?“. „Zu Katja gehen und endlich mit ihr reden... hier habt noch ganze anderthalb Stunden bis zum Konzi... bis dahin werdet ihr das ja wohl schaffen...“.
Aki seufzte. Ich hatte den ganzen Tag auf ihn eingeredet. Und jetzt hatte ich es endlich geschafft ihn zu überzeugen, dass ein Gespräch mit Katja das Beste sei. „Denk an unsere Abmachung!“, meinte Aki. Jetzt war es an mir zu seufzen. „Jaja... heut Abend red ich mit Silvi... versprochen!“.
Aki spielte während des Gehens nervös mit seiner Wasserflasche rum. „Eigentlich ganz schön gefährlich, dass die Teile aus Glas sind! Katja hat sich damals auch die Hand wegen soner Flasche verletzt!“, bemerkte Aki. Ich schaute ihn fragend an. „Das ist jetzt nicht dein Ernst, oder? Mach dir lieber Gedanken darüber, was du Katja gleich sagst...“. Aki seufzte wieder. „Ja... hast ja recht...“
Wir kamen auf den Flur, auf welchem die Garderobe von Nightmare war. Plötzlich kam Katja aus dem Raum gestürzt, dicht gefolgt von Tobi. Tobi rief Katjas Namen, packte sie an der Schulter und drehte sie zu sich um. Aki blieb abrupt stehen und streckte seinen Arm aus um mich aufzuhalten.
Katja und Tobi diskutierten lautstark auf Deutsch. Ich verstand wie immer kein Wort. Leicht gelangweilt schaute ich zu Aki, welcher die Augen zusammenkniff um sich besser auf den Streit von Tobi und Katja konzentrieren zu können. „Verstehst du was?“, fragte ich. „Pssst...“
Ich schaute wieder zu den beiden..... und ich traute meinen Augen nicht. Tobi legte Katja die Hand in den Nacken, zog sie dichter zu sich heran und küsste sie dann. Oha... Reflexartig schaute ich wieder zu Aki.
Ich sah wie sich Akis Hand zur Faust ballte. Mit der anderen Hand, in dem er die Wasserflasche hatte, holte er aus und warf sie mit voller Wucht auf den Boden. Die Flasche zersprang in Tausend Teile. Auf dem Boden bildete sich eine Pfütze. Dann ging alles viel zu schnell. Tobi löste sich von Katja, Aki wandte seinen Blick von den beiden ab und rannte wütend weg. Gleichzeitig holte Katja aus... und verpasste Tobi ne mächtige Ohrfeige.
„AKI“, drehte ich mich schnell um. Aber er war schon weg. Verdammt. Hätte er die Ohrfeige gesehen, hätte er gewusst was los war.
Katja kam an meine Seite. Sie beachtete mich kaum und starrte den Flur entlang. „Verdammt...“, flüsterte sie. „Er glaubt doch nicht etwa...“. „Doch...“, nickte ich. Katja fluchte irgendwas auf Deutsch und rannte dann auch los. „Katja... es hat jetzt keinen Sinn ihm nach....“. Ich brach ab, denn Katja hörte eh nicht auf mich.
Ich drehte mich wieder um und schaute zu Tobi, welcher sich geistesabwesend die Wange hielt und, wie Katja zuvor, den Flur entlang starrte. Wahrscheinlich wurde ihm jetzt erst bewusst, dass Katja nicht die gleichen Gefühle für ihn, wie er für sie empfand.
Meiner Meinung nach, konnte ich jetzt eh nichts für Tobi machen und ging einfach los. Ich steckte die Hände in die Hosentasche und schlenderte nachdenklich die Flure entlang. Irgendwie machte mir die Situation zwischen Aki und Katja Angst. Wie sollte das denn heute Abend mit Silvi und mir enden? Ich hatte mir fest vorgenommen mit ihr zureden.
Aber jetzt?

86. Katja

„Verdammt...“, flüsterte ich und starrte den Flur entlang. „Er glaubt doch nicht etwa...?“.
Bitte Lauri... Bitte sag „Nein“. Aber Lauri nickte nur. „Doch...“. Fuck, Fuck, Fuck... warum musste alles schief gehen? WARUM MUSSTE TOBI MICH KÜSSEN??? „Scheiße...“, murmelte ich und rannte dann los. Ich musste mit Aki sprechen. Lauri rief mir noch irgendwas nach, aber ich ließ mich nicht aufhalten. Nicht jetzt!!!!
Ich hörte von weitem, dass eine Tür ziemlich heftig zu schlug und ich rannte Richtung „Rasmus“-Raum.
Angekommen, sparte ich mir jegliches Klopfen und platzte einfach so ins Zimmer. Ich schaute mich kurz um und sah, dass nur Eero und Pauli hier waren, die mich leicht perplex anschauten. „Wo ist Aki?“, fragte ich schnell. „Ist er wegen dir so sauer?“, fragte Eero und überspielte so meine Frage. Ich nickte kurz, wiederholte dann aber meine Frage. „Wo ist Aki?“. Pauli deutete aufs Nebenzimmer. „Hat sich eingeschlossen... meinte, als er rein kam, dass alle ihn in Ruhe lassen sollten...“.
Ich ging zielsicher auf die Tür zu und klopfte dann. „Das bringt nix... glaub mir!“, meinte Eero. Ich drehte mich um und schaute Eero an. „Eero... lass mich einfach, okay? Ich MUSS mit Aki reden...“. Eero seufzte und nickte dann. Pauli stand auf und nahm sich seine Kippen. „Son Stress muss ich mir vorm Gig echt nicht geben... ich geh raus!“, meinte er, als er denn Raum verließ.
Ich klopfte noch mal. „AKI!!!!“, brüllte ich und fing jetzt an die Tür zu bearbeiten. „ICH MUSS MIT DIR REDEN!!!!!!!“. Aber anstatt die Tür aufzumachen, drehte er drinnen Musik ,so laut es ging, auf. „Fuck!“, versetzte ich der Tür einen Tritt. Mir lief eine Träne übers Gesicht.
Ich spürte wie sich eine Hand auf meine Schulter legte. „Was auch immer passiert ist... er beruhigt sich schon wieder!“. Ich drehte mich um und schaute in Eeros Gesicht. „Nur dann ist es zu spät...“, sagte ich leise und ging an Eero vorbei. „Katja?“. Ich blieb stehen, drehte mich aber nicht um. „Er liebt dich...“. „Was? Woher.... weißt du...?“, drehte ich mich erschrocken um. Ich hatte mit allem gerechnet. Nur nicht mit so einer Aussage.
Eero lächelte und zwinkerte mir dann zu. „Auch wenn er das nicht sagt oder zu gibt... aber das er dich liebt... sieht selbst n Blinder!!!“. Nur ich nicht, oder wie? Shit... warum redete Aki nicht mit mir????? Warum konnte er nicht einfach 3 Sekunden länger da stehen?????????
Eero kam auf mich zu und legte seine Hände auf meine Schultern. „Pass auf... du versuchst jetzt noch so gut es geht zu entspannen... Aki wird sich in der Zwischenzeit beruhigen... Dann rocken wir nachher alle ordentlich das Haus... und dann redest du noch mal mit ihm, okay?“. Blieb mir was anderes übrig als zu nicken? Nein...
Aber wie um Himmelswillen sollte ich denn jetzt noch entspannen? Mit meinem jetzigen Zustand würde ich nich mal den Weg zum Schlagzeug finden...
Aki... Du bist so ein Idiot!!!!!

87. Lauri

„Wenn Aki da jetzt nicht bald raus kommt, cancel ich das Konzert!!!“, ging ich wütend zur Tür. Die ganze Situation regte mich auf. Als ob ich nicht schon genug Sorgen mit Silvi hatte, machte Aki jetzt auch noch Stress.
„Lass ihn... er wird schon noch raus kommen...“, meinte Pauli gleichgültig. „Ich lasse hier gar keinen!!! In 20 Minuten sind Nightmare schon dran...“. Und in 20 Minuten würde Katja total down am Schlagzeug sitzen... VERDAMMT!!!!!
„Lauri... aufregen bringt jetzt nichts und...“ Eero brach ab, weil sich endlich die Tür zum Nebenraum öffnete. Ich musste der Tür ausweichen, bäumte mich dennoch gleich vor Aki auf. „Ach... wen haben wir denn da???“, fragte ich aufgebracht. Aki blieb stehen und schaute mich an. Ich vergaß meine Wut. Aki sah echt Scheiße aus... Er war blass wie sonst was und seine Augen blickten mich zwar an, aber ich bezweifelte das er irgendwas direkt wahr nahm. Würde ich Aki nicht kennen, hätte ich gedacht, er hätte Drogen genommen.
„Man, Aki...“. Ich wollte ihm meine Hand auf die Schulter legen, doch er schlug sie weg. „Lass mich in Ruhe, okay...“. „Aki... du hast da was falsch verstanden... Katja und Tobi sind nicht...“. „LASS ES!!! KATJA UND TOBI INTERESSIEREN MICH NICHT!!!!!!!!!!!“. Aki ging zur Couch schnappte sich seine Sachen für das Konzert und verschwand.
„Der Typ macht mich irre...“, schimpfte ich und ließ mich auf einen Stuhl fallen.

Eine halbe Stunde später, standen Eero, Pauli und ich, mit Silvi und Mark hinter der Bühne und schauten uns aus sicherer Entfernung unseren deutschen Support an. Mein Blick wanderte die ganze Zeit besorgt von Katja zu Tobi, und wieder zurück. Tobi ließ anscheinend seine ganze Wut an der Gitarre aus. Was für den Gig ein Vorteil war. Er rockte dadurch ziemlich ab. Traurig, aber wahr.
Katja im Gegensatz spielte so wie immer. Nicht schlechter, aber auch nicht besser. Silvi dagegen war mit Katja ganz und gar nicht einverstanden. „Gott... wenn man sich Katja anschaut, denkt man ja die Welt geht unter...“. „Für sie geht die Welt auch unter...“, murmelte ich, wobei ich gleich danach Eeros Ellbogen in der Seite hatte. Musste ich das jetzt verstehen? Verstand Eero mich überhaupt? Ach... scheiß drauf...
Ich schaute zu Silvi, die „like a Manager“, halt ihre Band beobachtete. Mir fiel auf, dass ich wegen Aki beinah vergessen hätte, mich um meine Angelegenheiten zu kümmern. Und meine Angelegenheiten waren mir logischer Weise wichtiger als Akis. Und was für mich gerade zählte, war Silvi endlich wieder zurück zu bekommen. Da fiel mir noch was ein.
„Jungs... das mit der letzten Zugabe is bei euch noch gespeichert, ja?“. Eero und Pauli schauten mich verwirrt an. „Äh... ja... wie du dir gewünscht hast spielen wir T...“. „Gut!!!“, unterbrach ich Pauli.
Ich schaute wieder zur Bühne. Mein Blick wanderte aber diesmal weiter. Auf dem anderen Ende der Bühne, stand Aki. Er hatte sich gegen eine Wand gelehnt, die Hände in den Hosentaschen versenkt und schaute mit dem gleichen leeren Blick wie vorhin, Katja an. Als Aki bemerkte, dass ich ihn ansah, warf er einen letzten Blick auf Katja und verschwand...

„... RASMUS! THE RASMUS!!!....“.
Okay. Das sollte jetzt also die letzten Zugabe werden. Nach einem mehr oder weniger genialen Gig – wir hatten die Halle gerockt, nur Aki war eben nicht ganz bei der Sache – war für mich nun die Stunde der Wahrheit gekommen.
Eero und Pauli ahnten bereits was ich vorhatte. Na ja. Aki wusste es, nur war ihm das gerade sichtlich egal. Ich atmete noch einmal tief durch. Pauli schlug mir auf die Schulter. „Wird schon, Alter!“ und Eero gab ein Zwinkern dazu.
Als wir die Bühne betraten, kam mir das alles ziemlich irreal vor. Shit. Aber es war meine letzte Chance... Meine allerletzte Chance, um die Sache mit Silvi zu regeln.
Zielsicher ging ich zum Mikro und schnappte es mir auch.
„Bevor wir euch die letzte Zugabe geben, muss ich noch was loswerden...“. Musste ich wirklich? Ja, verdammt, Ylönen...
„Das letzte Lied für heute ist wem ganz besonderes gewidmet... beziehungsweise soll es der Person, die ich über alles liebe, endlich klar machen, was für eine Hölle ich durch mache!!!“. Da ich nicht wusste, wo Silvi war, saß oder stand – sie war mit Nightmare woanders hingegangen – schaute ich jetzt zwischen der Menge hin und her. Und ein Glück gab es sowas wie Zufall. Jedenfalls stand sie plötzlich mit Nightmare am Rand der Menge und schaute zur Bühne. Ich blickte sie sicher an.
„Silvi. Ich liebe dich über alles! Ich kann und will ohne dich nicht sein! Versteh das endlich!!! Was auch immer ich getan habe, es tut mir Leid!!!!!!........... Das letzte Lied heißt ‚The one I love‘“.
Die Menge jubelte, kreischte und machte halt alles das, was Fans so machten. Silvi hingegen schaute mich perplex an. Okay. Damit hatte sie sicher nicht gerechnet. Ich drehte mich zu meinen Jungs und nickte, um ihn so das Startzeichen zu geben. Mein Blick blieb kurz an Aki heften. Er bemühte sich zu lächeln und nickte mir zuversichtlich zu. Dann begannen meine Jungs zu spielen. Ich drehte mich wieder um, suchte und fand Silvi wieder in der Menge und begann zu singen:

(Die meisten kennen den Text... Ich schreib den ersten Teil trotzdem mal auf ^^)

Haven´t slept in a week
My bed has become my coffin
Cannot breath, cannot speak
My heads like a bomb, still waiting
Take my heart and take my soul
I don´t need them anymore

The one I love
Is striking me down on my knees
The one I love
Drowning me in my dreams
The one I love
Over and over again
Dragging me under

. . .

88. Katja

Total perplex stand Silvi neben uns, und starrte die Bühne an. The Rasmus hatten die letzte Zugabe gespielt und verabschiedeten sich gerade, indem sie sich noch mal alle verbeugten. Lauri schaute ein letztes Mal zu uns und lächelte Silvi unsicher an. Silvi hingegen tat gar nichts. Sie stand wie angewurzelt da.
„Silvi?“, fragte Ina vorsichtig. Silvi drehte sich zur ihr um. „Ich... ich muss mal an die frische Luft!“, sagte sie total verwirrt und ging mit dem Strom der Masse in Richtung Ausgang. „Sollte sie jetzt nicht erstmal zu Lauri gehen?“, fragte Jul leicht grinsend. „Eigentlich schon!“, nickte Mark, der einen Arm um Juls Hüfte geschlungen hatte. Ina schaute besorgt Silvi hinterher.
Aber Silvi kümmerte mich gerade kaum. „Ich geh zurück hinter die Bühne!“, sagte ich und ging los, ohne die Antworten der anderen abzuwarten.

Unsicher klopfte ich an der „Rasmus“-Tür. Sofort ging die Tür auf und ein hoffender Lauri stand vor mir. „Ach du bist’s“, sagte er enttäuscht und ging schlurfend ins Zimmer zurück. Ich ging rein, schloss die Tür und schaute mich um. Pauli ging gerade ins Bad, Eero saß auf der Couch und schaute mich an und Lauri zog sich ins Nebenzimmer zurück. „Lauri...“. Er drehte sich zu mir um. „Silvi muss das von eben erstmal verdauen...“. Er nickte und schloss die Tür hinter sich.
Sofort schaute ich zu Eero. „Wo ist Aki?“. Eero sah mich leicht mitleidig an. „Er hat seine Sachen geschnappt und ist abgehauen...“. „Nach Hause?“. „Glaub kaum...“, schüttelte Eero mit dem Kopf. Ich schloss die Augen und atmete hörbar tief aus. „Heut läuft alle schief!“. „Versuchs einfach mal in seiner Stammkneipe. Da isser immer, wenn’s ihm dreckig geht...“. „Und die wäre?“, öffnete ich hoffnungsvoll die Augen...

Jetzt standen Ina, Jul und ich vor der Kneipe, von der Eero mir erzählt hatte. Allerdings war das Konzert jetzt schon seit fast zwei Stunden vorbei und ich bezweifelte, dass er noch da war. „Jetzt geh endlich rein!“, meinte Ina. „Oder willst du bis morgen hier stehen?“, fragte Jul. Ich hatte beide als seelische Unterstützung mitgenommen. „Und was ist, wenn er nicht mit mir reden will?“. „Katja... er will höchst wahrscheinlich nicht mit dir reden... zwing ihn einfach dazu!!!“, meinte Ina und öffnete die Tür. Jul gab mir von hinten einen kleinen Schubs und schon stolperte ich in die Bar. Mir kam eine Schwall heißer Luft entgegen, mit dem Geruch von Alkohol vermischt mit Zigarettenrauch.
Ich schaute mich um. So viele Leute waren hier gar nicht. Mein Blick blieb an der Bar hängen. Da hing Aki, wie ein Schluck Wasser auf einem Barhocker und leerte gerade sein Bier. Nach seiner Zeichengebung zum Urteil bestellte er sich gleich noch eins.
Ich ging rüber und stellte mich hinter ihm. „Aki?“, fragte ich vorsichtig. Er drehte sich um und schaute mich mit leeren Blick an. „Nich du scho wieda!“. Dann drehte er sich wieder zur Bar, legte die Arme auf den Tisch und hatte große Mühe, sich aufrecht zuhalten. Ich setzte mich neben ihn auf den Hocker und schaute zum Barkeeper. „Wieviel hat er schon getrunken?“, fragte ich auf Englisch. „Zuviel...“, winkte er ab.
Ich seufzte und schaute wieder zu Aki. Das Reden konnte ich jetzt ja wohl vergessen. „Wass willsn du hir?“, schaute Aki mich mit halb offenen Augen an. „Eigentlich wollt ich mit dir reden... aber anscheinend hast du schon sehr viele Gespräche mit ner Bierflasche geführt!“, sagte ich leicht genervt. „Pah... red- red- rednen... des kannse ja mit Tobi machen!“, winkte er ab, wobei er fast vom Hocker rutschte. Ich schnappte schnell seinen Arm und hielt ihn oben. „Lass mich los...!“, versuchte Aki mit der anderen Hand, meinen Arm weg zuschlagen, doch er verfehlte ihn immer. „Du Volltrottel...“, schüttelte ich mit dem Kopf und stand auf.
„Kaja...“. „Was?“. „Du bis einlich auch viel zu jun für mich...“. „Aha... kann ich jetzt gehen?“. „Nee... du has mich benuzt... benust hast du mich...“. Ich konnte nich anders. Ich holte aus und verpasste ihm ne mächtige Ohrfeige. Nur leider konnte sich Aki nicht halten und stürzte vom Hocker. Er knallte laut zu Boden und gab lediglich ein „Au!“ von sich. Ich rollte mit den Augen und kniete mich nieder. Er drehte sich gerade zu mir um. „Pass auf Aki...“, ich bohrte ihm meinen Finger in die Brust. „Ich habe dich NICHT benutzt... DU hast MICH geküsst, DU hast MICH stehen lassen und DU wollest NICHT mit MIR reden...“. „Und deswen schläfsd du gleich mit Tobi?“. „Woher...?“. Mir wurde mit einem Schlag bewusst, dass Aki es nur als Übertreibung meinte. Er wollte mich herausfordern und ich schnallte es jetzt erst. Ich schaute Aki unsicher an.
„Du has mit ihm geschlafn?“, fragte Aki verdutzt. Er ließ sich ganz und gar zu Boden fallen. Die anderen Leute in der Bar schauten uns empört an. Einige lachten.
Fuck... wie konnte ich nur so doof sein? Ich wollte Aki klar machen, dass da nix zwischen mir und Tobi läuft und stattdessen, sagte ich ihm, dass ich mit Tobi gepennt hatte. Toll.
Ich stand auf und sofort maulte mich der Barkeeper an. „Bring ihn hier bitte raus!“. „Ja... is ja gut!“. Ich kniete mich noch mal hin, tastete Aki nach seinem Portmonee ab, fand es auch und bezahlte schnell die Rechnung. „Komm Aki... wir gehen!“, nahm ich seinen Arm und versuchte ihn hoch zu ziehen. „Mit dia geh ich nich...“

„Jul... mach hinne... Aki is nich gerade leicht!“, drängelte Ina, als Jul den richtigen Schlüssel für Akis Wohnungstür suchte. Ina und ich stützen Aki von beiden Seiten und er war trotzdem noch verdammt schwer. „Wie konntes du, Kaja?“, jammerte Aki rum. So ging das schon den ganzen Weg. „Warum musstest du ihm das auf die Nase binden? Wolltest du ihm nicht alles erklären?“, zischte Ina mich an. „Ich weiß selbst, dass das blöd war!“, zischte ich zurück.
Ina schaute dann zum Glück zu Jul. „Wird’s heut noch was?“. Just im dem Moment sprang die Tür auf. „Yupp...“, grinste sie Ina an. „Haha...“. Ina und ich schleppten Aki in die Wohnung. „Ins Schlafzimmer?“, fragte Jul. „Ne... Couch...“, antworteten Ina und ich gleichzeitig. „Und wo is das Wohnzimmer?“, fragte Jul. Ich nickte gerade aus. Jul sprang zur Tür und machte uns den Weg ins Wohnzimmer frei. Mit einem lauten Seufzen von Ina und mir, ließen wir Aki dann auf die Couch plumpsen. Er pennte sofort ein. „Soso... so wohnt also Aki Hakala!!!“, grinste Jul und schaute sich um. Ich ließ mich vor Aki zu Boden fallen und lehnte mich an die Couch.
„Und jetzt?“, fragte Ina. Ich zuckte mit den Schultern. „Ich bleib heut Nacht hier...“.
Ina und Jul nickten. „Denk aber dran... wir fahren morgen relativ früh nach Tampere... morgen ist doch gleich der zweite Gig!“. Ich nickte. „Ich weiß... aber er hier...“, ich deutete mit dem Kopf auf Aki „...muss da morgen ja auch hin...“.
„Stimmt... sei trotzdem vielleicht so um 10Uhr im Hotel, okay?“. „Ich versuchs...“.
Ina und Jul verabschiedeten sich von mir und verließen die Wohnung. Ich stand auf und schaute noch mal zu Aki. Ich hievte ihn ordentlich auf die Couch und schaute ihn mir noch mal genau an. Ich kniete mich vor ihm hin und nahm ihm seine Brille ab. „Fuck... was machen wir nur immer für Scheiße?“, murmelte ich. Dann beugte ich mich vor und gab ihm einen Kuss auf die Stirn. „Nacht, Tiger... Auf das wir vielleicht mal Morgen miteinander reden können.....“

89. Lauri

Sie wird sich schon bei dir melden...“, meinte Pauli, als er das Auto vor meiner Wohnung parkte. „Da wäre ich mir nicht so sicher...“, murmelte ich leise und öffnete die Tür. „Lauri... das wird sicher nicht spurlos an ihr vorbei gehen... Geb ihr Zeit...“. „Wieviel Zeit den noch? Für mich ist die Sache jetzt abgehakt... sie will nichts mehr von mir und basta!“, stieg ich aus und knallte die Tür zu. Ich sah wie Pauli mit dem Kopf schüttelte, dann los fuhr.
Müde schleppte ich mich die Treppen hoch. Ich war mir sicher, dass Silvi auch noch etwas für mich empfand. Aber heute hatte sie eindrucksvoll bewiesen, dass ich da falsch lag. Ich hatte noch ziemlich lange Backstage auf sie gewartet, aber sie kam einfach nicht...
Als ich oben ankam, traf mich der Schlag. „Lauri...“. Vor meiner Tür hockte ein Mädel und schaute mich mit verheulten Gesicht an. Ich erkannte sie sofort. Sie stand auf und kam auf mich zu. „Lauri...“, sagte sie wieder nur. „Was willst du hier?“, begegnete ich ihr kühl und schloss die Tür auf. Ich empfand gerade nur Hass für sie. Schließlich trug sie dazu bei, dass mein Liebesleben zur Hölle wurde.
„Ich... ich will das wir wieder zusammen sind... ich liebe dich doch!!!“. „Aber ich dich nicht...“. „LAURI...“, schlurzte sie und krallte sich an mich. „Lass mich los... ich hab die alles gesagt, was zu sagen war... aber anscheinend hast du mich nicht ernst genommen...“, schubste ich sie von mir weg. Sie schaute mich traurig an. „Das hast du doch nicht so gemeint... Laurischatzi...“. „Doch... Lina... das habe ich! HAU AB!!!!“.
Ich knallte die Tür zu meiner Wohnung zu und lehnte mich an sie. Die hatte mir heute noch gefehlt. Aber was für eine Ironie des Schicksals. Lina war verrückt nach mir und Silvi schaute mich nicht mal mehr mit dem Arsch an. Und bei mir? Genau umgekehrt. Ich schaute Lina nicht mehr mit dem Arsch an und war verrückt nach Silvi... Fuck...
Ich ließ mich an der Tür zu Boden sinken. Warum war das alles immer so kompliziert? Warum konnte nicht einmal was unkompliziert laufen. Nein... warum einfach, wenns auch kompliziert ging?
Es klingelte an der Tür. Wütend sprang ich auf und riss die Tür auf. „LASS MICH IN RUHE!!!“. Als ich dann endlich genauer hinsah, traf mich der nächste Schlag. „Tut... tut mir Leid... ich hatte nicht dich gemeint!“, entschuldigte ich mich. Ein Nicken nahm meine Entschuldigung an. „Komm doch rein...“. Wieder folgte nur ein Nicken und die Person betrat meine Wohnung. „Wir müssen reden...“. Diesmal nickte ich nur.
Wir gingen ins Wohnzimmer und setzten und auf die Couch.
Da saß sie nun. Die Liebe meines Lebens. Silvi.
„Lauri... ich... tut mir Leid das ich jetzt erst zu dir komme...“. „Schon gut...“, murmelte ich. Sie sollte mir jetzt endlich sagen, was Sache war. Ich hatte schon zu lange gewartet. „Das was du heute gesagt hast, das war...“. Sie stockte. „...die Wahrheit!“, beendete ich den Satz und schaute zum Fenster. Da es draußen Dunkel war und wir Licht an hatten, spiegelten wir uns in der Scheibe. Ich beobachtete sie.
Silvi saß neben mir auf der Couch, starrte zu Boden und suchte krampfhaft nach den richtigen Worten. „Du weißt immer noch nicht, warum ich mich von dir getrennt habe, oder?“, fragte sie plötzlich leise. Ich schüttelte den Kopf. Angeblich ja wegen den Fotos von den Parties.
„Es war hart zu sehen, dass du lieber feierst, als mich zu besuchen!“. „Bitte was?“, schaute ich sie empört an. „Du glaubst doch nicht echt, dass ich lieber zu diesen Parties gegangen bin, als dich zu besuchen???“. Silvi schaute mich unsicher an. „Du hast immer gesagt das du nach Deutschland kommst... und? Wie oft warst du nach eurer Tour bei mir?“. „Nie...“, kam es leise von mir. Aber ich setzte sofort nach. „Ich konnte nicht... ich wollte immer, aber...“. „Die Arbeit... ich weiß!“, lachte Silvi kühl. „Falls es dich interessiert... als deine „tolle“ Ich-trenn-mich-von-dir-Sms kam, saß ich gerad am PC und buchte Tix nach Deutschland...“. Silvis Blick erstarrte. Ich stand auf und ging hinter die Couch, beugte mich vor. „Hättest du nur noch einen Tag gewartet, hätt ich vor deiner Tür gestanden...“, sagte ich leise, aber ausdrucksvoll. „Unsere Beziehung ist wegen einem einzigen beschissenen Tag in die Brüche gegangen!“. Ich schlug mit der Faust auf die Couch und ließ mich zu Boden sinken, lehnte mich an. Stille trat ein. Verdammt laute Stille.
Ich vergrub mein Gesicht in den Händen.
„Warum hast du das nie gesagt?“, kam es endlich von Silvi. Ich lachte kühl auf und schaute hoch. „Hast du mir je die Chance gegeben mit dir zu reden?“. „Nein...“. Ich hörte wie Silvi aufstand und vorsichtig zu mir kam. Sie kniete sich nieder und schaute mich unsicher an. „Aber glaubst du, ich kann jetzt einfach da weiter machen, wo wir auf gehört haben?“. Ich schüttelte den Kopf. „Ich glaub gar nichts mehr, Silvi... ehrlich gesagt will ich auch nichts mehr glauben oder hoffen... ich hab zu lange um dich gekämpft, zu lange immer noch die Hoffnung gehabt du kommst zu mir zurück... aber anscheinend habe ich den Kampf verloren... anscheinend habe ich dich verloren...“. Ich schaute Silvi in die Augen. Ich konnte nicht mehr und das sollte sie wissen. Ich lag im wahrsten Sinne des Wortes am Boden und sie? Sie wusste nicht was sie wollte.
„Ich denke, es ist besser wenn du gehst...“. Mir war klar, dass wenn sie jetzt ging, war es für immer aus. Aber ich hatte keine Kraft mehr. Keine Kraft diesen Kampf fort zuführen.
Kurze Zeit passierte gar nichts, dann nickte sie. Wir beide standen auf und gingen auf den Flur. „Lauri... ich...“. „Schon gut... ich denke, du hast schon alles gesagt...“, unterbrach ich sie und griff nach der Türklinke. Silvi seufzte traurig und ging zu Tür. Ich öffnete sie und schaute Silvi ein letztes Mal an.
Sie widmete mir auch noch einen Blick und ging dann raus. Ich wollte gerade die Tür zumachen, da drehte sie sich um und schaute mich an. „Ich will nicht gehen...“. Sie kam zu mir, legte ihre Arme um meinen Hals. Ihr Blick war unsicher und ich wusste genauso wenig was ich tun sollte. Ich mein... na klar, wusste ich was ich tun WOLLTE. Aber war das das Richtige?
Ich schloss die Augen, legte meine Arme um ihre Hüften und im nächsten Moment spürte ich ihre Lippen auf meinen...

90. Katja

Mühevoll winkelte ich meine Beine an. Gott, war es kompliziert auf einem Sessel zu pennen. Ich zog die Decke bis zum Kinn und versuchte, ohne die Augen zu öffnen, meinen Kopf wenigstens etwas bequem hinzulegen. Mhm... irgendwie überkam mich ein komisches Gefühl. Als ob ich mich jemand beobachte. Ob Aki schon wach war?
Ich versuchte angestrengt zu hören, was im Zimmer so vor sich ging. Nichts. Gar nichts. Also öffnete ich doch meine Augen, um zu schauen was los war. Und sofort fiel mein Blick auf Aki. Er saß da, Arme auf die Beine gelegt und die Hände ineinander gefalten, und starrte mich ausdruckslos an.
„Was machst du hier?“. „Dir auch einen schönen guten Morgen, Aki!“, war meine Antwort. „Der Morgen wäre schön gewesen, wenn ich in meinem Bett aufgewacht wäre und dich nicht in meinem Sessel hätte sehen müssen!“. „Sag mal... geht’s noch? Was hast du denn jetzt auf einmal?“, begegnete ich ihm gereizt. Er zuckte einfach nur mit den Schultern. Hallo? Was war n das für ne Erklärung?... Cool bleiben...
„Ihr hättet mich nicht nach Hause bringen müssen!“, sagte er dann und stand auf. Ich dachte er geht weg, in die Küche oder so. Aber er ging einfach nur zum Fenster und schaute raus. „Na klar... du hättest den Weg natürlich alleine gefunden... beziehungsweise schläfst du ja gerne auf irgendwelchen Bänken............... Aki du warst voll wie sonst was!!!“. Keine Reaktion. Ich legte die Decke beiseite, stand auch auf und blieb unsicher vor dem Sessel stehen. „Aki... ich muss dir da noch was erklären...“. Er drehte sich um und schaute mich an. In seinem Blick lagen etwas Traurigkeit und viel zu viel Unsicherheit. „Was gib’s da zu erklären? Du hast mit ihm geschlafen, oder?“. Ich meinte eben eigentlich die Situation vor dem Konzert, aber egal... UND WO ZUM TEUFEL WAR DER BLACKOUT, WENN MAN IHN MAL BRAUCHTE?????
Jetzt hatte es bestimmt Sinn, ihm zu erklären das der Kuss nichts zu bedeuten hatte.... Fuck... er würde mir eh nicht glauben...
Also nickte ich nur und ließ mich zurück in den Sessel fallen. Warum lief zurzeit nur alles schief? Warum?
Aki drehte sich wieder zum Fenster. „Eigentlich sollte mir die Sache Scheiß-Egal sein... schließlich sind wir nur Freunde...“.
„Ja... eigentlich schon!“, sagte ich und versuchte die Stimme nicht brechen zu lassen. NUR Freunde...
„Sie ist es dir aber nicht!“. „Doch...“, er drehte sich um und ging am Sessel vorbei zum Flur. „...jetzt schon!“. Ich schluckte kräftig. Was war mit meinem Aki passiert? Er war auf einmal so kalt und abweisend. So hatte er mich noch nie behandelt.
Ich stand auf und folgte ihm im Laufschritt in den Flur. „Du hast mich geküsst!!!!“, schmetterte ich ihm die Worte vor die Füße. Er schaute mich an. „Ausrutscher!“, sagte er kühl. „Aber...“. Ich konnte es nicht glauben. Ich war mir auch nicht sicher, ob es nur sehr tiefe Freundschaft oder schon Liebe war. Aber er hatte nicht mal den Mut dazu zustehen und mir zu sagen, dass er nicht wusste was er wollte.
„Ach, Fick dich, Hakala!!!!!!!!“. Ich nahm wütend meine Jacke von der Flurgarderobe und rannte zur Tür. Als ich die Tür aufmachte, hörte ich ein leises „Warte!“. Aber es war mir eindeutig zu leise. Ich schmiss mit voller Wucht die Tür zu und rannte runter zur Straße.
Einzelne Tränen bahnten sich ihren Weg...........

91. Lauri

Durch ein lautes Hupen von draußen, wachte ich auf. Ich traute mich nicht die Augen auf zu machen. Denn sofort schossen mir zwei Fragen durch den Kopf: War das alles nur ein Traum? Und: Wenn nicht, war Silvi überhaupt noch da?
Ich konnte sie nicht spüren. Aber vielleicht lag sie auch einfach nur auf der anderen Bettseite. Vielleicht war sie aber auch gegangen....
Nach endlosen Minuten meinte dann mein rechtes Auge sich langsam öffnen zu müssen. Fehler! Denn was mein Auge da so sah, machte mich keineswegs glücklicher. Die Bettseite war leer. Vollkommen leer. Warum? Warum tat sie mir das an?
Langsam richtete ich mich auf und schaute durch mein Schlafzimmer. Nur meine Sachen lagen noch verstreut am Boden rum. Ihre waren weg. Momentmal... waren sie überhaupt jemals da gewesen? Ein heftiger Schmerz zog sich durch meinen Kopf. Toll. Der Tag begann ja schon mal echt heavy. Ich stand auf und stolperte durchs Zimmer zur Tür. Bevor ich sie öffnete schaute ich noch mal zurück, in der Hoffnung, dass Silvi vielleicht doch noch da war. Ylönen. Stopp! Wo sollte sie sein? Unter dem Bett... ‚nachschauen könnt ich ja mal‘... nein... da war sie sicher nicht! Also öffnete ich schließlich die Tür und schlurfte ins Bad. Es war hundert pro kein Traum. Nein. Also... Warum ließ sie mich wieder allein? Warum konnte sie dieses mal nicht einfach bleiben?
Ich durchwühlte den ganzen Badschrank und, haha, ich fand sogar noch eine Kopfschmerztablette, die ich natürlich gleich meinem Körper zu Gemüte führte. Ich schaute in den Spiegel. Verdammt sah ich Scheiße aus. Haare total klatschig, Augen rot, Gesicht weiß wie die Wand. Irgendwie baute mich dieser Blick nicht besonders auf, spiegelte aber gerade perfekt meine Verfassung wieder.
Ich ging aus dem Bad und wollte gerade in die Küche gehen, da fiel mir was auf. Ich blieb stehen, drehte meinen Kopf zur Seite und schaute müde in mein Wohnzimmer.
„Morgen...“, grinste mich endlich das Gesicht an, welches ich eben krampfhaft gesucht hatte. „Silvi...“, flüsterte ich überglücklich. Ich musste mir echt die Tränen zurück halten. Sie kam auf mich zu, immer noch grinsend. „Ja, wen hast du denn erwartet?“. Ich schlang meine Arme um sie und drückte sie ganz fest an meinen Körper. „Lauri... alles okay mit dir?“, hörte ich sie leise fragen. Sie klang eher besorgt und ich wusste, dass sie nicht mehr grinste.
„Jetzt ja...“, lächelte ich, schob Silvi ein Stück von mir, um sie anschließend zu küssen. Silvi hörte ruckartig auf und grinste wieder. „Gut... oder auch nicht... weißt du, du... äh... etwas vor mir... du siehst echt.......... scheiße aus!!!“. „Na toll! Sag das noch mal und ich nehm mir n Strick...“, lachte ich. „Meinst du der hilft? Müsste dann aber n schwarzer sein... son heller passt nicht zu dir!!!“. Ich sah sie kopfschüttelnd, aber lächelnd an, küsste sie und ging an ihr vorbei ins Wohnzimmer.
Silvi hatte der Couchtisch als Frühstückstisch umfunktioniert. Mir viel sofort auf das nur ein Teller auf dem Tisch stand. „Du gehst?“, wandte ich mich sofort um. „Ja...“, zog Silvi sich gerade ihre Jacke an. „Als Managerin von Nightmare muss ich um 10 Uhr zurück im Hotel sein!!!“, lächelte sie. „Achso... okay... schade...“, ging ich zu ihr zurück. Kaum hatte ich sie „gefunden“, musste sie auch schon wieder weg. Verdammt...

92. Katja

„Ich hasse Aki Hakala... ich hasse ihn... ja... das tue ich... verdammt noch mal, was für ein Arsch!!!“. Murmelnd schreitete ich den Hotelflur entlang. Kurz bevor ich an meiner Zimmertür ankam, drehte ich mich um und schlug einen anderen Kurs ein. „Ich hasse auch Tobias Fritsche! Wegen dem Typen hasse ich ja auch Aki Hakala!!!“. Ich blieb stehen und starrte zu Boden. Warum hasste ich auf einmal zwei Menschen die ich, als wir in Finnland ankamen, noch mochte? Okay. Ich hasste sie nicht wirklich. Aber die beiden machten mir das Leben schwer. Richtig schwer.
Ich drehte mich um und ging zurück zu meinem Zimmer. Ich lies mich doch von so einem blöden Gitarristen nicht unterkriegen, oder?
Doch tat ich... Ich drehte ein weiteres Mal um und schlug den Weg zu Ina und Silvi ein.
Als ich ankam, blieb ich vor der Tür stehen und bohrte mit meinem Blick Löcher rein. Schön wärs gewesen. Denn so hätt ich gewusst, ob Silvi da war oder nicht. Und wenn Silvi raus bekam das ich bei Aki gepennt hatte, wäre ich sicher tot.
Ich klopfte und Ina machte mir auf. „Morgen, Katja... es ist gerade mal neun... warum schon so früh?“. Ich winkte ab und ging einfach in das Zimmer. Zu meinem Glück fand ich da erstmal nur Jul vor. „Wo ist Silvi?“, fragte ich sicherheitshalber nach. „Keine Ahnung... sie war die ganze Nacht nicht da!“.
Ina und ich setzten uns zu Jul auf das Bett. Jul umarmte mich schnell zu Begrüßung, sah mich dann aber besorgt an. „Siehst nich so aus, als ob alles klar wäre!“, bemerkte sie dann. „Er ist ein Arsch!“, schüttelte ich den Kopf. Bevor sie fragen konnten wieso und warum, sagte ich: „Für ihn war der Kuss und so nur ein Ausrutscher...“. „Feigling...“, zischte Ina. Ich nickte nur.
„Und was hat er nun zu Tobi und dir gesagt?“, fragte Jul. Ich seufzte. „Das ihm die Sache jetzt eigentlich Scheiß-egal ist!“. „Wers glaubt...“. „Boah... was fürn Sparten...“, schüttelte Ina den Kopf. „Macht erst n riesen Aufstand und dann sagt er es ihm egal... na klar... und morgen kommt der Weihnachtsmann!“.
„Ach ja?“. Silvi stand plötzlich im Zimmer und grinste uns alle an. „Silvi...“. Anscheinend hatten Jul und Ina auch nicht mitbekommen, dass sie reingekommen war. „Wo warst du?“, stellte Ina ihr Schwester gleich zur Rede. „Wo war Katja?... Könnt ich genauso fragen, oder?“. Silvi schaute mich halb grinsend, halb erhabend an. Boah... Silvi war als Managerin spitze, aber als Aufpasserin nervte sie wie sonst was.
„Woher...?“. „Tobi... bin ihm gerad begegnet... und er meinte du warst die ganze Nacht nicht da...“. Tobi... dieser Arsch... Ich stand wütend auf. „Katja, beruhig dich...“, sprang Jul gleich mit auf und packte meine Hand, um so sicher zu gehen, dass ich da blieb. „Katja war die ganze Nacht bei mir... sie hatte kein Bock auf Tobi, okay... “, erklärte Ina ihrer Schwester. Silvi lachte kurz auf. „Na sicher... ist mir aber auch egal... anscheinend ist sie ja noch heil und gesund!“.
Ich schüttelte Juls Hand ab und verschränkte die Arme. „Sag mal, warum hast du so unerträgliche gute Laune? Ist ja schlimm...“. „Nur weil du schlecht drauf bist, Katja, müssen die anderen nicht auch schlecht gelaunt sein!“, lächelte sie freundlich. „Ach... lass mich doch...“. Ich ging Richtung Tür, da kam noch ein Spruch von Silvi. „Um halb elf werden wir draußen abgeholt... sei bitte pünktlich und sag bitte auch Tobi bescheid, ja?“.
Meine Antwort war eine knallende Tür.

Total entnervt betrat ich mein...äh... unser Zimmer. Ob ich mich gleich im Klo ersaufen sollte? Der Tag fing extrem Scheiße an, wie sollte er dann bitte enden? Mein Blick wanderte durchs Zimmer. Leer... umso besser. Trotzdem war ich stinksauer. Ich zog meine Jacke aus und warf sie wütend in die nächstbeste Ecke. Dabei fiel mein Blick auf den Balkon. Und wer stand da? Jedenfalls nicht Kurt Cobain...
Tobi hatte sich aufs Geländer gelehnt und schaute auf die Straße.
Ich riss die Balkontür auf und stampfte zu ihm. Das mit dem Kuss gestern musste nochmal mit Worten geklärt werden. Die Kälte ignorierte ich mal ganz cool.
„WAS FÄLLT DIR EIN???“. Tobi beachtete mich nicht, starrte weiter auf die Straße. „WAS SOLLTE DAS GESTERN???“. „Was sollte was?“, kam es mit rauer Stimme von Tobi. Er schaute mich immer noch nicht an. „WARUM HAST DU MICH GEKÜSST?“. Tobi drehte sich endlich zu mir, schaute mich verständnislosen Blick an. „Warum? Du fragst wirklich warum?... Verdammt, Katja... ICH HAB MICH IN DICH VERLIEBT!!!!“.
„Scheiße...“, brachte ich nur raus und wich seinem Blick aus. Ich hatte es geahnt... aber ich hatte noch gehofft, dass er nicht so starke Gefühle für mich hatte. Für mich war er doch immer nur ein Kumpel.
Tobi lachte bitter auf. „Mehr hast du nicht zu sagen, was?“. Er hatte recht. Mehr hatte ich wirklich nicht sagen. Konnte es nicht. Ich atmete tief ein. Die kalte Luft verursachte ein Stechen in der Lunge. „Tobi... ich...“. „Ach... lass stecken...“. Er ging mit gesenkten Kopf an mir vorbei, ins Zimmer. Ich folgte ihm.

93. Lauri

Grinsend erreichte ich den Treffpunkt, von wo aus, wir mit einem unserer Tourbusse nach Tampere fahren wollten.
Eero und Pauli standen schon da. Eero mit einem Buch in der Hand und Pauli schaute durch die Gegend. „Morgen, Jungs!“, begrüßte ich sie. Worauf nur ein schnelles „Morgen“ von Eero kam und Pauli mich blöd an schaute. „Ist was?“, fragte ich ihn grinsend. „Das selbe wollte ich DICH gerade fragen...“. Eero wurde neugierig und schaute von seinem Buch hoch. „Hast du irgendwelche Drogen genommen, Lauri?“, fragte er skeptisch. „Nö... ihr?“. Ich musste mir ein Lachen verkneifen. Eero und Pauli schauten sich an und fingen dann auch an zu grinsen. „Nein... sag bloß, Du und Silvi...“. „Yupp!“. Eero und Pauli schlangen ihre Arme um meinen Hals. So doll, dass ich kaum noch Luft bekam.
„Glückwunsch, Kleiner!“, kniff Pauli mir nach der Umarmung in den Arm. Und Eero setzte anscheinend genau das gleiche Dauergrinsen auf, wie ich.
Dann kam endlich der Bus um die Ecke gefahren und bremste genau vor uns. Ein schlechtgelaunter Manager sprang raus. „Wo ist Aki?“, fragte Jari genervt. „Da hinten kommt er schon!“, zeigte Pauli auf die gegenüberliegende Straße, wo Aki schlecht gelaunt angetrappt kam. „Boah... ich glaub wir sperren Aki und Jari am besten im Klo ein!“, meinte Eero, als er Aki sah. Ich nickte lachend.
Als Aki und endlich erreicht hatte, schaute er uns kurz an, grummelte ein „Morgen“ und stieg sofort ein. Eero seufzte lautstark, nahm seinen Rucksack und folgte Aki.
Pauli und ich taten es ihm gleich.

In Tampere angekommen, sprang ich aus dem Bus und streckte mich erstmal kräftig. Wir waren fast 5 Stunden nonstop hierher gefahren. Aki kam auch raus und ging Richtung Halle. „Hey, warte mal...“, sagte ich und folgte ihm. Er wartete natürlich nicht und ging weiter. Ich holte ihn ein, stellte mich vor ihm und zwang ihn so zum Stehenbleiben. „Willst du nicht endlich mal sagen, was mit dir los ist?“.„Das geht dich mal gar nix an, Ylönen!“, zischte er. „Dann halt nicht...“, ging ich einen Schritt beiseite und Aki ging sofort weiter. 3, 2, 1... „Ich hab Scheiße gebaut...“. Ich drehte mich und sah, das Aki da stand und mich anschaute. Geht doch...
Er kam zurück und schaute zu Boden. „Ich hab ihr ziemlich weh getan... aber warum schläft sie auch mit Tobi?“, sagte er verzweifelt. Mit „Ihr“ meinte er sicher Katja... aber das sie mit Tobi gepennt hatte war neu für mich, mir aber auch relativ egal. „Kann sie nicht pennen mit wem sie will? Meiner Meinung nach seid ihr nicht zusammen und du wusstest bis gestern nicht einmal, ob du was von ihr willst...“. „Das weiß ich jetzt auch noch nicht... aber...“, er brach ab und starrte hinter mich. Ich brauchte mich nicht um zudrehen, um zu wissen was los war. Laut dem Geräusch kam ein weiterer Bus auf den Hof... und das schien mit Sicherheit der von „Nightmare“ zu sein. Aki schaute mich kurz an, zuckte mit den Schultern und ging dann schnellen Schrittes in Richtung Halle.
Plötzlich umarmten mich von hinten zwei Arme. „Hey Süßer... na? Hast mich vermisst?“. Ich drehte mich um und sah direkt in die Augen meiner Traumfrau. Dann setzte ich mein Dauergrinsen wieder auf und Aki war im nächsten Moment vergessen.
„Nö... sollte ich?“.

94. Katja

Wenn ich jetzt wegrennen würde? Einfach weg... weit weg... Würde es dann weniger Probleme geben? Wären Aki, Tobi und ich dann glücklicher?
Ich setzte mich auf einen Stuhl im Catering-Raum und stocherte in meinem Essen rum. Eigentlich war ich nur hierher gekommen, weil mich diese ewige Stille zwischen mir und Tobi zum Wahnsinn trieb.
Es war schrecklich. Tobi sprach nich mehr mit mir, Aki ignorierte mich, zeigte mit die eiskalte Schulter. Ist es da verwunderlich, wenn ich das Gefühl hab, dass ich an allem Schuld bin?
„Boah... ich find’s so geil, dass Silvi und Lauri wieder zusammen sind...“, hörte ich Juls Stimme. Ich schaute zum Büfett und sah wie Jul und Ina sich ihre Teller voll mit irgendwelchen Sachen packten.
Dann kamen sie zu mir. „Na, du... weißt du schon das mit Silvi und Lauri?“, fragte Jul total glücklich. Ich zuckte mit den Schultern. „Habs mir gedacht... so wie die sich vorhin begrüßt haben...“. Ina schaute mich skeptisch an. „Ich hätt jetzt n bisschen mehr Freude von dir erwartet...“. „Verdammt... schön das die beiden glücklich sind... aber wer weiß wann sie sich das nächste Mal trennen!“.
Ich stand auf, schmiss dabei den Stuhl um und rannte raus.
Okay... schon bereute ich meine Worte von eben... Aber ich hatte gerade keinen Nerv für Silvi und Lauri...
Wieso eigentlich ich? Warum musste mir das passieren? Hätte das nicht genauso gut Jul passieren können? Hätte sich Tobi nicht in Ina verlieben können?
Ich setzte langsam einen Fuß vor den anderen. Meine Gedanken kreisten die ganze Zeit nur um Aki und Tobi. Aki... Tobi... Aki... Tobi.... und wieder Aki..............
Ich hörte wie schnelle Schritte mich einholten. „Katja... Deine Mutter will mit dir reden...“. Ich knallte auf den Boden der Tatsachen zurück. Schaute zur Seite. Sah Silvi, wie sie mir ihr Handy hin reichte. „Ist wichtig...“, sagte sie mit Nachdruck. Ich nahm das Handy und starrte es an. Meine Mutter? Warum rief sie nich auf meinem Handy an?
„Hallo?“, hörte ich es leise aus dem Handy. „Ja?“, antwortete ich dann endlich. „Katja... warum gehst du nich an dein Handy?“, fragte mich die nervöse Stimme meiner Mutter. „Weiß nich... Was ist los?“. Ich tastete meine Hosentasche ab und merkte das ich mein Handy gar nich bei mir hatte. „Dein Vater hatte einen schweren Autounfall...“. „Bitte was?????“, rief ich erschrocken. „Son Idiot ist ihm in die Seite gefahren...“. „Was... Warum... Wie geht’s ihm?“. Ich merkte wie mir die Tränen in die Augen schossen. „Er ist im Krankenhaus... Hatte noch mal Glück im Unglück... Er hat sich das Bein gebrochen und hat Prellungen.. Sonst geht’s im soweit ganz gut...“. „Soll ich nach Hause kommen?“. Ich schaute zu Silvi und sie schaute traurig zurück. „Nein... bleib ruhig in Finnland... ich wollte dir nur Bescheid sagen!“. „Aber... wenn, dann... kann ich zurück kommen...“. Ich wollte hier sowieso weg... „Nein... brauchst du nicht... oh... ich muss aufhören... mein Akku ist gleich leer.“, sagte meine Mutter. „Okay... Grüß Papa von mir und sag ihm gute Besserung... Meld dich bitte mal wieder und sag mir wies ihm geht, o-----kay?“ Klick.... tut tut... „Mutti?“.
Fuck...
„Katja? Du hast dein Handy beim Catering vergessen.......... ist irgendwas?“, fragte mich Ina, die plötzlich neben mir stand.
„Mein Vater hatte einen Autounfall....“

95. Lauri

„Katjas Mutter... ist wichtig!“, zeigte Silvi auf ihr Handy und verließ die Gaderobe. Okay... Ja... ich wusste noch gar nicht, dass Katja kein Handy mehr hat. Argh...
Supi... jetzt war ich mit Tobi allein in der Nightmare-Gaderobe... und es war ein halber Albtraum. Das Schweigen konnte einem die Kehle zu schnüren.
Ich schaute zu Tobi der auf einem Stuhl saß und Löcher in die Wand starrte. Ich suchte verzweifelt nach einem Gesprächsthema.
„Und? Schon aufgeregt?“. Ja... was für eine Frage. „Das Konzert kann mich mal...“, murmelte Tobi. Woah... was für eine Einstellung. Ich war begeistert...
Es klopfte. Da Tobi nicht die Anstalten machte „Herein!“ zu sagen, tat ich es einfach und zu meinem Erstaunen stand Aki in der Tür.
Er schaute durch das Zimmer und blieb an Tobi haften. Ich bin mir nicht sicher, aber irgendwie spürte ich, dass ein Gewitter in diesem Zimmer aufzog.
„Wo ist Katja?“, brummte Aki. Ich schaute ihn fragend an. Mit dieser Frage hätte ich nicht gerechnet. „Interessiert dich nen Scheißdreck... sie will dich eh nicht sehen!“, zischte Tobi Aki an. Aki´s Augen verengten sich zu Schlitzen. „Was willst du denn?“. „Was ich will?“, fragte Tobi mit einem eiskalten Lachen. „Ich will das Katja glücklich wird...!“. Tobi stand auf und ging einen Schritt auf Aki zu, der jetzt schon vor Wut kochte. „Ich will das sie endlich einsieht das du sie nur verarscht!!“. „Wer verarscht hier wen, hä?“ Blitzschnell war Akis Hand an Tobis Kehle. Ich sprang auf, rannte zu ihnen und schubste Aki weg, stellte mich zwischen beiden. „Spinnst du?“, schrie ich Aki an. Ich konnte ihn ja verstehen, aber musste er deswegen Tobi gleich an die Kehle gehen? Aki beachtete mich gar nicht und funkelte weiter Tobi an. „Mit mir hat sie nicht aus Frust geschlafen...“. Tobi zog an mir vorbei und donnerte Aki seine Faust direkt ins Gesicht. Aki fiel zu Boden.
„Verdammt... was ist hier denn los?“, kam Juls Stimme empört von der Tür. Wir drei schauten allesamt erschrocken zur Tür.
Dort standen Jul, Ina, Silvi... und Katja.

Katja schaute skeptisch von Tobi zu Aki und wieder von Aki zu Tobi. Anscheinend konnte sie eins und eins zusammen zählen.
„Ihr habt auch nichts besseres zu tun, oder?“, schrie sie wütend, ging zur Couch, holte sich ihren Rucksack, und eilte dann zur Tür.
„Bis zum Konzert will ich keinen Einzigen mehr sehen!!!“, verließ sie halb wütend, halb verzweifelt den Raum. Ina rief ihr noch ein „Katja, warte...“ hinter her, aber es brachte nichts.
Aki stand endlich auf und starrte zu Tobi, der wiederum ungläubig die offene Tür musterte. Bevor wieder ein Streit ausbrach, schnappte ich Aki am Arm. „Wollten wir nich noch was Essen gehen? Silvi kommst du mit?“. Sie nickte.
„Wir kommen auch noch mal mit!“, meldeten sich Ina und Jul im Chor, die allein schon wegen Tobis Blick keinen Bock auf ihn hatten.
„Lass Katja ja in Ruhe!“, zischte Aki noch Tobi zu, bevor wir den Raum verließen.

96. Katja

Hatte ich übertrieben? Vielleicht hatte ich die Situation auch nur falsch verstanden, und Aki war einfach nur so gestürzt....... „Klar. Katja träum weiter!“, sagte ich mir und schmiss wütend, das voll geheulte Taschentuch weg, was ich in der Hand hatte.
Diese Idioten...
Heute lief echt gar nix. Erst das mit Aki, dann gesteht Tobi mir seine Liebe, dann der Autounfall meines Vaters... warum immer ich?
Ich war ganz froh jetzt mal allein zu sein und ich war mir sicher, dass sie anderen wussten wo ich jetzt war... nämlich im Tourbus. Vielleicht klappte ja wenigstens dies und ich hatte noch ne knappe Stunde Ruhe vor den Anderen bevor das Konzert startete, auf welches ich heute „unheimlich“ Bock hatte.
Die Tür vom Tourbus ging auf und jemand kam herein. Es war dunkel und so konnte ich nicht erkennen wer es war. Es war mir aber auch scheiß-egal... „LASST MICH IN RUHE!!!!“, schrie ich. „Wir müssen reden...“, ertönte Akis Stimme ruhig. Er kämpfte sich durch den Bus und kam direkt auf mich zu. Lediglich diese komische Nachtbeleuchtung war an. Ich sah nur seine Umrisse.
„Wir müssen gar nix... Hau ab...“. Aki tat genau das Gegenteil. Er setzte sich genau neben mich auf den Boden und lehnte sich ebenfalls gegen die Wand in der diese „Schlafkuhlen“ oder wie auch immer waren.
„Ich hab das mit deinem Vater gehört... Tut mir Leid...“, sagte Aki und starrte auf die gegen über liegenden „Schlafkuhlen“. „Braucht es nicht... Er ist nicht allzu schwer verletzt!“, brummte ich. Aki fehlte mir gerade noch.
Stille trat ein. Toll... deswegen war er hier? Um mich an zu schweigen. Ich wollte gerade aufstehen, da griff Aki meine Hand. „Bleib hier... bitte...“. Ausnahmsweise tat ich es.
Ich verschränkte provokativ die Arme. Aki atmete hörbar tief ein und wieder aus. „Tut mir Leid wegen heute Morgen... ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Natürlich hat mir der Kuss was bedeutet...“. Akis Stimme hallte im Bus wieder. „... und wie du sicher gemerkt hast, war es ein Schock für mich, dass du was mit Tobi hattest...“, lachte er schüchtern auf. „Ich hätte nie was mit ihm gehabt, hättest du mich nicht einfach stehen lassen...“, murmelte ich und vergrub jetzt mein Gesicht in den Händen. Ich wusste noch nicht, was für mich ein glückliches Ende dieses Gesprächs war...
Aki legte einen Arm auf meine Schulter.
„Für mich gibt es ein Problem...“. Aki stockte kurz, um sich zu sammeln. „Ich weiß immer noch nicht, ob es nur Freundschaft ist, oder...“. „Mehr...“, brachte ich seinen Satz flüsternd zu Ende. „Ja...“, hauchte er nur schwach.
Wir standen wieder am Anfang. Wieder konnte keiner von uns sagen, was es denn nun zwischen uns war... vielleicht war es wirklich nur eine tiefe Freundschaft... vielleicht aber auch nicht...
„Wir fliegen morgen für drei bis vier Tage nach Madrid...“, erklang wieder Akis Stimme ziemlich ruhig. „Wenn wir wieder kommen seid ihr immer noch in Finnland, soweit ich weiß...“. „Ja...“, brachte ich gerade so heraus. Ich wusste nicht worauf er hinaus wollte.
„Vielleicht sollten wir beide diese Tage nutzen um uns unserer Gefühle klar zu werden...“. Ich schluckte. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Was sollte ich darauf antworten? ‚Ach nö du, Aki... lass mal..‘????? Wohl kaum. Also zwang ich mir ein „Ähm... ja...“ ab.
Danach trat wieder vollkommene Stille ein...... bis jemand gegen die Bustür klopfte. „Katja???“, hörte ich Inas Stimme. „Ja?“, rief ich. Die Tür ging auf, und ich sah die Umrisse von Inas Kopf. „Kommst du bitte mit... bald fängt das Konzi an...“.
„Ja... okay...“, ich stand auf, schaute kurz zu Aki, nickte ihm zu und ging Richtung Tür....
Dieser Finnlandtrip war ein Horrortrip...

97. Lauri

„Boah… Sonne!!!“, rief Pauli als wir den Flughafen in Madrid verließen. „Trotzdem nich gerade warm…“, nörgelte ich. „Hey… es sind hier immerhin 10°C, und das im Februar… wärmer als in Finnland!“. „Danke Eero für diese Auskunft…!“.
„Eero… wo du doch so schlau bist, kannst du uns auch sicher sagen, wo unser Schlagzeuger abgeblieben ist…“, kam es dann von Pauli. Ich drehte mich zu allen Seiten um. Woah… war mir noch gar nicht auf gefallen… Aki war weg.
Eero war genauso verwundert. „War der nich die ganze Zeit bei uns? Apropos Schlagzeuger… unser Manager is auch nich da…“. „Der is nie da…“, erinnerte ich ihn.
„Guckt mal dahinten…“, zeigte Pauli auf eine weitere Ausgangstür. Eero und ich folgten neugierig Paulis Fingerzeig und das große Um- Die- Wette- Grinsen begann. Unser Manager schob Aki vor sich her, der seine Arme provokativ verschränkt hatte und partout nicht weiter wollte.
Pauli, Eero und ich schnappten unsere Koffer und gingen den beiden entgegen. „Was isn mit dir los?“, fragte Pauli. Aki schaute einfach nur finster drein. „Sein Koffer ist nach Athen geflogen…“, antwortete unser Manager nur knapp. „Wahrscheinlich kriech ich den erst bei der Abreise zurück…“, brummte jetzt auch Aki.
„Oh… das ist blöd… aber du kannst ja Sachen von uns haben…“, bat Eero gleich Hilfe an. „Ja nee… is klar…“. „Boah… dann geht ihr halt noch shoppen… euer erster TV-Auftritt ist eh erst heute Abend…“
„Alles klar Chef!“, salutierten Pauli und ich gleichzeitig.

„Aki… hier… das hier müsste dir gefallen… und passen…“, hielt ich ihm ein Tanktop vor die Nase. Aki jedoch ignorierte es total und starrte Löcher in die Luft. „Lauri an Aki… Ist jemand zu Hause?“. Anscheinend nicht. „A K I ! ! !“, brüllte ich an. Die Leute im Laden drehten sich erschrocken zu mir um, schütteten dann verständnislos die Köpfe.
Aki hingegen fragte verwirrt „Hast du was gesagt?“. „Ja…“. Ich hielt ihm das Tanktop vor die Brille. „Ja… das nehm ich…“, nahm er es an sich und versank wieder in Gedanken. „Sag mal Aki… wo bist du verdammt noch mal mit deinen Gedanken?“. „In Finnland!“, seufzte er. „Äh… ja… Finnland ist groß!“. Okay… ich konnte mir denken worum bzw. um wen es ging. „Na ja… ich denk halt gerad über ne Sache nach…“. „Boah nein… Aki… wie kannst du das tun???????“, fragte ich spielerisch entsetzt. Mein Kumpel sah mich verständnislos an. Für ihn war die Sache sehr ernst.
„Es geht um Katja…“. Mir lag schon wieder ein ironisches „Nein, wirklich?“ auf der Zunge, aber ich wandelte es zu einem „Erzähl…“ um.
„Na ja… wir wollten halt die Tage hier nutzen um uns unserer Gefühle klar zu werden…“. „Ihr habt miteinander geredet?“. „Ja, gestern vorm Konzert…“. Aki ging langsam weiter und begutachtete jetzt auch mal endlich einige Kleidungsstücke. „Na ja… jedenfalls…“, er schaute mich direkt an, „… weiß ich seit dem Abflug über meine Gefühle bescheid…“. Akis Gesichtsausdruck veränderte sich nicht, ich konnte lediglich an seinen Augen ablesen, was er meinte.
„Dann ruf sie an…“. Aki schüttelte den Kopf. „Nein… es ist wohl besser, wenn ich ihr das persönlich sage…“


98. Katja (3 Tage nach dem Konzert)

„Kaaaaaaaaaatjaaaaaaaaaaaaaaa!!!“. „Hä, was?“, schüttelte ich den Kopf und schaute hoch, direkt in die Gesichter von Ina und Jul. „Hey, wenn du uns schon auf nen heißen Kakao einlädst, dann sprech auch mit uns und beantworte die Fragen die wir dir ab und zu stellen.“. „Ihr habt mir Fragen gestellt?“. „Katja lädt uns ein?“, fragte Ina und ihr Arm schellte in die Höhe um noch einen Kakao zu bestellen. Jul seufzte entnervt auf und stütze ihren Kopf auf die Hände.
„Ihr beide seid echte Chaoten…“. „Und ihr beide habt Liebeskummer… das is auch nicht leicht…“, rechtfertigte sich Ina. Ich war verwirrt. Soweit ich wusste, war ich keineswegs schizophren… aber warum sprach Ina „uns beide“ an.
Erschrocken schaute ich zu Jul. „Hab ich was verpasst?“. Jul zuckte mit den Schultern und schaute auf ihren Kakao. „Jupp…“, antwortete mir Ina. „Bei Mark und Jul krieselt´s.“. „Echt? Warum?“. „Nicht so wichtig…“, blockte Jul ab. „Mark ist fremd gegangen…“, antwortete Ina wieder, als wäre alles in bester Ordnung. Jul warf Ina einen bösen Blick zu.
„Wann?“. „Als wir in Tampere waren… keine Ahnung, ob er deswegen hier in Helsinki bleiben wollte.“. Juls Stimme klang hart und trocken. So hatte ich sie bisher selten erlebt. „Warum hast du mir nichts gesagt?“. Jul zuckte wieder nur mit den Schultern. Ina nahm gerade ihren neuen Kakao entgegen, schaute mich an und sagte dann ernst: „Du bist ja die ganze Zeit mit dir selbst beschäftigt!“. Ich schaute getroffen von Ina zu Jul, die weder nickte, noch den Kopf schüttelte oder sonst etwas tat. Sie sah mich einfach nur an. War ich wirklich so mit mir selbst beschäftigt, dass ich nicht mal merkte dass es Jul dreckig ging? Die letzten Tage hatte ich mich entweder im Zimmer verkrochen, Voraussetzung dafür war, dass Tobi nicht da war oder ich war alleine spazieren oder dergleichen. Beziehungsweise, wenn ich mal bei Ina und Jul war, war ich zu tief in meinen Gedanken versunken.
„Oh… stimmt…“, meinte ich kleinlaut. Jul lächelte trocken. „Schon okay!“. Ich starrte jetzt auf meinen Kakao. „Das hätte ich Mark gar nicht zu getraut!“. „Ich auch nicht!“, sagte Jul leise und ihr rollten kleine Tränen über das Gesicht. Ich stand auf und ging um den Tisch. Da kniete ich mich nieder und nahm Jul in den Arm. Ina die neben ihr saß, legte ihre Hand auf Juls Schulter.
„Er sagt er bereut es, aber ich glaube es ihm nicht einmal…“, weinte Jul. „Mark weiß gar nicht was er an dir hat, Jul…“, sagte Ina behutsam. Ich nickte zustimmend. Ich fühlte mich gerade total schlecht. Ich hatte wirklich nicht mit bekommen, dass es einer meiner besten Freundin dreckig geht. Und alles nur wegen diesem scheiß-finnischen Drummers… den ich verdammt noch mal vermisse…
„Lasst uns spazieren gehen…“, erhob ich mich und schaute abwechselnd zu Ina und Jul. Beide stimmten mit einem Nicken zu. Es wurde wohl mal wieder Zeit, dass wir uns mal um einander kümmerten… dass ich mich um die anderen kümmerte…
Bei dem Thema Aki, war für mich jetzt alles klar.
Ein Lächeln huschte mir übers Gesicht…


99. Lauri (wieder zurück in Finnland)

Jaahhh… endlich wieder daheim. Auch wenn wir nur 3 ½ Tage weg waren, war es doch schlimmer als sonst. Vielleicht lag es daran, dass ich die ganze Zeit wusste, dass Silvi in Finnland war und wir in Spanien von einem Termin zu anderen jagten. Vielleicht lag es aber auch nur daran, dass die ganze Band Ruhe vor Aki haben wollte, der schon seit dem ersten Tag, wieder nach Hause wollte.
„Jetzt, geh endlich zu Katja…“, meinte Pauli mir angestrengter Stimme, als er seinen Koffer in den Van hievte. „Haha… es ist 3.15 Uhr in der Frühe… sie wird sich freuen mich zu sehen…“, grummelte Aki, dem die Tageszeit ganz und gar nicht passte. „Und wer weiß, ob ihr meine Entscheidung gefällt…“. „Tja… No Risk, No Fun“, gab Eero locker vom Hocker von sich. „Hä… was?“, fragten Pauli, Aki und ich verwirrt. Eero zuckte mit den Schultern. „Habs schon lange nicht mehr gesagt… hatte mal wieder Bock zu…“. „Klar doch…“, nickte ich skeptisch, wandte mich dann aber Aki zu.
„Pass auf Kleiner…“. „Ich bin größer als du…“. „Benimmst dich aber wie 12. was jetzt aber auch egal ist, denn ich fahre jetzt eh ins Hotel zu Silvi. Komm einfach mit. Vielleicht ist Katja ja noch wach…“
Aki zuckte mit Schultern, nickte dann aber.

„Aki…“. „Was?“. „Häng hier nicht wie son Schluck Wasser rum! Du zerstörst meine ganze gute Laune!“, erklärte ich ihm halb ernst, halb ironisch, als wir im Aufzug standen und hinauf fuhren. „Sorry… Aber ich…“. Ich seufzte und war froh, dass wir endlich oben an kamen.
Ich stieg vor Freude mit ziemlich viel Elan aus…...... und Buff… lag ich einem wildfremden Typen zu Füßen. „Ey, sach ma, kann man hier nich mal Nachts in Ruhe den Gang entlang laufen?“, maulte er rum und ging sofort weiter.
„Ja, danke mir geht’s gut…“, rief ich ihm sarkastisch hinterher und murmelte dann: „Kannst froh sein, dass ich mich viel zu sehr auf meinen Schatz freue…“. Aki gab mir seine Hand und ich rappelte mich auf. Dann gingen wir, wahrscheinlich mit zwei von grundauf verschiedenen Stimmungen und Gefühlen, zu Silvis Zimmer.
Fast vor Freude springend, klopfte ich an die Tür. Sie ging auf und ein leiser, heller Schrei kam mir entgegen, dicht gefolgt von einer heftigen Umarmung. „Lauri…“. Ich wusste gar nicht, dass man so freudig flüstern konnte. Ich lächelte und gab Silvi einen innigen Kuss.
„Was macht ihr schon hier?“. „Warum flüsterst du so?“, fragte ich grinsend. „Weil Katja schläft…“, deutete Silvi aufs Zimmer und umarmte mich dann plötzlich wieder. „Ich hab dich so vermisst…“. „Ich dich auch…“
„Warum schläft Katja bei dir?“, unterbrach Aki mit einer einfachen Frage unsere Liebeleien. Warum hatte ich noch mal mitgenommen?
„Kurzfassung: Tobi und Katja gleich Stress! Jul und Mark gleich Mega-Stress, Mark jetzt bei Tobi, Ina bei Jul, Katja bei mir…“, erklärte Silvi wirklich sehr kurz. Trotzdem folgte ein verständliches Nicken von Akis und Meiner Seite. Dann kurze Stille.
„Was hältst du von einem kleinen Nachtspaziergang?“, fragte ich Silvi, die ohne zu antworten im Zimmer verschwand und kurze Zeit später mit einem Mantel im Arm auftauchte. „Nicht viel…“, grinste sie.
„Kann ich… kann ich bei Katja bleiben?“, fragte Aki.
Silvi schaute ihn erst verdattert, dann glücklich an.
„Ja… klar!“

100. Katja

„Lalaala“. Freudig sprang ich von einer weißen Wolke zur Nächsten. „Laaaalala“ Es war alles so schön und so leicht. Um mich herum wirbelten Blütenblätter und kleine rosa Hasen sprangen im Kreis vor mir her. Mein kleines rosa Tutu passte farblich perfekt zu den kleinen Häschen. Ja. Es war wunderschön. Ich fühlte mich wohl… ich war…………. KLIRR!!!!

Ich saß wie eine Eins im Bett. „Fuck!“, hörte ich es leise fluchen. „Man, Silvi… kannst du nicht aufpassen…“, grummelte ich. Obwohl, vielleicht sollte ich Silvi besser danken. Wenn ich da an den Traum eben gerade denke. Mir lief ein Schauer den Rücken runter. Woah… abartig. Rosa. Bäähhh…
Es ging weiter mit einem dumpfen Schlag, dicht gefolgt von einem weiteren leisen „Fuck…“. Da mir Silvi doch ein bisschen unbeholfen schien, griff ich in Richtung Nachtischlampe und machte das Licht an. „Alles oka….AHHHHHHHHHHHHHHHHHHH!!!!“, schrie ich, als ich sah, dass nicht Silvi im Zimmer stand. Ich griff zu meinem Kopfkissen und schleuderte es dem Einbrecher mit voller Wucht in den Nacken. Dieser kam ins Schleudern, konnte sich nicht mehr halten und fiel mit dem Kopf direkt auf den Fernsehschrank. „AHHHHHHHHHHHH….“. Jetzt schrie er. „Verdammt, Katja… Ich bin´s…“, sagte eine mir sehr vertraute Stimme schmerzvoll. „Aki!“, sprang ich auf und lief zu ihm.
Er hatte sich mittlerweile gegen die Wand gelehnt und hielt sich die Stirn. „Shit… du blutest… warte…“. Ich rannte schnell ins Bad, nahm ein Handtuch, machte es nass und brachte es dann zu Aki. „Hier…“. Ich nahm seine Hand von der Stirn und legte das kalte Handtuch drauf. „Danke“, murmelte er und hielt den „Verband“ jetzt selbst. „Was um Himmels willen machst du hier? Und wo ist Silvi?“. Ich setzte mich aufs Bett, stützte den Kopf auf die Arme und schaute Aki fragend an. „Silvi ist mit Lauri draußen… und ich bin hier, weil… na ja… ich endlich mit dir reden wollte…“. „Mitten in der Nacht…“. „Ja nee! Eigentlich wollt ich dich ja noch schlafen lassen.“. Ich musste grinsen. Er sah total niedlich aus, wie er da am Boden kauerte und sich rechtfertigte. „Seit wann seid ihr zurück?“. „Seid ner Stunde… Lauri und ich sind gleich hierher gefahren…….. cooler Schlafanzug, übrigens…“. Grinste jetzt auch Aki leicht. Ich schaute an mit hinunter. Och nö. Das war jetzt uncool. Ich hatte ganz vergessen, dass ich hier ja im Snoppy-Schlafanzug rumlatschte. „Danke…“. Ich winkelte die Beine an, schlang die Arme herum und legte den Kopf nun auf die Knie. Aki und ich wurden ernst.
„Aki… ich hab viel nachgedacht…“, fing ich einfach an. Je eher die Sache geklärt war, desto besser. „Nein, Katja. Lass mich zuerst. Wegen mir hat die ganze Scheiße ja schließlich angefangen...“, unterbrach mich Aki und schaute mich ernster als ernst an.
So wie er das sagte. So wie er mich dabei anschaute. Fuck. Wegen ihm hatte die Scheiße angefangen? Das klang ganz danach, als ob er nicht das gleiche für mich fühlte, wie ich für ihn. Shit. Mehr wollte ich jetzt dazu gar nicht hören.
„Also eigentlich war mir schon am ersten Tag in Madrid alles klar…“. „Schon gut, Aki… ich denke wenn du jetzt weiter machst, verletzt du mich nur noch mehr…“. „Ähm… was?“. Aki schaute mich verwirrt an. „Na ja… wenn du die ganze Scheiße beenden möchtest, heißt das ja wohl, dass wir so weiter machen wie vorher. Als Freunde…“. Aki stand auf, legte das nasse Handtuch beiseite und stellte sich vor mich. Er steckte seine Hände in die Hosentaschen und schaute zu mir herab. „Nein, Katja… genau das wollte ich eben nicht, aber anscheinend willst du das ja…“. Ich blickte zu ihm hoch. Was hatte er da gerade gesagt? Er wollte nicht als Freunde weiter machen?
„Aki… Ich liebe dich!“, sagte ich plötzlich leise. Woher auf einmal der Mut kam, weiß ich nicht, aber ich war froh, dass ich es ihm endlich gesagt hatte.
Ich stand auf und stellte mich vor ihm hin. „Das letzte was ich will ist, dass wir „nur“ Freunde sind… ich will mit dir zusammen sein, deine Nähe spüren… und…“. Aki legte einen Arm um meine Hüfte und eine Hand in meinen Nacken, zog mich zu sich heran und küsste mich einfach. Es war unglaublich. Meine Knie wurden weich und in meinem Bauch flogen hunderte Schmetterlinge ihre Kreise. Ich war gerade extrem glücklich.
Aki ließ nach und schaute mir tief in die Augen.
„Ich liebe dich auch, Kleine!“

101. Lauri

Hand in Hand schlenderten wir durch die Nacht. Es war kalt, aber es störte weder mich noch Silvi. Der Himmel war klar und man konnte perfekt die Sterne am Himmel sehen.
Wir unterhielten uns gerade über Aki und Katja.
„Du hättest Katja mal sehen sollen. Die war völlig durch den Wind...“. „Und du hättest Aki erleben müssen! Der war ein reinstes Nervenbündel!“, grinste ich. „Ob die beiden es jetzt endlich mal schaffen?“, fragte Silvi ernst. Ich zuckte mit den Schultern. „Ich mein Aki liebt Katja und Katja liebt Aki. Eigentlich dürfte nichts mehr schief gehen…“. „Eigentlich! Aber die beiden haben ein Talent dafür es zu versauen…“.
Ich blieb stehen. Silvi stoppte und schaute mich fragend an. „Ob es zwischen Finnen und Deutschen immer so schwer ist ne Beziehung aufzubauen?“, fragte ich lächelnd. Silvi verdrehte die Augen, kam zu mir und gab mir einen Kuss. „Die Frage kannst du dir selber beantworten, Kleiner! Aber du hast recht… bei uns hat’s ja auch „etwas“ länger gedauert.“. „Na ja… beim ersten Mal nur ne Woche…. Beim zweiten Mal fast 5 Monate…“, grinste ich. „Bei denen dauert es aber schon über n halbes Jahr!... können wir jetzt weiter gehen?“, kam es von Silvi. Ich nickte, nahm wieder ihre Hand und wir setzten unseren Spaziergang fort. „Glaubst du die waren von Anfang an in einander verknallt?“. „Denk mal schon. Also Katja fand Aki schon immer geil…“ „Katja war anfangs nicht mehr als ein Fan!“, unterbrach ich Silvi. „Ich glaub nicht, dass das richtige Gefühle waren.“. Silvi nickte. „Stimmt auch wieder… na ja… wir können nur hoffen, dass es heute endlich mal klappt!“. Jetzt nickte ich. Es wäre den beiden zu gönnen. Es gibt schließlich nichts Schöneres als die Liebe… Da fiel mir wieder was ein.
„Du Silvi? Mir ist in Madrid auch was klar geworden!“. Ich blieb wieder stehen und schaute Silvi ernst an. Sie schaute verunsichert zurück. Ich stellte mich genau vor ihr und nahm ihre Hände in meine. „Mir ist klar geworden, dass ich dich über Alles liebe und das ich vorher noch nie einen Menschen so geliebt habe wie dich. Du bist irgendwie zu meinem Leben geworden und…“ Silvi küsste mich jetzt einfach. Mein Herz hüpfte auf und ab. Ich liebte dieses Gefühl, ich liebte diese Küsse und ich liebte diese Frau.
Als Silvi nach ließ, sagte sie: „Ich liebe dich mehr als alles andere im ganzen Universum!“. Ich lächelte und gab ihr auch einen Kuss. Silvi nahm meine Hand und wollte gerade wieder los spazieren, da schoss eine Frage aus mir heraus.
„Willst du mich heiraten?“. Silvi blieb wie angewurzelt stehen und drehte sich zu mir um. Ihr Gesichtsausdruck war nicht zu deuten. „Was?“, fragte sie leise nach. „Silvi, willst du meine Frau werden?“. Innerlich breitete sich Unbehagen in mir aus. „Nein…“ WAS?????? „Also… ich mein Ja!“. Jetzt war ich verwirrt. „Was denn nun?“, fragte ich geschockt. „Ja!“ Silvi lächelte und fiel mir um den Hals. „Aber noch nicht jetzt…“, flüsterte sie mir ins Ohr. „Egal wann… Hauptsache wir heiraten irgendwann!“, freute ich mich und schloss Silvi Ganz fest in meine Arme.
Ich war der glücklichste Mann der Welt mit der schönsten Frau der Welt!!!

102. Katja (letzter Abend vor der Abreise)

Behutsam drückte Aki mich an sich heran. Ich kuschelte mich an ihn und lauschte der Musik die durch Akis Wohnzimmer ihre Kreise zog. Aki hatte die Augen geschlossen und spielte verträumt mit meinen Haaren.
Mein Herz sprang fröhlich auf und ab. Ich glaub so verliebt war ich noch nie. Trotzdem war ich heute nicht ganz glücklich.
Ich schaute zum Fenster. Das Wetter symbolisierte perfekt die Stimmung die in Bezug auf Morgen bei uns beiden langsam aufkam. Es war bewölkt und der Schneeregen kam wie aus Eimern vom Himmel.
„Ich liebe dich!“, flüsterte Aki mir ins Ohr. „Ich liebe dich auch!“.
Aki richtete sich auf, beugte sich über mich. Er wollte mir gerade einen Kuss geben, da klingelte es an der Tür. „Nicht jetzt…“, murmelte er und küsste mich endlich. Ich legte meine Hände in seinen Nacken und zog ihn dichter zu mir heran.
Es klingelte wieder. Aki hörte auf mich zu küssen und schaute mich an. „Vielleicht ist es wichtig!“, sagte ich Schulter zuckend. „Das sind bestimmt nur die Anderen, die sich um ungefähr 2 stunden vertan haben!“, brummte Aki. Jetzt klingelte es Sturm.
Aki stand grummelnd auf und schleppte sich zur Tür. „Hey Aki mein Freund! Alles klar?“, hörte ich Pauli gut gelaunt fragen. „Jetzt nicht mehr.. was wollst ihr hier?“, fragte Aki genervt. Da waren anscheinend mehrere. „Na ja… uns war langweilig… schließlich treffen wir uns ja erst in zwei Stunden, da dachten wir, wir kommen mal zu euch und feiern schon mal vor!“. „Haut ab!“. „Nö! Nicht ohne deine Freundin.“. „Hä?“. Ich verstand genauso wenig wie Aki und ging jetzt auch zur Tür. „Ah… da isse ja!“, grinste Ina mich an. „Was um Himmels willen wollt ihr?“, fragte ich. „Dich!“, sagte jetzt Jul. „Nimm deine Jacke und komm mit! Eero und Pauli werden sich schon um deinen Freund kümmern!“. Jetzt kam auch Eero die Treppe hoch. Er hatte eine Tasche bei sich und grinste. „Das Taxi wartet draußen auf euch!“, sagte er zu Jul und Ina.
„Könnt ihr uns bitte mal erklären was hier los ist?“, fragte Aki verwirrt. „Nö!“, kam es einstimmig und schon latschte Pauli zur Flurgarderobe, nahm meine Jacke, drückte sie mir in die Hand und schob mich auf den Hausflur. „Mit kommen…!“, fassten Jul und Ina mir unter die Arme und schleppten mich die Treppe herunter. „Was soll der scheiß?“, fluchte ich. „Das wirst du noch sehen!“, antwortete mir Ina.

103. Lauri (zur gleichen Zeit)

„Sag, dass du es nicht so gemeint hast!!!“, sagte Silvi spielerisch böse und ‚nagelte’ mich auf dem Bett fest. „Dann würde ich lügen!“. „Boah…“. Silvi schnappte sich ein Kopfkissen und drückte es mir kurz aufs Gesicht. Als sie es wieder runter nahm, schaute sie mich auffordernd an. „Ich habe recht und stärker bin ich auch noch!“, grinste ich fies, nahm Silvis Handgelenke, richtete mich auf und drehte sie auf den Rücken. Ich kniete mich über sie und drückte ihre Arme nach oben. „Du Macho…“. Sie steckte mir ihre Zunge raus. „Tja… so´n Pech das du ausgerechnet diesen Macho liebst.“. „Tja... Warst halt so ´n Sonderangebot. Da konnte ich nicht nein sagen!“. Das ließ ich mir nicht gefallen. Ich nahm beide Handgelenke in eine Hand und fing an Silvi durch zu kitzeln. „Hey…“, lachte Silvi. „Lass mich doch mal ausreden…“. Warum sollte ich das tun? Ich kitzelte sie weiter. „Du bist das geilste und süßeste Sonderangebot aller Zeiten!“, brachte Silvi unter Lachen hervor. „Ach ja?“. Ich stoppte das kitzeln und schaute sie skeptisch an. Silvi nickte heftig und lächelte übertrieben. „Na gut!“. Ich ließe ihre Handgelenke los und beugte mich zu ihr herunter um ihr einen Kuss zu geben, da vibrierte es in meiner Hosentasche. „Schatz… du vibrierst!“, lächelte Silvi. „Danke, dass hab ich auch gemerkt!“. Ich holte mein Handy aus der Tasche. Kurzmitteilung. Ich öffnete die SMS und sah, dass sie von Eero war. „Von Eero… Abschiedsparty auf Morgen 10 Uhr bei mir zu Hause verlegt! Wir frühstücken schön gemütlich und bringen unsere Lieblings-Deutschen dann zum Flughafen. CU Eero!“, las ich die SMS vor. „Cool… gefällt mir!“, zwinkerte Silvi. „Mir auch!“, grinste ich. „Also zumindest der erste Teil der Sms! Den zweiten find ich zum kotzen!“. Denn dass ich Silvi morgen schon wieder gehen lassen musste, gefiel mir gar nicht. „Mir schon!“, kam es relativ gelassen von Silvi. Bitte was??? „Hab ich dich gerade richtig verstanden?“, fragte ich geschockt nach. „Yupp!“. „Aber…“. Ich war sprachlos, verstand ihre Reaktion einfach nicht. „Dann bin ich endlich meine kleine Schwester los!“, grinste Silvi jetzt. Bei mir fing es im Kopf an, zu rattern. „Heißt das etwa…?“, fragte ich verwirrt. „Ja, dass heißt es. Ich bleib noch n Weilchen in Finnland. Also ne Woche oder so!“.
Mein Blick erhellte sich. „Echt???????“. Ich gab Silvi einen Kuss. Ich wollte es aber nicht bei einem Kuss belassen, also küsste ich sie mehrmals hinter einander und sagte zwischendurch immer wieder „Ich liebe dich!“. Irgendwann wurde es Silvi anscheinend zu fiel und sie hielt meinen Mund zu. Dann lächelte sie mich an. „Ich liebe dich auch, du kleiner Macho!!!“. Sie zog mich zu sich hinunter und küsste mich ausgiebig.

104. Katja

„Das ist nicht euer ernst, oder?“. Ich schaute mich ziemlich verwundert im Spiegel an und musterte mich von oben bis unten. „Oh doch!“, fiepte Jul und schaute mich mit strahlenden Augen an. ich schaute immer noch in den Spiegel. War ich das wirklich? Ich mein da im Spiegel stand ein Mädel mit meinem Gesicht, hatte ein relativ kurzes schwarzes Kleid an, Haare hoch gesteckt und etwas mehr Farbe als sonst. „Also ich finds irgendwie witzig!“, meinte Ina. Jul haute ihr in die Seiten und schaute mich dann wieder mit ihren strahlenden Augen an. „Aki wird begeistert sein!“. Diesmal haute Ina ihr in die Seiten und fügte schnell „Die anderen natürlich auch!“ hinzu. Ich drehte mich zu den beiden um und schaute sie skeptisch an. „Warum brezelt ihr mich eigentlich auf wie so ein kleines Luder und tragt selber aber noch eure Alltagsklamotten?“. Irgendwie kam mir das alles sehr spanisch vor. Jul und Ina schauten sich fragend an und dann kam Jul zu mir, legte mir einen Arm um die Schulter und suchte nach den richtigen Worten. „Also… du… du bist ja jetzt mit Aki zusammen und Silvi halt so mir Lauri… ne?“. Ich nickte. „Na ja… da dachten wir so… also Ina, Pauli Eero und ich, wir ziehen euch heute Abend allen vieren was ganz besonderes an… is ja schließlich euer letzter Abend!“. „Aha!“. Ich schaute zu Ina die wild mit ihren Kopf nickte. Ich glaubte den beiden irgendwie kein Wort. Und langsam fühlte ich mich auch unwohl in meiner ‚neuen’ Haut.
„Oh gott, Ina, schau mal wie spät es schon ist!“. Ina schaute auf die Uhr und erschrak. „Schon so spät… wir wollten ihr doch vor der Party noch die Überraschung zeigen!“. Ich blickte auf. „Überraschung?“. „Ina, musst du alles verraten!“. Ein glück schaute ich schnell zu Jul um noch zu sehen, wie sie Ina zu zwinkerte. „Kommt… was ist los… ihr verarscht mich doch hier nach Strich und Faden!“. „Nö nö… Komm einfach mal mit!“, harkte sich Jul bei mir ein und ging mit mir Richtung Tür.

„So da wären wir!“, stieg Jul mit mir behutsam aus dem Taxi und schlug die Tür zu. „Wo ist da? Falls du es vergessen hast, kann ich nix sehen!“. Jul und Ina hatten mir die Augen verbunden und ich war jetzt quasi blind. „Komm Katja… hör auf zu nörgeln…“, meinte Ina, als sie neben mich trat. „Ah… guck mal wer da kommt, Jul!“. Ich kam mir vor wie bei einem Kindergeburtstag „Hallo ihr drei!“, hörte ich Pauli fröhlich sagend. Pauli war hier? „Wo ist Aki?“, fragte ich sofort. „Hier!“, kam es grummelnd von ihm selbst. „Wo hier?“, fragte ich nach. „Kann ich dir leider nicht sagen, weil ich gerade blinde Kuh spiele und mächtig Spaß dabei habe!“, antwortete er sarkastisch. Die anderen lachten. „Okay, Leute was soll der Scheiß? Warum sind Aki und ich blind?“. „Werdet ihr gleich sehen! Kommt erstmal mit!“, sagte Eeros Stimme. Jul harkte sich wieder bei mir ein und ging mit mir los.

Ich hörte ein Schloss knacken und wie eine Tür aufging. „Wo zum Teufel sind wir? Wenn wir jetzt noch einmal blind Fahlstuhl fahren, nehme ich das Tuch ab.“, sagte Aki genervt. „Gleichfalls!“. „Nun mal locker! Aki geh jetzt bitte gerade aus……… Stopp…. Katja gerade aus…“. ich befolgte den Befehl- zwar widerwillig aber ich befolgte ihn- und ging gerade aus und zack… rannte ich gegen etwas. „Danke, Schatz, das war ich!“, murmelte Aki. „Oh… tut mir Leid!“. „So ihr beiden Süßen, wir sehen uns morgen um 10 Uhr bei Eero zu Hause! Viel Spaß!“, hörte ich Pauli lachen. „Und keine Sorge Katja… wir packen deine Sachen!“, meinte Ina und ehe wir antworten konnten fiel schon die Tür ins Schloss.
Ich wurde wütend und nahm das Tuch von meinen Augen! „Was um Himmels Willen…….. wow!“. Ich traute meinen Augen nicht. Aki und ich standen in einem kleinen Apartment, indem ein Meer von Kerzen stand. In mitten des Zimmer stand ein kleiner Tisch mit Essen, Sekt und natürlich Kerzen. Alles war voller Rosenblüten. „Wow…“, kam es jetzt auch von der Seite. Ich war total perplex und als ein weiteres „wow“ von Aki kam, drehte ich mich zu ihm um. Er musterte mich von oben bis unten und schaute mir dann schließlich direkt in die Augen. „Du siehst umwerfend aus!“, sagte er leise und seine Augen glitzerten. „Sicher nicht so umwerfend, wie du!“, lächelte ich und schaute mir den edlen Anzugs meines Freundes an. Aki kam zu mir und gab mir einen Kuss auf die Stirn. „Ich glaub wir haben die besten Freunde der Welt!“, sagte er. „Und die kreativsten!“, zeigte ich auf einen kleinen Pfeil aus Teelichtern am Boden der aufs Nebenzimmer zeigte. „Das ist sicher nicht das Bad!“, grinste ich. Aki grinste auch und schlang seine Arme um meine Hüfte. Er gab mir einen zärtlichen Kuss. „Das wird der schönste Abend den ich je hatte!“, flüsterte er.


105. Lauri (nächsten Morgen bei Eero)

„Wie? Du bleibst hier?“. Ina starrte Silvi mit offenem Mund an. Wir saßen bei Eero im Esszimmer und aßen mehr oder weniger gemütlich Frühstück. Man konnte die Anspannung von einigen Leuten gewissermaßen spüren.
„Yapp!“, nickte Silvi fröhlich und nahm sich ein zweites Brötchen. „Aber… du kannst doch nicht… manno… ich will auch hier bleiben!!!“, schmollte sie. „Geht nicht… die Schule ruft!“, grinste Silvi fies.
Ich biss ein Happen von meinen Brötchen ab und schaute auf die Uhr, die im Esszimmer hing. „Entweder habt ihr vergessen Aki und Katja bescheid zu sagen oder sie können die Uhr nicht lesen! Es ist schon halb elf…“, bemerkte ich in die Runde. „Ach die kommen sicher gleich!“, lachte Pauli. Ich schaute zu Eero der ebenfalls still vor sich hin grinste. Irgendwie hatte ich hier was verpasst, aber egal…
Ich schaute den Tisch weiter entlang, während ich aß. Tobi, Mark und Jul hatten ganz schlechte Laune. Tobi sicherlich wegen Katja und von Mark und Jul hat man in letzter Zeit ja auch nichts Gutes gehört. Irgendwie war das komisch. 4 Leute hatten nun endlich ihr Glück gefunden und 3 ihre absolutes Pech. Eigentlich ziemlich ungerecht…
„Alles okay, Lauri?“, fragte Silvi grinsend von der Seite. „Nein!“, sagte ich ernsthaft. Obwohl alles okay war. Silvi hörte auf zu grinsen und schaute mich besorgt an. „Schließlich weiß noch keiner von unserer Verlobung!“, grinste ich jetzt. Die Anwesenden horchten auf. „Ihr seid verlobt?“, fragten Pauli und Jul gleichzeitig. Eero sprang auf und klatschte vor Freude in die Hände „Yeah… Glückwunsch!“. „Du willst IHN heiraten und du willst SIE heiraten???“, fragte Ina ungläubig und schaute geschockt zwischen uns beiden hin und her. „Ina… die Welt wird deswegen nicht untergehen! Und ja, ich will IHN heiraten! Außerdem heiraten wir ja nicht gleich morgen…“, lachte Silvi. „Glückwunsch!“, grummelten jetzt auch Tobi und Mark.
Es klingelte. „Ach nee… wer kommt denn da?“. Eero verließ mit super Stimmung die Küche und kurze Zeit später kam er mit Aki und Katja wieder zurück. „Guten Morgen!“, lächelten die beiden um die Wette, als sie das Esszimmer betraten. Ein allgemeines Grummeln, welches „Morgen!“, sehr Nahe kam schwappte den beiden entgegen.
Katja setzte sich neben mich und Aki an die Stirnseite des Tisches, neben Katja. Ich begutachtete Aki ganz genau. Er hatte sich verändert. So glücklich hatte ich ihn noch nie gesehen.
„Danke für das Apartment!“, zwinkerte er Jul und Ina zu, die neben ihm saßen. Apartment? Welches Apartment. Ich hab wirklich was verpasst… Jul nickte lächelnd und Ina brummte: „Bitte!“. „Was ist denn mit dir los?“, fragte Katja, als sie sich und Aki Kaffe einschenkte. „Wusstest du das Silvi noch in Finnland bleibt?“, murmelte sie und schaute Silvi böse an. „Ähm… nein…!“, antwortete Katja etwas verwirrt und schaute erst zu Silvi, dann zu Aki. Sie würde wohl noch lieber ebenfalls in Finnland bleiben wollen, als Ina. „Und verlobt haben die beiden sich auch noch!“. Katjas Miene hellte sich auf. „Das ist ja cool!“. Und Aki hechtete sich über den Tisch und reichte mir die Hand. „Glückwunsch, Alter! Ich bin Trauzeuge!“. Silvi und ich lachten. „Nun mal langsam, Aki… so schnell heiraten wir nun auch nicht!!!“, sagte ich. Er ließ sich zurück in den Stuhl fallen und grinste. „Trotzdem…“.
Am anderen Ende des Tisches erhebte sich ein weiteres Mal Eero. „So… da heute anscheinend eh schon der Morgen der Überraschungen ist, gibt’s gleich noch eine gratis dazu!“. Aki, Pauli und ich lehnten uns wissend zurück, was die anderen natürlich verunsicherte. „Was für eine Überraschung?“, fragte mich Silvi und Katja Aki flüsternd. „Werdet ihr gleich sehen!“, kam es gleichzeitig von uns.
„Ich würde sagen „Nightmare“ hat hier in Finnland durchaus mehr Glück als in ihrer Heimat!“, begann Eero. „Sagen wir es so… Eure zwei Konzerte haben einige Leute begeistert! Nicht nur einige sondern auch eher wichtige…“, Eero holte extrem weit aus und schaffte damit eine unüberwindbare Anspannung im Raum.
„Komm zum Punkt!“, grummelte Ina. Eero lachte. „Okay! Ihr habt die Chance einen ordentlichen Plattenvertrag zu bekommen… und eine Single zu veröffentlichen!“


106. Katja

„Boah n Plattenvertrag… Aki… ein richtiger Vertrag… und ne Single!“. Ich rutschte total überdreht auf dem Autositz hin und her. Ich war so überglücklich über den Plattenvertrag, dass mir eigentlich gar nicht bewusst war, wo wir hin fuhren.
„Hey Süße, komm mal wieder runter!“, lächelte Aki und konzentrierte sich auf den Straßenverkehr. „Hallo? Ich hab gerade erfahren, dass bald vielleicht mehr als hundert Leute die Chance haben uns auf Cd zu hören!“, sagte ich empört. „Ich mein, ich will nicht wissen, wie DU damals drauf warst, als du erfahren hast, dass du bei The Rasmus spielen darfst!“. Aki schaute kurz zu mir rüber, grinste und schaute dann wieder auf die Straße. „Ich war jedenfalls nicht so überdreht wie du! Ich glaub, ich hatte eher Angst!“.
Ich musste lächeln. Mein Aki hatte Angst? „Du und Angst!“. „Ja! Ich und Angst! Ich mein, die Fans wollten Janne und nicht irgend son Typen…“. Aki parkte gerade sein Auto am Flughafen. „Du bist nicht irgend son Typ. Du bist mein Typ!“, grinste ich. Aki zog den Zündschlüssel ab, löste den Gurt und beugte sich zu mir herüber. „Ich liebe dich!“, sagte er und gab mir einen Kuss. Ich lächelte, löste ebenfalls den Gurt und wir stiegen beide aus. Die anderen hatten neben uns geparkt. Und ich erschreckte total als aus unserem Auto noch Lauri und Silvi ausstiegen. Die beiden hatte ich total ignoriert, aber ich glaube die eh mit sich zu tun.


„Na gut… das wars dann wohl…“, sagte Jul. Wir hatten gerade unsere Koffer aufgegeben und nun mussten wir Einchecken. „Yupp… Aber wir kommen ja bald wieder!“, grinste Ina. Die Nachricht mit dem Plattenvertrag hatte auch ihre Laune enorm gehoben. Ich seufzte laut und fing an mich zu verabschieden. Erst ging ich zu Lauri und Silvi und drückte die beiden. „Tschau Lauri… Silvi man sieht sich…“. Dann ging ich zu Eero und Pauli und auch die beiden bekamen eine kräftige Umarmung, nur bekamen sie jeweils noch ein Küsschen auf die Wange. „Tschau ihr beiden und Danke für heute Nacht!“, zwinkerte ich. „Kein Problem… Machs gut!“, lachten die beiden. Dann kam für mich der Horror. Ich musste mich von Aki verabschieden.
Ich ging zu ihm und schaute ihn traurig an. „Komm Kleine… ich versprech dir ich komme dich so schnell wie möglich besuchen… oder ihr seid wirklich schon bald wieder hier!“, lächelte er zwanghaft. Ich nickte und er beugte sich zu mir und gab mir einen langen innigen Kuss. Gott… wie ich das vermissen würde. Wir waren jetzt erst ein paar Tage zusammen und mussten uns schon wieder trennen. Warum ist das Leben so ungerecht?
Als der Kuss endete, umarmte ich ihn und lehnte mich ein letzten mal an ihn. „Ich liebe dich, Aki!“, flüsterte ich. „Ich dich auch!“. Ich schaute ihn an. „Katja, kommst du… wir müssen rein!“, sagte Mark genervt. Ich gab Aki noch einen flüchtigen Kuss und löste mich dann von ihm…


„Ihr seid ein schönes Paar!“, sagte Tobi plötzlich, als wir den Gang zum Flugzeug entlang gingen. Wir waren beide hinten. „Danke…“, antwortete ich verwirrt, neigte meinen Blick zum Boden. „Das was in Tampere passiert ist, tut mir Leid… ach eigentlich tut mir alles Leid!“. Er meinte es ernst, dass hörte ich an seiner Stimme. „Dir brauch gar nichts leid zu tun… Im Gegenteil, mir müsste alles Leid tun… und das tut es auch! Sorry… ich war wirklich unfair zu dir. Ich hätte dich nicht so…“. „Schon gut!“, unterbrach er mich. Ich schaute hoch, direkt zu Tobi. „Finnland war schon irgendwie verrückt, oder?“.
„Ja, das wars!“. Tobi begann zu lachen. „Es war der beschissenste Urlaub den ich je hatte…“





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